Handel im Wandel: Durch die Woche mit Otto-Boss Hans-Otto Schrader.

von Christian Bach am 13.April 2016 in Fragebögen, Highlight

Hans-Otto-Schrader„Entgegen aller Untergangsszenarien glaube ich fest daran, dass es den stationären Einzelhandel in fünf Jahren noch geben wird“, prognostiziert Hans-Otto Schrader im Händler-Fragebogen von Location Insider. Der Vorstandsvorsitzende der Otto Group fügt aber kritisch hinzu: „Der Verbraucher muss einen klaren Grund haben, um weiterhin in den Laden zu kommen und einzukaufen.“ Dafür setzt der Handelskonzern u.a. auf Mobile Commerce, nutzt aber auch innovative Technologie wie Beacons bei SportScheck. Wo Schrader gerne Unterwäsche kauft und was er niemals über sich im „Handelsblatt“ lesen möchte, erfahren Sie in den folgenden Zeilen.

Location Insider: Wie würden Sie den Handel/die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Hans-Otto Schrader: Die innovativen Händler treiben die Veränderung ihrer Geschäftsmodelle voran – weg von der statischen Verkaufsfläche hin zu einem datengetriebenen Umfeld, in dem der Kunde in allen Phasen des Kaufprozesses immer mehr Flexibilität erfährt.

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Hans-Otto Schrader: Als Online-Händler schätze ich Sonntage sehr, da unsere Kunden – überwiegend Frauen – in entspannter Atmosphäre im Netz am liebsten einkaufen. Als Vorstandsvorsitzender einer Handelsgruppe mit Ladengeschäften auf der ganzen Welt bevorzuge ich keinen spezifischen Tag, da die regionalen Einflüsse zu variabel sind.

Location Insider: Worüber haben Sie sich zuletzt besonders beim Einkaufen im Laden gefreut?

Hans-Otto Schrader: Ein Freund hat mir erzählt, dass er sich in der Münchner SportScheck-Filiale eine neue Ski-Ausrüstung gekauft hat, die er sich per Same Day Delivery bequem nach Hause hat liefern lassen. Seine Begeisterung habe ich als große Genugtuung empfunden: Mit diesem Service hat die Otto Group aufs richtige Pferd gesetzt.

Location Insider: Und worüber haben Sie sich geärgert?

Hans-Otto Schrader: Mich erstaunt es, dass immer noch sehr viel mit Bargeld bezahlt wird.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Hans-Otto Schrader: „Never say never“. Ich habe da eine lockere Einstellung.

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Hans-Otto Schrader: Beide haben ihren Reiz, da sie unterschiedliche Kundenbedürfnisse befriedigen. Tante Emma steht in meinen Augen für Personalisierung und individuelle Angebote. Im Supermarkt kann ich schnell und einfach Bedarfskäufe erledigen. Ich fände es langweilig, wenn die Stationärlandschaft monothematisch aufgestellt wäre.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Hans-Otto Schrader: „Otto Group-Chef Schrader: ‚E-Commerce? Das ist doch nur ein Trend!'“

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn sie es sich aussuchen könnten?

Hans-Otto Schrader: Grundsätzlich: Entgegen aller Untergangsszenarien glaube ich fest daran, dass es den stationären Einzelhandel in fünf Jahren noch geben wird. Aber: Der Verbraucher muss einen klaren Grund haben, um weiterhin in den Laden zu kommen und einzukaufen. Hier sehe ich das Smartphone in einer Schlüsselfunktion, nach der man als Händler alle seine Aktivitäten auf der Fläche ausrichten muss. Bei der Otto Group treiben wir daher zahlreiche Pilotprojekte in diesem Bereich voran: u.a. mit dem Einsatz von Beacons bei SportScheck, zum anderen investieren wir in innovative Technologien im Bereich Retail Intelligence: u.a. durch unsere Beteiligung an Nubon, einer Mobile-Couponing-Lösung, sowie den Aufbau von Minodes über unseren Company Builder Project A Ventures in Berlin.

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”:

 



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