Handel im Wandel: Durch die Woche mit Patrick G. Weber von arko.

von Kay Ulrike Treiß am 13.Juli 2016 in Fragebögen

160711_Patrick G. Weber_arko„Wir wollen wieder wachsen und bis 2020 auf 275 Standorte kommen“, sagt Patrick G. Weber, Geschäftsführer der arko GmbH. Zum Kaffee- und Confiserie-Anbieter gehören aktuell 130 eigene Filialen und 70 Fran­chiseshops. Zudem sind arko-Produkte in 3.500 Supermärkten, etwa von Edeka oder Rewe, erhältlich. Mit dem Onlineshop und Produkten wie Motorrad, Eisenbahn oder High Heels aus Schokolade will das Unternehmen verstärkt junge Zielgruppen ansprechen. Weber ist seit August 2014 Geschäftführer der arko GmbH sowie schon seit August 2013 Geschäftsführer des Grand Hotels Heiligendamm. Die Familie Morzynski aus Hannover besitzt beide Unternehmen. Im Händler-Fragebogen von Location Insider verrät Weber, der das Traditionsunternehmen fit für die Zukunft machen will, dass der stationäre Handel – trotz Online-Konkurrenz – „immer seine Daseinsberechtigung haben wird“. In Hamburg betreibt Arko einen Flagship-Store, der mit einem neuen Ladenkonzept in helleren Farben ebenfalls auf jüngere Kunden zugehen möchte.

Location Insider: Wie würden Sie den Handel/die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Patrick G. Weber: Die Unternehmen des stationären Handels sehen meines Erachtens viel mehr Probleme, als tatsächlich vorhanden sind. Dadurch blockieren sich viele Anbieter mutig zu sein und wählen vermeintlich risikoärmere Wege, was die Weiterentwicklung hemmt. Insgesamt bin ich der Meinung, dass sich der stationäre Handel zwar weiterentwickeln muss und wird, aber immer seine Daseinsberechtigung haben wird.

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Patrick G. Weber: Unser Unternehmen profitiert von moderaten Temperaturen und zusätzlichen Verkaufschancen. Insofern war die gesamte vergangene Woche recht gut für uns, wenn ich mir privat auch mehr Sommer wünschen würde. Der Sonntag der vergangenen Woche war zudem ein guter Tag, da in Hamburg – einem unserer Hauptmärkte – verkaufsoffener Sonntag war.

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut? Und worüber haben Sie sich geärgert?

Patrick G. Weber: Engagiertes Verkaufspersonal ist das A und O. In einem Bekleidungsgeschäft war die von mir gesuchte Größe einer Hose nicht vorhanden. Die Verkäuferin bat mich um ein wenig Geduld, erkundigte sich in einem anderen Verkaufsstandort und ließ die Hose innerhalb von 25 Minuten anliefern. Die Zwischenzeit überbrückte Sie mir mit einem Espresso, einem Glas Wasser, einem netten Gespräch und unerwarteten Zusatzverkäufen… Ärgern musste ich mich glücklicherweise in der vergangenen Woche nicht.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Patrick G. Weber: Ich wüsste niemanden, den ich hier ausschließen müsste/wollte. Unerwartete Situationen erzeugen auch immer unerwarteten Gesprächsinhalt. Und was wäre das Leben ohne solche Situationen? Scham oder Scheu ist für mich keine Motivation auf den Onlinehandel auszuweichen.

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Patrick G. Weber: Gut sortierte Vollsortimenter sind mir stets willkommen, wenn der Faktor „Zeit“ der beherrschende ist. Wenn ich jedoch das Besondere suche, mich auf ein Terrain vorwage, auf dem ich mich noch nicht auskenne, gehe ich sehr gerne zu „Tante Emma“, sprich in ein Fachgeschäft, wo ich eine individuelle und persönliche Beratung erhalte.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Patrick G. Weber: „Patrick G. Weber präsentiert neue Strategie: arko gibt Filialgeschäft auf und vertreibt Süßes ab kommendem Jahr ausschließlich online!“

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn Sie es sich aussuchen könnten?

Patrick G. Weber: Ich wünsche mir ein Einkaufserlebnis, das alle Sinne anspricht, eine Art Marktplatzatmosphäre. Insgesamt müssen Läden moderner werden und sich mehr an den Wünschen und Bedürfnissen unserer Kunden orientieren. Der Einzelhandel sollte zudem damit aufhören, den Onlinehandel als zukünftig übermächtigen Konkurrenten, gar „Schreckgespenst“, zu sehen. Ich bin der Überzeugung, dass beide Vertriebskanäle auch zukünftig ihre Daseinsberechtigung haben werden.

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”:


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