Handel im Wandel: Durch die Woche mit Shopkicks neuer Deutschlandchefin Stefanie Lüdecke.

von Kay Ulrike Treiß am 10.Februar 2016 in Fragebögen

Stefanie_Luedecke2„Online ist bei Unterwäsche für mich kein Thema“, so Stefanie Lüdecke. Die neue Deutschlandchefin von Shopkick hat offen und ehrlich unseren Händlerfragebogen ausgefüllt. Zuletzt verantwortete sie als Chief Sales Officer (CSO) von Zanox den Bereich Global Sales und Client Services in 12 Ländern. Bei der Shopping-App Shopkick ist sie gerade erst seit einer Woche „im Amt“. Auf unsere Fragen wie die nach Shoppingfrust oder ihrem Unterwäsche-Kauf gibt sie private Einblicke.

Location Insider: Wie würden Sie den Handel/die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Stefanie Lüdecke: Es herrscht einerseits eine Stimmung der Angststarre vor den strukturellen Veränderungen durch den aufstrebenden eCommerce und das veränderte Kundennutzungsverhalten und andererseits eine kreative Aufbruchstimmung von Händlern, die die Chancen der Omnikanalansprache für sich zu nutzen wissen.

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Stefanie Lüdecke: Für die Partnerhändler von Shopkick ist jeder Tag ein guter Tag gewesen. Mit Hilfe unserer Kundenincentivierung können wir nämlich den relevanten Teil an Kunden motivieren, in den jeweiligen Shop zu gehen und sich dort mit den Produkten zu beschäftigen und zuzugreifen.

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut? Und worüber haben Sie sich geärgert?

Stefanie Lüdecke: Ich habe mich am Wochenende gefreut, dass ich meine Wunschschuhe zu einem tollen Preis ergattern konnte. Sie sind dann auch gleich am Wochenende zum Einsatz gekommen – das ist für mich ein riesiger Vorteil des stationären Handels: er befriedigt mein Produktinteresse sofort und ohne Wartezeit.

Geärgert habe ich mich beim Kauf einer Waschmaschine. Zuerst musste ich lange auf einen Verkäufer warten, der mir dann auch nicht mehr erzählen konnte, als auf dem Produktschild stand. Das erfüllt meine Erwartung an Beratung vor Ort nicht. Über mein Handy hatte ich schon deutlich mehr über die Waschmaschine herausgefunden – mit einem Klick hätte ich sie dann auch gleich Online bestellen können und sogar einen leichten Preisvorteil gehabt. Ich war aber bequem und habe sie trotzdem im Laden gekauft. Sollte ich die Erfahrung jedoch häufiger machen, bin ich als Kunde für diesen Laden verloren und beziehe bestimmte Produkte dann doch lieber Online.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Stefanie Lüdecke: Am liebsten kaufe ich Unterwäsche mit einer guten Freundin – da kann ich mich auf eine ehrliche Meinung verlassen. Wen ich an der Kasse treffe, ist mir dann eigentlich relativ egal. Online ist bei Unterwäsche für mich kein Thema. Anprobieren und Anfassen, um die Passgenauigkeit und die Beschaffenheit der Materialien zu testen, sind für mich unabdingbar.

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Stefanie Lüdecke: Für mich hat beides seine Berechtigung. Der Supermarkt hat mit seiner Angebotsvielfalt, seiner Auswahl an frischen Produkten und mit einem Parkplatz vor der Tür für meine größeren Einkaufe klare Vorteile, und ist daher meine Präferenz. Habe ich allerdings mal etwas vergessen und benötige schnell noch ein paar Kleinigkeiten, dann mit ich froh, wenn ich in meinem Wohnviertel schnell auf einen Tante-Emma-Laden zugreifen kann. Hier ist mir dann die Produktauswahl  und der Preis weniger wichtig, sondern es geht um schnelle Erreichbarkeit. Nebenbei findet hier auch noch ein netter Smalltalk mit Nachbarn und Bekannten statt, und das schafft Verbindung in den Kiez, in dem ich wohne.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Stefanie Lüdecke: Als jemand, der fest davon überzeugt ist, dass mobile Anwendungen hilfreiche Shoppingbegleiter sind und zielgerichtet Kunden über die Ladenschwelle führen können, wäre es für mich ein Graus folgende Schlagzeile zu lesen: Mobil hat für den Handel keine Relevanz.

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn Sie es sich aussuchen könnten?

Stefanie Lüdecke: Der stationäre Handel hätte sich wieder auf seine eigentlichen Stärken der Beratungskompetenz und der sofortigen Verfügbarkeit von Produkten besonnen und diese in das digitale Zeitalter überführt. Die Kundenansprache erfolgt situativ über alle Kanäle und der Handel bedient sich vieler digitaler Wege, um neue Kunden in die Shops zu bekommen und seine Kunden häufiger zu aktivieren. Die digitale Kundenansprache im Laden wird durch ein kostenfreies WLan in jedem Shop sichergestellt und der Kunde bekommt, je nach Produktinteresse und Standort, im Laden individuelle Angebote.

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”:



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