Handel im Wandel: Durch die Woche mit Benjamin Thym von der Offerista Group.

von Kay Ulrike Treiß am 04.Mai 2016 in Fragebögen

Benjamin Thym„Stillstand ist Tod – daher versuche ich, jeden Tag eine Veränderung anzustoßen“, sagt Benjamin Thym, einer der Geschäftsführer der Offerista Group. Für den Gründer von Barcoo wird ohne Individualisierung und Personalisierung „nichts mehr gehen“ im Handel. Durch die Fusion von Barcoo und Marktjagd entstand einer der größten Anbieter für Location-based Services und Mobile Marketing in Deutschland. Selbstbewusst sagt Thym: „Um spannend zu bleiben, braucht es im Handel neue Erlebnisse und neue Dienste, kein ‚Weiter so!‘ und hier und da mal ein digitales Feigenblatt.“

Location Insider: Wie würden Sie den Handel/die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Benjamin Thym: Ganz einfach: Der Handel ist jetzt mal so richtig im Wandel!

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Benjamin Thym: Jeder Tag, an dem die Händler einen weiteren IT-Experten eingestellt haben, war ein guter Tag J Digitalisierung ist natürlich nicht der einzige, aber sicher einer der wichtigsten Trends für den Handel. Sie ist der große Game Changer – der Handel muss seine Strategien und Prozesse grundlegend überdenken. Da wird in manchen Bereichen kein Stein mehr auf dem anderen bleiben und das ist auch gut so. Die digitalen Möglichkeiten sind da und warten darauf, genutzt zu werden!

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut? Und worüber haben Sie sich geärgert?

Benjamin Thym: Gefreut habe ich mich, als ich beim Kiosk um die Ecke wiedererkannt und freundlich bedient wurde. Der persönliche Austausch und enge Kundenbeziehungen sind die zentralen Stärken des stationären Handels, werden jedoch – eigentlich unglaublich, aber leider wahr – immer noch viel zu selten ausgespielt. Direkten Grund zum Ärgern gab es nicht, aber ein paar Verbesserungsvorschläge habe ich natürlich… Ich würde mir wünschen, dass die lokalen Läden aus meiner Umgebung mich auch außerhalb ihrer Filialen begleiten. Das Ganze sollte natürlich – ja, mega Überraschung bei mir – digital passieren.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Benjamin Thym: An der Kasse stehen ist immer doof, ob nun mit Unterwäsche im Gepäck oder nicht. Jedes Mal, wenn ich warten muss, frage ich mich, wann endlich Frictionless Payment kommt. Einfach rauslaufen und dabei automatisch bezahlen, das wäre mein Traum!

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Benjamin Thym: Ganz klar Tante Emma! Personalisierung ist ein Muss für den stationären Handel und wo wird man individueller bedient? Je näher am Kunden, desto geiler. Unsere Supermärkte werden zukünftig nur noch für die anonym sein, die das wollen.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Benjamin Thym: „Die Offerista Group ist langsam und träge geworden.“ Denn Stillstand ist Tod – daher versuche ich, jeden Tag eine Veränderung anzustoßen.

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn sie es sich aussuchen könnten?

Benjamin Thym: Idealerweise für jeden anders! Ohne Individualisierung und Personalisierung wird nichts mehr gehen. Um spannend zu bleiben, braucht es im Handel neue Erlebnisse und neue Dienste, kein „Weiter so!“ und hier und da mal ein digitales Feigenblatt. Es könnte so schön sei, wenn der Einzelhandel Digitalisierung und persönliches Einkaufserlebnis richtig verknüpft. Und das Schöne ist: Einige Händler werden das hinbekommen, so dass lokales Einkaufen definitiv wieder spannender wird!

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”:



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