Abholshops – aus Sicht des Online-Handels gedacht.

von Matthias Hell am 12.Dezember 2013 in Trends & Analysen

Beim Thema Click & Collect denkt man in erster Linie an stationäre Händler, die sich als Multichannel-Anbieter neu erfinden (müssen) und von daher schnell zur Verknüpfung von Online-Bestellung und Filialabholung gelangen. Dass Abholshops aber auch für einen Online-Händler Sinn machen können, zeigt das Beispiel des österreichischen Elektronikversenders Electronic4You.

Dass die schlichte Filialabholung von Online-Bestellungen aus Kundensicht nur einen geringen Mehrwert bietet, stellten wir bereits in unserer Analyse zu dem Thema fest („Click & Collect ist nur der Anfang“). Woran es hakt, hat Michael Brake in einer aktuellen taz-Kolumne noch einmal schön auf den Punkt gebracht:

„Click + Collect bedeutet: Zu Hause am Computer die Waren aussuchen und sie sich dann im stationären Handel abholen. Sprich: Man kann die Sachen vorher nicht anfassen und ausprobieren, sie werden aber auch nicht nach Hause geliefert. Also das Schlechteste aus zwei Welten (…).“

Einen anderen Blick auf das Thema Warenabholung bietet ein Bericht von Futurezone.at über den österreichischen – auch in Deutschland aktiven – Elektronikversender Electronic4You. Mit einem Jahresumsatz von 35 Millionen Euro gehört Electronic4You in der Alpenrepublik in dem Segment zu den Top-Anbietern und unterscheidet sich von den deutschen Wettbewerbern vor allem durch seine Stationärstrategie: der Online-Händler betreibt mit 9 lokalen Filialen deutlich mehr Ladengeschäfte als zum Beispiel das nur in München und Düsseldorf mit stationären Stores vertretene Notebooksbilliger.de. Von den mittlerweile 12 Cyberport Stores unterscheidet sich Electronic4You dagegen durch ein deutlich schlankeres Stationärkonzept: der österreichische Online-Händler setzt auf Abholshops, die in den wichtigsten Städten in zentraler Lage – oft in Einkaufszentren und in direkter Nachbarschaft zu großen Elektronikmärkten – angesiedelt sind.

Electronic4You_Wien

Vorteile für Kunden – und Shopbetreiber

Für Electronic4You-Betreiber Hannes Majdic stellen die Abholshops ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb mit Pure Playern wie z.B. Amazon dar, wie der Kärntner gegenüber Futurezone.at erklärt:

„Die Kunden können im Web ordern, sich die Produkte zusenden lassen oder sie in einem von derzeit neun Shops abholen. „Die Konsumenten mögen das Konzept, weil sie einen direkten Ansprechpartner haben.“

Während im klassischen Stationärhandel nur noch Anbieter überleben könnten, die sich durch ein einzigartiges Sortiment oder umfangreiche Beratungsleistungen auszeichneten, bleiben die Electronic4You-Absholshops den schlanken E-Commerce-Prinzipien treu: Jeder Shop hat rund 2 bis 3 Mitarbeiter und umfasst ein sehr beschränktes Sortiment sowie eine überschaubare Ladenfläche. Zentrale Funktion ist die Warenabholung, die gerade in Österreich mit seinen großen ländlichen Gebieten, in denen Paketlieferungen deutlich schwieriger umzusetzen sind als in den Metropolen, eine hohe Attraktivität genießt. Damit rentiert sich das Abholshop-Konzept auch aus unternehmerischer Sicht, wie Electronic4You-Chef Hannes Majdic im Oktober bereits in der „Kleinen Zeitung“ erklärte:

„Jeder Retailhändler muss sich überlegen, wie es weitergeht“, sagt Majdic zu den bevorstehenden strategischen Weichenstellungen in der Branche und auch im eigenen Unternehmen. Im Online-Handel würde man im Vergleich zur Fläche mit dem gleichen Einsatz das Fünffache an Umsatz erlösen. „Unsere Pick-up-Stores machen mehr Umsatz, als jeder Einzelhändler“, so Majdic.

Während Click & Collect aus Sicht der in Richtung gehenden Multichannel gehenden Handelsketten tatsächlich nur ein erster Schritt sein kann, bietet ein Abholshop-Konzept wie das von Electronic4You im Online-Kontext damit für den Händler die Chance zu Zusatzeinnahmen sowie für die Kunden einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert.


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