Fraunhofer-Institut will eigene Navi-App für Gebäude in den Handel bringen.

von Christian Bach am 26.November 2015 in News, Trends & Analysen
Navigations-App für Gebäude vom IPMS.

Navigations-App für Gebäude vom IPMS.

Praktische Forschung: Das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS) in Dresden hat eine Navigations-App für Gebäude entwickelt. „Wir wollen diese App im Gesundheitsbereich, im Handel aber auch zur Produktionssteuerungen bei kleinen und mittleren Unternehmen platzieren“, sagt Johannes Kade von der Abteilung „Business Development & Strategy“ gegenüber Location Insider. Die mobile Anwendung basiert auf Android sowie auf Wlan und ist bis zu 2 Meter genau. „Diese Präzision genügt auch im stationären Handel aus, um ein Produkt zu finden. Für eine punktgenaue Lokalisierung kann die Lösung mit zusätzlichen Funktechnologien wie RFID gekoppelt werden“, erklärt sein Kollege Christian Scheibner aus der IPMS-Abteilung „Drahtlose Mikrosysteme“. Die Navi-App funktioniert ähnlich wie bekannte Navigationslösungen, wie auch ein Selbsttest von Location Insider gezeigt hat. Nutzer können dabei ein Ziel innerhalb eines Gebäudes auswählen und sich dorthin leiten lassen – auch über mehrere Etagen.

Interessenten gibt es bereits

Johannes Kade vom Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS) in Dresden.

Johannes Kade vom Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS) in Dresden.

Johannes Kade hat die Navi-App vergangene Woche bei der internationalen Medizin-Messe Medica in Düsseldorf beworben. „Wir suchen dafür interessierte Projektpartner, aber das könnten auch Flughäfen sein. Wir sind da offen“, sagt der Fraunhofer-Projektmanager Kade und fügt hinzu: „Bei den Ausstellern auf der Medica-Messe sind wir auf sehr gute Resonanz gestoßen. Die Interessenten stammen vor allem aus den Bereichen Krankenhaus- und Altenheim-Management.“ Es gibt aber auch ernsthafte Interessenten aus dem Handel. Namen und Preise kann und will Kade aber nicht nennen, da die Verhandlungen andauern. Laut Kade hängen die Preise für die Lizenzen vom jeweiligen Businesscase der Betreiber ab.

Basis: Wlan und Android

Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS) in Dresden

Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS) in Dresden

Das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS) beschäftigt sich neben vielen anderen Projekten unter anderen mit drahtlosen Applikationen. Dazu gehören neben Wlan und der angesprochenen RFID-Funktechnologie auch optische Übertragungswege wie Infrarot-Licht und optische Hochratendatenübertragung im Nahbereich. Letztere dient vor allem dazu, um ohne Steckverbindungen auszukommen – laut Kade die Zukunft der Branche. „Wir haben uns bei der Navi-App für Wlan entscheiden, weil entsprechende Router heutzutage bereits an vielen Orten zum Standard gehören und deren Reichweite einfach erweiterbar ist“, sagt Kade.

Die Fraunhofer-App ähnelt bekannten Karten-Lösungen.

Die Fraunhofer-App ähnelt bekannten Karten-Lösungen.

Aktuell läuft die Navi-Lösung des Fraunhofer-Instituts auf allen Android-Geräten ab der Version 2.3.3 „Damit decken wir 99 Prozent aller Android-Geräte ab“, erklärt Scheibner fügt hinzu: „Grundsätzlich können wir die App aber auch für iOS oder Windows Phone verfügbar machen. Das hängt von der Nachfrage ab. Wir arbeiten aktuell auch an einer Betriebssystem-unabhängige Version.“

Funktionen

Die Fraunhofer-Forscher haben die Navi-Lösungen zwar als eigenständige App entwickelt, Unternehmen können die Funktion aber auch als Modul in ihre App integrieren lassen. Neben dieser klassischen Navigationsfunktion können Nutzer aber auch sich bewegende Objekte tracken. Dafür müssen die Objekte – zum Beispiel Inventar in einem Krankenhaus oder in einem Shopping-Center – mit einem sogenannten Wlan-Tag versehen werden. So soll die teilweise aufwändige Suche danach beschleunigt werden. „Diese Funktionen und auch das Design können je nach Wunsch des Kunden angepasst werden“, sagt Kade und fügt ganz Werbefachmann hinzu: „Der Einsatz der Navi-App ist innerhalb kürzester Zeit denkbar – auch mit Sonderwünschen.“ So sollte das Institut auch agieren, denn eigentlich will es Google mit seiner Lösungen für Indoor-Navigation zuvorkommen.


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