Das sind die besten digitalen Marketingstrategien für lokale Unternehmen.

von Florian Treiß am 30.September 2016 in News, Trends & Analysen

Local lokal Regional SchriftzugLokale Händler und Dienstleister sollten digitale Dienste umarmen, statt in ihnen nur das „böse Internet“ zu sehen – denn mit einer guten digitalen Marketingstrategie können sie ihre Kundenfrequenz und im Idealfall auch ihren Umsatz im Geschäft steigern. Das gilt längst nicht mehr nur für die einzelnen Standorte der großen Filialisten – auch kleine, inhabergeführte Geschäfte können für kleines Geld durchaus Großes erreichen. Wir geben einige Tipps für große und kleine Unternehmen.

Gehen Sie dahin, wo der Nutzer ist

Klar gehört zur Strategie eines großen Filialisten irgendwann eine eigene App mit Infos zu sämtlichen Standorten. Doch verwenden Millionen von Nutzern bereits diverse andere Apps und Plattformen, bei denen Unternehmen Präsenz zeigen können und sollten, speziell im Bereich Shopping: Um einen Angebotsprospekt eines Unternehmens zu finden oder auch ganz simpel den Standort oder die Öffnungszeiten, laden sich Nutzer nicht unbedingt von jedem Händler eine eigene App runter, sondern verwenden händlerübergreifende, ortsbezogene Apps wie KaufDA, Marktjagd oder Marktguru. Diese haben nachweislich eine hohe Werbewirkung und können Filialbesuche steigern: Konkret haben laut einer Studie 54 Prozent mehr KaufDA-Nutzer einen Media Markt aufgesucht, wenn ihnen vorher bei KaufDA ein entsprechender digitaler Prospekt angezeigt wurde, als wenn kein Prospekt von Media Markt zu sehen war. Je nach untersuchter Branche schwankt dieser „Uplift“ der Filialbesuche von 36 Prozent (Mode) bis 100 Prozent (Baumärkte). Auch die händlerübergreifende Bonuspunkte-App Shopkick eignet sich gut für Händler: Als der Möbelhändler Poco innerhalb der App 15 Prozent Rabatt gewährte, stieg die Anzahl der Shopkick-Nutzer, die die Filialen besuchten, um 130 Prozent. Insgesamt kamen während der Aktion mehr als doppelt so viele Besucher in die Märkte als in einem durchschnittlich vergleichbaren Zeitraum. Teilweise trug die App bis zu 12 Prozent zum Umsatz des Möbelhauses bei.

Optimieren Sie ihre Internetpräsenz für die lokale Suche

Google Maps AppEine Studie von Google zeigt, dass weltweit 30 Prozent aller Suchanfragen auf Mobilgeräten einen lokalen Bezug haben. Stolze 76 Prozent der Smartphone-Nutzer, die nach etwas in ihrer Nähe suchen, betreten noch am selben Tag ein Ladengeschäft. Und immerhin 28 Prozent der lokalen Suchanfragen führen zu einem tatsächlichen Einkauf, so Google. Durch diese Zahlen wird deutlich, wie einflussreich lokale Suchanfragen sind. Und klar wird auch: Unternehmen sollten ihre Internetpräsenz unbedingt für die lokale Suche optimieren. Größere Ketten sollten jede einzelne Filiale im Netz schnell auffindbar machen für passende lokale Suchanfragen, sowohl nach dem Unternehmensnamen selbst (z.B. „Karstadt in Leipzig“) als auch nach speziellen Suchkategorien (z.B. „Schuhe in Berlin kaufen“). Entsprechende Profile sollten auf Plattformen wie Google Maps oder meinestadt.de hinterlegt und ständig aktuell gehalten werden. Dazu gibt es mittlerweile Lösungen wie die des Berliner Startups Uberall, das ein „Premium Online Presence Management“ für Unternehmen bietet. Uberall ermöglicht es Firmen darüber, ihre lokalen Profile in über 50 sozialen Netzwerken, Kartendiensten, Branchenbüchern, Bewertungsplattformen, Navigationssystemen etc. aktuell zu halten.

Pflicht für kleine Unternehmen: Eintrag bei Google My Business

Nicht nur Filialisten, sondern gerade auch kleine inhabergeführte Unternehmen sollten die lokale Suche im Fokus haben. Denn vor allem jüngere Kunden suchen Unternehmen heute nicht mehr im gedruckten Telefonbuch oder in den Gelben Seiten, sondern im Internet, sei es auf dem PC oder direkt auf dem Smartphone. Zwar mag eine Lösung wie die von Uberall, die gleich über 50 Plattformen berücksichtigt, nicht für jedes Kleinunternehmen erschwinglich sein. Doch zumindest ein völlig kostenloser Eintrag bei „Google My Business“ ist Pflicht: Firmen können sich bei Google ein kostenloses Firmenprofil anlegen, und zwar inklusive Öffnungszeiten, Ortsangabe und Telefonnummer. Naturgemäß werden diese Firmenprofile dann bei einer lokalen Suchanfrage bei Google weit oben gezeigt, ebenso auch bei einer Suche innerhalb von Google Maps. Den Unternehmen stellt Google im Anschluss auch spannende Statistiken zur Verfügung. In einem solchen Report heißt es dann etwa: 128 Personen haben Ihr Unternehmen im letzten Monat auf Google gesehen, 6 Personen haben Ihre Telefonnummer auf Google gefunden und Ihr Unternehmen angerufen und 2 Personen haben nach einer Route zu Ihrem Unternehmen gesucht. Dies ist ein reales Beispiel eines Kfz-Sachverständigen in einer sächsischen Kreisstadt. Auch wenn die Zahlen nicht spektakulär klingen: Für diesen Gutachter ist der kostenlose Google-Eintrag bares Geld wert, denn jeder der 6 Anrufer und 2 Routensucher ist ein potenzieller Kunde für ein Gutachten, das schnell mehrere hundert Euro Umsatz bedeutet. Und wenn man bedenkt, dass womöglich mehrere dieser acht Personen direkt am Unfallort per Smartphone nach einem Kfz-Sachverständigen gesucht haben, so zeigt dies um so mehr, wie wichtig eine solche Präsenz für Unternehmen heute ist.

Nutzen Sie Social Media für Kundendialog und aktuelle Angebote

Plattformen wie Facebook, Twitter, Instagram und neuerdings auch Snapchat eignen sich hervorragend für lokal tätige Unternehmen – ganz im Sinne des Stichworts „SoLoMo“, das die Verbindung von Social Media, Local und Mobile bezeichnet. Firmen sollten sich zum Beispiel kostenlos eine eigene Facebook-Seite einrichten, die für vieles genutzt werden kann: Für wichtige Basisinformationen wie Standort und Öffnungszeiten, für einen intensiven Kundendialog nebst öffentlichen Bewertungen und auch für aktuelle Angebote. So machen Restaurants gute Erfahrungen damit, Fotos ihrer aktuellen Tagesgerichte bei Facebook zu veröffentlichen und möglichen Kunden so den Mund wässrig zu machen, genauso wie Bäckereien mit Fotos von ihren Torten. Im Idealfall werden Stammkunden dann auch noch zu Botschaftern des Ladens auf Facebook, in dem sie die Bilder des Restaurants oder der Bäckerei mit ihren eigenen Freunden teilen. So kann ein kleiner Facebook-Beitrag schnell viral weiterverbreitet werden und das Unternehmen bekommt kostenlose Werbung. Auch können sich Gäste via Facebook im Laden einchecken und so ihren Freunden mitteilen, dass sie gerade in einem bestimmten Restaurant sind und dass es ihnen dort gefällt. Auch eigene Profile bei Twitter und Instagram können für lokale Unternehmen hilfreich sein, um dort ebenfalls potenzielle Kunden anzusprechen oder mit tatsächlichen Kunden in den Dialog zu kommen. Das kann auch für Blumenhändler, Feinkostgeschäfte etc. ein spannender Kanal sein, um Menschen in der Umgebung zu erreichen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Kompendium Location – Connecting ON- und OFFline der Location Based Marketing Association, das kostenlos heruntergeladen werden kann. Wir haben einige Highlights aus dem Kompendium in einem separaten Beitrag zusammengefasst.

In unserer neuen Serie „Future Commerce“ beleuchten wir jeweils donnerstags eine Innovation, ihre Möglichkeiten und Auswirkungen auf den stationären Handel. Bisher sind erschienen:


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