Digitalisierung: „Wir haben nicht ewig Zeit.“

von Fritz Ramisch am 11.Juni 2015 in Interviews, Trends & Analysen

KaufDAErkundungstour durchs Neuland: „Jeder muss sich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen, das gilt für uns als Politiker genauso wie für Händler“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger gestern Abend im Rahmen einer Startup-Exkursion von Jungpolitikern in Berlin. Die Junge Gruppe der CDU/CSU, die sich u.a. das Thema Digitalisierung mit großen Buchstaben auf die Fahnen geschrieben hat, stattete dabei Digitalunternehmen wie kaufDA, Zalando, Mister Spex und MeinFernbus einen Besuch ab. Ziel war es, den „Horizont zu erweitern“ und „Zuzuhören“. In der Politik ist das Thema Digitalisierung mittlerweile Chefsache: „Der Mittelstand darf die Digitalisierung nicht verschlafen. Das Ganze muss vom CEO aus gedacht werden“, mahnte Angela Merkel erst am Dienstag auf einer Konferenz des CDU-Wirtschaftsrates. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen seien noch nicht gerüstet für die Digitalisierung, so der Warnruf der Kanzlerin, die vor nicht allzu langer Zeit das Internet noch als Neuland bezeichnet hatte.

Interview mit Steffen Bilger (CDU)

Interview mit Steffen Bilger (CDU)

„Wir brauchen immer neue innovative Unternehmen in einer Welt, die sich ständig verändert. Viele althergebrachte Mittelständler haben auch mal ganz klein angefangen“, sagte Steffen Bilger über die Bedeutung von Internetunternehmen wie Zalando oder kaufDA. Wirklich neue Erkenntnisse förderte die Exkursion zwar nicht zu Tage, doch das Bewusstsein für Themen wie Bürokratieabbau und Förderung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland dürfte dadurch etwas geschärft worden sein. Der Besuch beim Brillen-Onlinehändler Mister Spex habe gezeigt, dass Internet-Unternehmen auch ins stationäre Geschäft investieren und Online und Offline sich auch gegenseitig stärken können, so Steffen Bilger. Im Koalitionsvertrag zwischen SPD, CDU und CSU stehen rund 30 Maßnahmen für bessere Rahmenbedingungen für Gründer. „Wir sehen etwas mehr die Chancen, während die SPD etwas mehr die Risiken sieht, z.B. beim Verbraucherschutz. Im Großen und Ganzen ziehen wir aber an einem Strang.“

„Wir haben nicht ewig Zeit zu diskutieren und abzuwarten. In den nächsten Jahren entscheidet sich, wie die Märkte in der Digitalisierung verteilt werden. Jeder muss sich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen, das gilt für uns als Politiker genauso wie für Händler“, sagte Steffen Bilger im Anschluss an eine Tour durch die Büroräume von kaufDA und eine Einführung an der Apple Watch. Marc Biadacz, Direktor Geschäftsbeziehungen bei der kaufDA-Mutter Bonial, stand den Bundestagsabgeordneten Rede und Antwort. Nur bei Fragen zu Preisen und Abrechnungsmodellen bei digitaler Prospektwerbung wollte sich Biadacz nicht allzu sehr in die Karten schauen lassen: „Ich will nur soviel sagen, von Händlern haben wir das Handeln gelernt.“ Der Beweis, dass Digitalunternehmen auch von klassischen Händlern noch eine ganze Menge lernen können.



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