Handel im Wandel: Durch die Woche mit Karsten Schaal von food.de.

von Kay Ulrike Treiß am 28.September 2016 in Fragebögen

karsten_schaal„Wir werden den Supermarkt vorerst nicht ersetzen, aber wir sind für viele eine große Hilfe geworden“, sagt Karsten Schaal, Gründer und CEO von food.de. Bei dem Online-Supermarkt finden Kunden ein Vollsortiment an Produkten ihres täglichen Bedarfs und können diese zu Supermarktpreisen direkt kaufen. Geliefert werden die Produkte noch am selben Tag im gewählten Lieferzeitfenster und zur gewünschten Lieferadresse. Schaal hat in der Vergangenheit mehrere weitere Unternehmen gegründet, unter anderem die Lemonade Invest GmbH. Seit 2007 beteiligt sich der Leipziger Unternehmer außerdem an verschiedenen Startups im Internet-Sektor. Im Händler-Fragebogen von Location Insider verrät Karsten Schaal, der „seit Jahren fast ausschließlich online Lebensmittel“ bezieht, dass er eine Großpackung Toilettenpapier nur ungern durch die halbe Stadt trägt. „Kein Mensch will einkaufen, aber jeder möchte sein Essen“, sagt Schaal und wünscht sich für den stationären Handel in 5 Jahren: „Die Chancen der digitalen Geschäftsmodelle werden genutzt.“

Location Insider: Wie würden Sie den Handel/die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Karsten Schaal: Von ungläubigem Staunen, über Ignorieren bis zu hektischen Ideenfindungen ist gerade alles im klassischen Handel zu erleben, neue Wettbewerber tauchen auf und alte Riesen lahmen, es ist sehr spannend wie stark der digitale Wandel schon seine Spuren hinterlässt.

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Karsten Schaal: Aus unserer Perspektive war der letzte Montag der Beste. Wir haben unser Logistikmodell verbessert und sind an diesem Tag durch einen reibungslosen Ablauf und höhere Auslastung belohnt worden.

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut? Und worüber haben Sie sich geärgert?

Karsten Schaal: Im Laden freue ich mich, wenn Menschen überraschend freundlich sind. Die heile Werbewelt findet man ja nicht unbedingt wieder. Geärgert habe ich mich in letzter Zeit nicht, eher bedauert wie wenig Service aktuell möglich ist. Das kann auch daran liegen, dass ich seit Jahren fast ausschließlich online Lebensmittel beziehe.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Karsten Schaal: Solche Dinge werden ja im entsprechenden Ambiente ganz entspannt gekauft, damit habe ich kein Problem. Die Großpackung Toilettenpapier durch die halbe Stadt tragen, mag ich schon deutlich weniger.

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Karsten Schaal: Tante Emma.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Karsten Schaal: Schlagzeilen sind immer gut. Was ich nicht mag, sind unglückliche Kunden, das will ich auch nicht lesen. Lieber sind mir solche wie: Der Online-Lebensmittelhandel lässt sich profitabel betreiben. Denn nur weil es den etablierten Klassikern noch nicht gelingt, muss das nicht allen anderen auch so gehen.

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn sie es sich aussuchen könnten?

Karsten Schaal: Der Einkauf von Lebensmitteln und anderen Waren orientiert sich an den Kundenwünschen und die Logistik ist verschwunden hinter den Lösungswegen. Kein Mensch will einkaufen, aber jeder möchte sein Essen. Darum kaufen wir mit einem Klick auf Rezepte, bedarfsgerecht und deutlich ökologischer. Die Chancen der digitalen Geschäftsmodelle werden genutzt.

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”:


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