Handel im Wandel: Durch die Woche mit Christian Zagel von der Hochschule Coburg.

von Kay Ulrike Treiß am 10.Mai 2017 in Fragebögen

Christian Zagel„Beim Einkauf ärgert mich, dass es viele Lebensmitteldiscounter immer noch nicht geschafft haben, Leergutautomaten so zu platzieren, dass man beim Betreten des Ladens nicht vom Geruch schaler Getränke begrüßt wird“, sagt Christian Zagel. Eine Problematik, über die die Händler vielleicht noch nicht nachgedacht haben. Sein Eindruck verrät den Blick für Details. Und den braucht Zagel auch in seiner Arbeit. Er ist Professor für Innovationstechniken und -methoden im berufsbegleitenden Master-Studiengang ZukunftsDesign der Hochschule Coburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört das Customer Experience Management. Christian Zagel war 2011 Mitgründer des adidas IT Innovation Teams und unterstützt bei der Entwicklung technologiegetriebener Innovationen für alle Geschäftsbereiche. Für die Innovationskraft und praktische Bedeutung seiner Arbeit konnte Zagel bereits zahlreiche Preise gewinnen, wie den CeBIT Innovation Award, den Cannes Lion und den Wissenschaftspreis des EHI Retail Institute

Location Insider: Wie würden Sie die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Christian Zagel: Jeder spricht gerade von einem Umbruch im stationären Handel, insbesondere dadurch, dass der Umsatz der Onlineverkäufe nach wie vor zunimmt. Ich denke aber, dass das Internet die traditionellen Geschäfte nie vollständig ersetzen wird. Das Ziel muss es sein, beides auf geschickte Art und Weise miteinander zu kombinieren.

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Christian Zagel: Das war definitiv der Donnerstag mit dem Start von Amazon Fresh in Deutschland. Zwar wird der Dienst derzeit nur in Berlin angeboten, ich denke aber, dass er das Potenzial hat den Lebensmittelhandel aufzurütteln. Die Menschen müssen sich nur darauf einlassen…

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut?

Christian Zagel: Über einen ganz unerwarteten und besonders guten und freundlichen Service an der Tankstelle. Diesen persönlichen Kontakt kann ein Onlineshop kaum ersetzen.

Location Insider: Und worüber haben Sie sich geärgert?

Christian Zagel: Was mich eigentlich ständig ärgert, ist die Tatsache, dass es viele Lebensmitteldiscounter noch immer nicht geschafft haben die Pfandrückgabestationen so zu platzieren, dass man beim Betreten des Ladens nicht schon durch den Geruch schaler Getränke abgeschreckt wird.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Christian Zagel: Da bin ich eigentlich ganz relaxed. Vielleicht inspirieren mich eher die Einkäufe der anderen Kunden!

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Christian Zagel: Ich glaube, eine geschickte Mischung aus beidem wäre optimal: ein breites Warenangebot, hinter dem Tante Emma persönlich steht, mit all ihrem Wissen über die Produkte und dem freundlichen und zuvorkommenden Auftreten, wie wir sie in Erinnerung haben.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Christian Zagel und der Tag, an dem ihm die Ideen ausgingen.

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn Sie es sich aussuchen könnten?

Christian Zagel: Es gäbe eine perfekte und durchgängige Integration von Onlineinhalten im stationären Angebot, beispielsweise durch Anzeige der Onlinebewertungen an den Regalen oder durch digitale Zusatzleistungen mit strikter Kundenfokussierung. Ich wünsche mir, dass Deutschland eine klare Vorreiterrolle beim breiten Einsatz neuer Technologien spielt und dabei gleichzeitig die Wichtigkeit von persönlichem Kontakt und tollem Service nicht vergisst.

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”.


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