Handel im Wandel: Durch die Woche mit Christian Hackel von Deichmann.

von Kay Ulrike Treiß am 27.Juli 2016 in Fragebögen

Hackel_02Dass sich der Handel im Allgemeinen „vom Klagen über die neuen Kundenerwartungen und den E-Commerce verabschiedet“ hat, so wünscht sich Christian Hackel von Deichmann den Handel in fünf Jahren. Hackel ist seit mittlerweile sieben Jahre Leiter Internationales Marketing und E-Commerce bei Deichmann. Der Schuhhändler mit deutschlandweit rund 1.200 Filialen ist Vorreiter in Sachen Digitalisierung des Handels: Neben kontaktlosem Bezahlen per NFC (Near Field Communication) und einer Onlinebestellung über digitale Systeme an Schaufenstern soll bald auch Click & Collect möglich sein. Bereits seit dem Jahr 2000 verkauft Deichmann Schuhe über das Internet. Seit Herbst 2015 bietet der Schuhhändler außerdem den Heimlieferservice „Ship to Home“ für nicht-vorrätige Artikel in Filialen an. Hackel, der vor seiner Tätigkeit bei Deichmann 3 Jahre als Head of Marketing bei Metro Cash & Carry Deutschland gearbeitet hat, verrät im Fragebogen von Location Insider u.a., worüber er sich beim stationären Einkauf ärgert und was er an Amazons Prime Day spannend fand.

Location Insider: Wie würden Sie den Handel/die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Christian Hackel: Der Handel insgesamt scheint die Omnichannel-Herausforderungen unserer Zeit mehr und mehr anzunehmen, wobei viele stationäre Händler das immer noch erstaunlich zaghaft tun.

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Wochen war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Christian Hackel: Schwer, einen bestimmten Tag herauszupicken. Spannend war sicherlich Amazons Prime Day, der in seinen Ausmaßen gezeigt hat, wie sehr der E-Commerce quer durch alle Produktkategorien beim Kunden angekommen ist.

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut?

Christian Hackel: Über eine phantastische Beratung, die meine vorab im Netz gefasste Kaufentscheidung komplett auf den Kopf gestellt hat.

Location Insider: Und worüber haben Sie sich geärgert?

Christian Hackel: In dieser Woche über nichts. Sonst ärgere ich mich gelegentlich, wenn ich Verkäufern im Geschäft regelrecht hinterherlaufen muss und dann schlimmstenfalls trotzdem nichts erfahre, was ich nicht schon vorher wusste.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Christian Hackel: Ich kaufe tatsächlich vieles online, was aber nichts mit Menschen zu tun hat, die ich lieber nicht an der Kasse treffe. Das liegt eher am Komfort des Onlineshoppings und der Zeitersparnis. Wenn einem in diesem speziellen Fall der Kauf an der Kasse unangenehm ist, liegt das vielleicht eher an der persönlichen Produktauswahl und dem individuellen Geschmack als an der falschen Gesellschaft (lacht).

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Christian Hackel: Eindeutig haben beide eine Berechtigung! Beide Formate haben höchst unterschiedliche Funktionen und passen jeweils perfekt in bestimmten Konsumsituationen.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Christian Hackel: Dass wir die digitale Transformation verschlafen und die veränderten Kundenerwartungen enttäuscht hätten.

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn sie es sich aussuchen könnten?

Christian Hackel: Im Idealfall hat sich der Handel im Allgemeinen bis dahin vom Klagen über die neuen Kundenerwartungen und den E-Commerce verabschiedet. Und sich darauf eingestellt, wie man aus einer Mischung aus persönlicher Beratung und den vielen neuen Möglichkeiten einen Service macht, der begeistert.

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”:

 



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