Gettings plant vorerst keine weiteren Beacon-Projekte.

von Christian Bach am 19.März 2015 in Interviews, Topnews, Trends & Analysen

beacon2Beacons stehen noch am Anfang: Dieser Meinung ist Tobias Dupuis, Leiter der Marketingabteilung bei Gettings. Das Düsseldorfer Unternehmen will deshalb vorerst keine weiteren Beacon-Projekte starten. „Es wird kurzfristig keine neue Beacon-Kampagne von uns geben. Wir werden das erst einmal weiter beobachten“, erklärt Dupuis gegenüber Location Insider. Eine Ausnahme gibt es aber: „Sollte ein Händler auf uns zukommen, sind wir natürlich offen. Aber es wird in Kürze kein Standardprodukt bei uns“, so der Marketingverantwortliche. Grund für die Zurückhaltung ist der Abschluss des Beacon-Projekts in Düsseldorf. Gettings hat vergangenes Jahr gemeinsam mit dem Technologie-Partner net mobile 140 Beacons in 72 Geschäften installiert, wie Location Insider berichtete.

Licht und Schatten

Nun hat das Unternehmen einige Ergebnisse des Tests bekanntgegeben. Demnach hat sich die eigentliche Zielgruppe von 1,4 Mio Nutzern der Gettings-App auf 13.000 User reduziert. Denn um Push-Nachrichten zu empfangen, benötigen die potentiellen Kunden neben der Anwendung erstens ein Smartphone, das Bluetooth Low Energy (BLE) unterstützt. Zweitens mussten sie per Optin-Verfahren zustimmen, um standortbasierte Nachrichten zu erhalten, und drittens muss BLE auch genau zum richtigen Zeitpunkt aktiviert sein. Bei einigen Android-Smartphones wird Bluetooth aber automatisch nach 30 Minuten ausgeschalten, wenn es nicht genutzt wird. Darauf musste Gettings erst einmal reagieren, indem die App entsprechend angepasst wurde.

TobiasDupuis„Hinzu kamen technische Einschränkungen, wie eine geringe Batterielaufzeiten und verminderte Reichweite aufgrund von baulichen Bedingungen, zum Beispiel dickes Sicherheitsglas“, so Dupuis. Eine feste Stromquelle kann da zwar teilweise helfen, aber das ist seiner Meinung nach nur eine schlechte Lösung. Denn ohne Strom kann eine ganze Kampagne fehlschlagen. „Eine andere Alternative sind dagegen virtuelle Beacons. So kann der Standort im Laden genauer definiert werden und man macht sich unabhängig von der Hardware. Wir testen diese Technologie selbst aber nicht“, sagt Dupuis.

Ein Anbieter virtueller Beacons ist SmartFocus. Der Multichannel-Marketing-Spezialist hat eine Cloud-basierte Marketing-Lösung mit virtuellen Beacons entwickelt, wie Location Insider erst gestern berichtete. SmartFocus lässt Unternehmen damit zum Beispiel standortbasierte Nachrichten versenden. Händler müssen lediglich einen Multifrequenz-Funksender im Laden installieren. Ganz ohne Hardware kommen die virtuellen Beacons also auch nicht aus.

beacon1Laut den Gettings-Ergebnissen hat sogar Regen und Nebel die BLE-Reichweite eingeschränkt. Trotz dieser Probleme wurden durchschnittlich sieben Nachrichten pro Nutzer versendet. „Insgesamt wurden damit 15.000 Nachrichten über die Beacon-Technologie verschickt. 50 Prozent der Nutzer, die wir außerhalb des Ladens kontaktiert haben, haben die Filiale auch betreten. Das ist für uns ein klares Zeichen für die Effektivität der neuen Technologie“, erklärt Dupuis. Diese Zahlen würden Händler gern außerhalb von Test-Projekten sehen.

Nach dem Abschluss des Tests im Dezember 2014 wurden alle Beacon-Funksender wieder entfernt. „Das haben wir bereits vor dem Projekt mit den Teilnehmern abgesprochen. Die Geschäfte sind nun wieder Beacon-frei“, sagt Dupuis. Entsprechend ist auch eine anschließende Nutzung vor Ort erst einmal nicht möglich. Gettings rät aber nicht grundsätzlich von der Nutzung der Beacon-Technologie ab. „Händler können Beacons durchaus in ihren Marketing-Mix einbauen, aber es gibt einige Herausforderungen zu bedenken. Der Tenor war bisher oft, dass Beacons der heilige Gral für den stationären Handel wären. Das glaube ich nicht. Beacons sind noch in der Wachstumsphase, die Technologie steht also noch am Anfang eines Zyklus‘“, sagt Dupuis.

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