20.000 Kunden nutzen die Beacon-App der Schweizerischen Bundesbahn.

von Christian Bach am 16.April 2015 in Interviews, Topnews

Manuel Gerres - SBB Schweiz Bahn - MiniMit Volldampf voraus: Nach diesem Motto agiert die Schweizerische Bundesbahn (SBB), wenn es um Innovationen geht. Die SBB testet seit Januar 2015 die App „Mein Bahnhof“ für Indoor Navigation, die unter anderem auf der Beacon-Technologie basiert. „Grundsätzlich steht der Test allen Kunden zur Verfügung. Aktuell machen 20.000 Kunden beim Piloten mit“, verrät Manuel Gerres von der SBB gegenüber Location Insider. Gerres spricht beim Payment Kongress am 29. und 30. April in Frankfurt am Main zu den „Herausforderungen von neuen Technologien am Markt“.

Einer solchen Herausforderung hat sich die Schweizerische Bundesbahn mit der Beacon-Installation am Hauptbahnhof Zürich und der angrenzenden Einkaufspassage ShopVille gestellt. „Aktuell sind dort rund 1.000 Beacons verbaut. Dies ist weltweit einzigartig“, sagt Gerres. Nutzer können die kostenlose iOS- und Android-App „Mein Bahnhof“ nutzen, um sich mit einer Genauigkeit von 3 bis 5 Metern navigieren zu lassen. Der Test ist auf rund ein Jahr – also bis Januar 2016 – angesetzt.

"Mein Bahnhof"-App

„Mein Bahnhof“-App

Nicht nur die Schweizer selbst haben ein Interesse an Indoor-Navigation in den Bahnhöfen. „Jüngst hat Google bei der SBB nach den Plänen der Bahnhöfe nachgefragt. Damit will Google die Indoor-Navigation ausbauen. Die SBB hat die Daten nicht herausgerückt. Für ein Startup wäre dies dann auch schon das Ende der Fahnenstange. Google dagegen kann die Bahnhöfe auch selbst erfassen“, sagte Opendata.ch-Mitgründer Hannes Gassert im März inside-it.ch. Dass Google seine Navigation auch in Gebäuden ermöglichen will, weiß auch Gerres: „Google Maps soll nach und nach neue Mehrwerte erhalten. Wir möchten dies mit unserer eigenen Indoor-Navigations-Lösung jedoch auch und fokussieren daher erst mal unsere eigene Bestrebungen, um diese gut umzusetzen.“

Projekte gelingen – oder auch nicht

"SBB P+Rail"-App

„SBB P+Rail“-App

Beacons und Indoor-Navigation sind aber nicht die einzigen Felder, auf die sich die SBB traut. Im April 2014 hat die staatliche Eisenbahngesellschaft einige Startups aus der Schweiz und aus Deutschland zu einem „Railpitch“ in einen fahrenden Zug geladen. Dabei waren auch 30 Test-Kunden geladen. Vorgestellt wurden unter anderem „SweetSpot“ für ein internes Wlan im Zug, „Travel Companion“ für die Sitzplatzsuche, „GoodBox“ für den Online-Lebensmitteleinkauf und das Startup „parkit.ch“. „Aus Letzterem ist beispielsweise unsere SBB P+Rail App hervorgegangen. Hierrüber können unsere Kunden per App Parkplätze suchen, finden, direkt bezahlen und gegebenenfalls verlängern – ganz ohne Papier und Kleingeld“, sagt Gerres. Trotzdem plant die SBB aktuell keine weiteren Aktionen dieser Art. „Denkbar ist aber, dass wir das Konzept in einer erneuerten Form zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen“, fügt der SBB-Manager hinzu.

Ein anderes Pilotprojekt hat sich dagegen nicht durchgesetzt. Die Schweizerische Bundesbahn hat 2014 Uber-Gutscheine an vergeben. „In Anbetracht der Tatsache, dass jeder und jede ein Uber-Taxi auch ohne SBB buchen kann, sehen wir aktuell keine direkte Basis für eine Kooperation“, erklärt Gerres. Seiner Aussage zufolge ist auch zukünftig keine Uber-Schnittstelle für die SBB-App geplant.

Noch offen ist die SBB-Planung in Sachen digitale Schließfächer und Shoppingangebote. Eigentlich hatte die Bundesbahn ein Millionenprojekt in diesen Bereichen mit dem Schweizer Online-Supermarkt LeShop geplant. Laut Gerres ist dies aber offen. „Bei Innovationen ist es üblich, dass nicht alles sofort funktioniert. Das war auch in diesem Bereich nicht anders. Deshalb ist noch nicht klar, in welche Richtung wir entsprechende Angebote weiterentwickeln.“ Egal wie sich die SBB dabei entscheidet, die Schweizer sind der Deutschen Bahn bei Innovationen in jedem Fall einige Schritte voraus. Da hilft es auch nicht, dass die Deutsche Bahn ab Juni 2016 kostenloses Wlan in ICE-Zügen anbieten will.



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