Handel im Wandel: Durch die Woche mit Christopher Heinemann von Manufactum.

von Kay Ulrike Treiß am 22.Juni 2016 in Fragebögen

005 Pass„Die Marktbereinigung hat begonnen“, erklärt Christopher Heinemann, Geschäftsführer von Manufactum, die aktuelle Lage im stationären Handel. Der Firmenslogan „Es gibt sie noch, die guten Dinge“ klingt etwas traditionsverhaftet, dabei ist das mittlerweile zur Otto Group gehörende Unternehmen breit und modern aufgestellt. Manufactum ist als Versandhändler gestartet, hat aber schon früher als die meisten Online-Pure-Player eigene Filialen seiner Marken „brot&butter“, „Magazin“ sowie „Gutes aus Klöstern“ eröffnet. Zur Multi-Channel-Einzelhandelsgruppe gehören auch noch acht Manufactum-Warenhäuser. In unserem Händler-Fragebogen verrät Heinemann, der das Advanced Management Programm (AMP) der Harvard Business School absolviert hat: „Anstrengend empfinde ich, wenn die Relevanz der variablen Vergütung für den Verkäufer in dessen Beratung zu offensichtlich wird.“ Außerdem erzählt er, wo er in der vergangenen Woche „anschreiben“ konnte, und dass sich auch beim Unterwäsche-Kauf ein „bereicherndes Gespräch“ ergeben kann. „Der Handel hat die Offline-Online-Diskussion aufgegeben“, wünscht sich Heinemann für den Handel in den nächsten fünf Jahren, „inhaltliche Ideen und technische Innovationen auszuprobieren ist selbstverständlich.“

Location Insider: Wie würden Sie den Handel/die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Christopher Heinemann: Die Marktbereinigung hat begonnen – offline wie online. Der stationäre Handel muss sich wieder seiner originären Stärken beim Kunden bewusst werden und seine neue Rolle in der sich digitalisierenden Handelslandschaft finden.

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Christopher Heinemann: Im Versandhandel ist es weiterhin der Montag, während unsere Läden freitags und samstags am meisten frequentiert werden.

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut? Und worüber haben Sie sich geärgert?

Christopher Heinemann: Begeistert war ich, dass ich in einer kleinen Patissière einfach „anschreiben“ konnte, als ich mein Portemonnaie vergessen hatte. Anstrengend empfinde ich, wenn die Relevanz der variablen Vergütung für den Verkäufer in dessen Beratung zu offensichtlich wird.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Christopher Heinemann: Ein bereicherndes Gespräch kann sich auch über Unterwäsche entwickeln.

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Christopher Heinemann: Zur reinen „Versorgung“ nutze ich gutsortierte Händler. Zur Inspiration und auf der Suche nach dem Besonderen gerne kleine Spezialanbieter – offline wie online.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Christopher Heinemann: „Manufactum gibt auf: Nachfrage nach Qualitätsprodukten eingebrochen.“

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn sie es sich aussuchen könnten?

Christopher Heinemann: Der Handel hat die Offline-Online-Diskussion aufgegeben und widmet sich wieder umfassend den Kundenbedürfnissen. Inhaltliche Ideen und technische Innovationen auszuprobieren ist selbstverständlich.

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”:



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