Digitales Erweckungserlebnis bei Breuninger: Von Instore-Bestellung, W-Lan und Mobile Payment.

von Florian Treiß am 24.Juni 2016 in Highlight, Kolumne

Breuninger-quer

Meine Welt als Kunde, Teil 3

Nachdem ich die letzten Monate immer wieder mit unserem kleinen Sohn über den Boden gerobbt bin, musste ich neulich feststellen, dass ich keine einzige Hose mehr ohne Löcher am Knie hatte. Doch mein üblicher Weg, mir bei Amazon oder Zalando Nachschub nach Hause zu bestellen, war diesmal leider ohne Erfolg: Irgendwie passte keine der insgesamt vier bestellten Hosen – und so musste ich sämtliche Hosen retournieren. Was für ein Weckruf für mich, schreiben wir doch hier nahezu täglich über den größten Vorteil des stationären Handels gegenüber dem Onlinehandel: Die Beratungskompetenz.

Also mache ich mich auf zu Breuninger, einem recht luxuriösen Kaufhaus direkt am Leipziger Marktplatz. Schnell finde ich einen Verkäufer und erläutere ihm meine Problemzone beim Hosenkauf, nämlich meine dicken Oberschenkel. Deswegen finde ich seit Jahren nur noch sehr schwer passende Hosen, denn die dicken Oberschenkel wollen beim Standard-Schnitt einfach nicht zur dünneren Taille passen… Der Verkäufer nimmt sich meines Problems an – braucht aber immerhin auch fünf Anläufe, um eine wirklich passende Chino-Hose für mich zu finden. Da mein Kleiderschrank total leer ist und mir die Hose sehr gut gefällt, habe ich eine Idee: Ich muss zwar nicht wie Steve Jobs immer den gleichen Pullover tragen und mir diesen gleich 50 Mal kaufen, aber immer die gleiche Hose und in drei verschiedenen Farben, das wäre doch ein toller Kompromiss. Und tatsächlich gibt’s die Hose gleich in fünf Farben, von denen mir drei auch wirklich gut gefallen. Leider sind aber nur zwei meiner drei Lieblingsfarben vorrätig.

Hose nach Hause

Was nun folgt, ist mein digitales Erweckungserlebnis im stationären Handel: Der Verkäufer holt sein iPad heraus und schaut für mich nach, ob die dritte Farbe der Hose noch im Zentrallager vorrätig ist – und das ist sie tatsächlich. „Haben Sie eine Breuninger-Kundenkarte?“, fragt er mich. Dann müsse er jetzt am iPad nur kurz meine Kundennummer eingeben und würde die Hose dann direkt an mich nach Hause liefern lassen – selbstverständlich ohne Versandkosten. Nicht schlecht, denke ich, sowas hat mir bislang noch nie ein Verkäufer angeboten. Also krame ich meine Kundenkarte raus und gebe sie dem Verkäufer. Leider müssen wir nun feststellen, dass noch eine alte Adresse von mir hinterlegt ist, so dass es noch einer kleinen Änderung bedarf. Aber das ist schnell erledigt – und schon ist die Bestellung übers iPad ausgelöst und das Paket kommt tatsächlich am übernächsten Tag an.

Click & Collect bei Breuninger

Click & Collect bei Breuninger

Nachdem mir der Verkäufer anschließend noch einen passenden Gürtel empfohlen hat, schaue ich mich näher im Breuninger-Kaufhaus um – und bin überrascht, wie offensiv das Unternehmen verschiedene digitale Themen im Kaufhaus anspricht, die bei vielen anderen Händlern allenfalls auf der Roadmap der nächsten zwei bis drei Jahre stehen. So stehen gleich an mehreren Stellen im Kaufhaus schicke Aufsteller, die über den Service „Shop & Order“ informieren, von dem ich gerade profitiert habe. Darauf heißt es: „Ein bestimmtes Kleidungsstück ist in Ihrem Breuninger Haus nicht vorrätig oder in Ihrer Größe nicht mehr vorhanden? Unsere Mitarbeiter gehen für Sie auf die Suche und bestellen per Mausklick“ – oder in meinem Fall per iPad – „Sie bekommen die Lieferung innerhalb von 1-3 Tagen frei Haus oder in Ihr Breuninger Haus geliefert“. Eine Säule weiter ist zudem von Click & Collect die Rede – also zu Hause im Online-Shop bestellen, danach aber im Breuninger-Kaufhaus abholen.

Etwas später finde ich auch noch einen Hinweis auf das kostenlose W-Lan im Haus und logge mich ein. Trotz möglicher „Störerhaftung“ ist keinerlei Angabe von Daten erforderlich, ich kann sofort mit meinem Smartphone online gehen. Die Startseite des W-Lans nutzt Breuninger gleich gezielt als digitale Litfaßsäule: Mir wird dort vorgeschlagen, im Online-Shop einzukaufen, einen Newsletter zu bestellen oder mir die Breuninger-App herunterzuladen. Ich tue letzteres – und freue mich angesichts der wahnsinnigen App-Größe von 80 Megabyte nun gleich doppelt über das kostenlose W-Lan.

Mobile Kundenkarte von Breuninger für Mobile Payment

Mobile Kundenkarte von Breuninger für Mobile Payment

Mobile Payment per QR-Code

Als ich die App öffne, fehlt mir darin zwar ein Einkaufsbegleiter durchs Kaufhaus selbst und der Schwerpunkt liegt v.a. auf dem Online-Shop, doch für die Verwendung direkt im Kaufhaus gibt es auch eine spannende Funktion: Mobile Payment. Bereits seit Ende 2015 bietet Breuninger mobiles Bezahlen an – und war damit schneller als Payback, das aktuell eine ähnliche Zahlungstechnologie einführt. Auch wenn ich selbst schon seit Jahren über Mobile Payment schreibe, so habe ich es doch noch nie in der Praxis ausprobiert. Breuninger macht es mir nun denkbar einfach: Da ich bereits eine Kundenkarte inkl. SEPA-Lastschriftmandat habe, muss ich diese bloß in der App digital hinterlegen – und kann ab sofort direkt an der Breuninger-Kasse im Kaufhaus mit meinem Handy bezahlen. Als ich an der Kasse dann mein Handy zücke, weiß die Kassiererin gleich Bescheid und scannt einfach einen QR-Code von meinem Handy-Display ab, der sich nach 60 Sekunden wieder selbst vernichtet. Das war’s auch schon – und Breuninger gibt mir hierbei auch noch Kredit, denn alle Käufe werden für einen Monat gesammelt und dann erst gebündelt abgebucht.

Kooperation mit Liefery

Schließlich werde ich auch noch auf einen Aufsteller aufmerksam, der auf den „Breuninger Kurierservice“ aufmerksam macht: Für 5,95 Euro extra könnte ich meine Einkäufe vom Kaufhaus aus direkt nach Hause liefern lassen, wobei die Lieferung wahlweise noch am selben Tag zwischen 20 und 22 Uhr erfolgen kann oder am nächsten Morgen zwischen 9 und 11 Uhr. Das funktioniert im gesamten Stadtgebiet von Leipzig – und Breuninger arbeitet dabei mit der Plattform Liefery zusammen. Außer in Leipzig funktioniert das aktuell auch schon in Düsseldorf, verrät uns später die Pressestelle von Breuninger, spricht hierbei aber noch von einem Test (siehe auch unser Fragebogen mit Thomas Höhn vom Breuninger Haus in Düsseldorf). Ich teste den Kurierservice heute allerdings nicht mehr – die Tüte ist dann doch nicht so schwer, dass ich sie nicht selbst tragen könnte…

Diese vielen digitalen Services weitergedacht, könnte Breuninger womöglich in nächster Zeit auch eine taggleiche Lieferung für im Onlineshop bestellte Artikel einführen, die direkt von den Kaufhäusern per Liefery ausgeliefert werden könnten – ich werde nächsten Monat mal schauen, ob sich da schon was getan hat!

Über „Meine Welt als Kunde“:

Florian Treiß

Florian Treiß, Gründer von Location Insider

Tagtäglich schreiben mein Team und ich hier bei Location Insider über digitale Trends im Handel und Fachbegriffe wie „Click & Collect“, „Location-based Services“ oder „Same Day Delivery“. Doch bei all diesen Zukunftsthemen kommt der mal bunte, mal graue Alltag im Handel mitunter zu kurz. Deshalb schildere ich in meiner Kolumne meine ganz persönlichen Erlebnisse als Kunde. Diese sind für Händler und deren Dienstleiser mitunter lehrreicher als die neuesten Trends aus den USA – und können zeigen, wo Händler ihren Service und ihr Angebot noch verbessern können.

Lesen Sie auch die vorherigen Folgen von „Meine Welt als Kunde“:



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