Handel im Wandel: Durch die Woche mit Markus Fuchshofen von Bonprix.

von Kay Ulrike Treiß am 22.Februar 2017 in Fragebögen

„Ich habe Mitbewerber scheitern sehen und die Herausforderungen der Digitalisierung haben mich in den vergangenen Jahren angetrieben“, sagt Markus Fuchshofen. Als Geschäftsführer von bonprix ist er verantwortlich für die Bereiche E-Commerce Management, Vertrieb Inland, Marke und Werbung. Fuchshofen startete seine Karriere bei bonprix bereits 1994 und hat in unterschiedlichen Positionen insbesondere die Online-Transformation des Händlers zur international erfolgreichen Modemarke mit Webshops in derzeit 29 Ländern vorangetrieben. 1997 wurde der erste bonprix Webshop in Deutschland gelauncht. Heute, 20 Jahre später, zählt bonprix zu den zehn umsatzstärksten Online-Shops in Deutschland. Das Unternehmen der Otto Group mit Sitz in Hamburg besteht seit 1986 und hat heute rund 3.000 Mitarbeiter. Das Sortiment umfasst Damen-, Herren- und Kindermode, Accessoires, Heimtextilien und Wohnartikel. bonprix erreicht seine Kunden dabei online, per Katalog und in seinen stationären Fashion Stores. Im Händler-Fragebogen von Location Insider verrät Markus Fuchshofen, warum er Bekleidung meist online kauft und was für ihn „Stationärhandel ‚at it‘s best‘“ heißt.

Location Insider: Wie würden Sie den Handel/die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Markus Fuchshofen: Ein Satz ist zu sportlich, aber ich versuche mich kurz zu halten. Der Handel befindet sich in einer Schieflage, klassische Retailer suchen nach Antworten gegen den Abwärtstrend. Ich bin der Überzeugung, dass sich der Handel neu erfinden wird, so wie sich durch den Einfluss der Digitalisierung andere Branchen wie die Verlagswelt und die Musikindustrie bereits früher neu erfunden haben. Das „Internet der Dinge“ wird also in den stationären Handel einziehen und die spannende Frage lautet: welche Konzepte überzeugen die Kunden und entfachen vielleicht sogar eine neue Begeisterung.

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Markus Fuchshofen: Für uns als Modeanbieter mit einer weiblichen Zielgruppe ist jedes Jahr im Februar der Valentinstag von Bedeutung. In dem Umfeld haben Sortimente wie Wäsche & Accessoires bei uns im Shop Hochkonjunktur.

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut? Und worüber haben Sie sich geärgert?

Markus Fuchshofen: Mein Lieblingsladen ist der Wochenmarkt in meiner Nachbarschaft. Auf dieses Shopping-Erlebnis freue ich mich jeden Samstagmorgen aufs Neue. Für mich ist das Stationärhandel ‚at it‘s best‘. Pure Inspiration und eine sehr persönliche und fachkompetente Beratung mit regionalem und saisonalem Bezug. Wie es so schön heißt: Freunde dich mit deinem Fischhändler an! Was mich ärgert? Unübersichtliche Supermärkte, in denen man sich nicht auskennt und seine Zeit mit Suchen verschwendet.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Markus Fuchshofen: Ich kaufe Bekleidung in der Tat vor allem online ein. Aber nicht, um Begegnungen an der Kasse aus dem Weg zu gehen, sondern weil Webshops bei der Auswahl und Produktpräsentation häufig besser sind. Viele Sortimente lassen sich am Model besser inszenieren als auf dem Kleiderbügel. Und auch die persönliche Beratung wird kein Alleinstellungsmerkmal für den stationären Handel bleiben. Konzepte für eine individualisierte Online-Beratung werden immer mehr zu Erfolgsfaktoren im Digital Commerce.

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Markus Fuchshofen: Ganz klar: Tante Emma, weil persönlicher im Service und häufig auch spezialisierter in der Beratung.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Markus Fuchshofen: Ich denke lieber in positiven Botschaften. Aber was mich wirklich schmerzen würde, wäre zu lesen, dass bonprix die digitale Transformation verschlafen hat. Ich habe Mitbewerber scheitern sehen und die Herausforderungen der Digitalisierung haben mich in den vergangenen Jahren angetrieben. Wir haben unsere Hausaufgaben hier gut gemacht, indem wir unsere Kernprozesse transformiert haben. Nun heißt es, auf dem nächsten Level erfolgreich zu sein und hungrig zu bleiben – dafür arbeitet unser großartiges Team jeden Tag.

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn sie es sich aussuchen könnten?

Markus Fuchshofen: Ich wünsche mir, dass der Besuch meines Lieblings-Stores für mich ein Highlight ist, auf das ich mich freue. Das Potential ist groß: wenn sich klassische Stärken des Stationärhandels passgenau mit – im Idealfall kaum spürbarer – Technologie verbinden, kann das in ein begeisterndes Shopping- und auch Marken-Erlebnis münden. Dafür braucht es smarte Konzepte. Im Luxus-Segment gibt es bereits spannende Beispiele für Connected Retail. Auch wir beschäftigen uns intensiv mit der Thematik, wie wir unsere digitale Kompetenz im Stationärbereich sinnvoll einbringen können und welche Ansätze für eine breite Zielgruppe im Value-for-money-Segment strategisch vielversprechend für die Zukunft sind.

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”.



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