Handel im Wandel: Durch die Woche mit Steffen John von Little John Bikes.

von Florian Treiß am 24.Mai 2017 in Fragebögen

Steffen John wünscht sich, dass die Menschen auch in Zukunft „auf Grund der sozialen Kontakte und der Kommunikation“ weiter im stationären Laden einkaufen gehen werden und „nicht der gesamte Einkauf anonym und isoliert vor dem heimischen Computer oder Smartphone abläuft“. Um in der Fläche noch stärker mitzumischen, hat der Gründer der Fahrrad-Fachmärkte Little John Bikes ambitionierte Ziele: Bis 2020 will er 20 weitere Filialen eröffnen, die zu den bereits bestehenden 25 Geschäften hinzukommen. Steffen Johns Unternehmen hat eine bewegte Vergangenheit: 1997 aus einem Zuliefererbetrieb für Deutschlands größte Fahrradfabrik im sächsischen Neukirch gegründet, stieg Little John Bikes schnell zum wohl wichtigsten Fahrradhändler in den neuen Bundesländern auf. 2010 wurde Little John Bikes zum ersten Franchisegeber in Deutschland für Fahrradeinzelhandel, legte das Franchisekonzept aber 2014 wieder auf Eis. Seitdem betreibt Little John Bikes seine Geschäfte wieder in Eigenregie.Was Gründer Steffen John bewegt, erfahren Sie in unserem Fragebogen.

Location Insider: Wie würden Sie die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Steffen John: Der stationäre Handel hat aus meiner Sicht eine große Chance auch in Zukunft, nur darf er auf keinen Fall stehen bleiben, sondern muss der schnellen Entwicklung der Märkte folgen. Ein wichtiger Punkt ist dabei die nahtlose Verknüpfung mit der Online-Welt. Stationäre Einzelhändler, die dem Kunden zudem ein echtes Einkaufserlebnis in Kombination mit sehr gutem Service und attraktiven Öffnungszeiten bieten, werden auch künftig erfolgreich sein.

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Steffen John: Es war der Donnerstag, wegen des Wetters!

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut?

Steffen John: Ich war beim Einkauf einiger Outdoorartikel in einem kleinen, spezialisierten Store begeistert über die gute Sortimentsauswahl, die Warenpräsentation und die hohe soziale und fachliche Kompetenz der Verkäuferin. Ich habe deutlich mehr gekauft als ich wollte und war froh, alles vor dem Kauf in die Hand nehmen und probieren zu können.

Location Insider: Und worüber haben Sie sich geärgert?

Steffen John: Ich habe mich darüber geärgert, dass in meiner Größe (fast) immer die Sachen nicht mehr vorhanden sind, die mir gefallen. Aus meiner Sicht ein Riesenproblem des stationären Textilhandels.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Steffen John: Mir ist es egal, mit wem ich beim Unterwäschekauf an der Kasse stehe. Aus Bequemlichkeit und Preisgründen kaufe ich Markenunterhosen öfters im Netz.

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Steffen John: Für mich im Alltag eher Supermarkt, denn ich liebe die Auswahl und die Vielfalt bei Lebensmitteln. Im Urlaub mit viel Zeit auch gern die kleinen Lädchen mit individuellen Warenangeboten.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Steffen John: Little John Bikes hat seine Expansionsziele nicht erreicht!

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn sie es sich aussuchen könnten?

Steffen John: Mein Wunsch wäre, dass der Einzelhandel in fünf Jahren blühen würde und zwar in verschiedensten Bereichen. Für mich ist dabei der kleinteilige und vielfältige Einzelhandel der Innenstadt genauso wichtig wie das Nahversorgungszentrum, das Fachmarktzentrum und die grüne Wiese. Aber eben alle im gesunden Verhältnis. Die Kunden entscheiden je nach Bedarf, Geschmack, Lebenssituation und Zeit, wann sie wohin einkaufen gehen. Wichtig ist, dass die Menschen auf Grund der sozialen Kontakte und der Kommunikation auch weiter einkaufen gehen und nicht der gesamte Einkauf anonym und isoliert vor dem heimischen Computer oder Smartphone abläuft.

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”.



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