Indoor Navigation – Digitale Wegweiser im Laden-Labyrinth.

von Markus Gärtner am 27.Oktober 2016 in Future Commerce, Topnews

media-saturn-navigationOrientierung gehört wohl zum ersten Verhalten, wenn wir auf die Welt kommen und sie bleibt essenziell – vor allem wenn wir in neue Umgebungen kommen. Sich in seinem Stamm-Supermarkt zurecht zu finden, ist für die Meisten kein Problem. Anders bei einer riesigen Shopping Mall oder wenn der Käufer zum ersten Mal ein neues Produkt sucht. Hier kommt die Indoor Navigation ins Spiel. Weil GPS in geschlossenen Räumen nicht funktioniert, müssen eigene Systeme entwickelt werden. Der globale Markt für Indoor Navigation soll bis 2018 um rund 48 Prozent im Jahr wachsen, besagt die Studie „Global Indoor Positioning and Indoor Navigation Market 2014-2018“. „Wir sind alle gewohnt, online binnen Sekundenbruchteilen die gewünschten Produkte zu finden, im realen Laden suchen die Kunden dagegen oft mehrere Minuten“, betont Media-Saturns Digitalchef Martin Wild die Wichtigkeit des Themas. Der Elektronikhändler testet die Technologie selbst in seiner Filiale in Ingolstadt. Die App „Store Guide“ führt die Besucher zu ihrem Wunschprodukt, auf ihrem Smartphone sehen sie sich selbst als blauen Punkt durch den digitalen Lageplan wandern. Die Menschen sollen durch rund 130 im Laden installierte Beacons bis auf drei Meter genau geortet werden können. Das ist für eine exakte Hinführung zu einem Artikel oder Regal aber immer noch zu unscharf.

Das wird umso deutlicher, je größer das Objekt ist. Der Marmara Park ist ein 100.000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum in Istanbul mit rund 40.000 Besuchern pro Tag. Diese wollen schlendern, aber auch den Weg zu einem der 250 Shops finden. Dabei hilft ihnen das Berliner Startup 3d-berlin vr solutions mit mobilen Anwendungen oder auch Touchscreens. Die Firma beliefert u.a. auch die Malls von ECE, dem größten Betreiber von europäischen Einkaufszentren. So können z.B. die Kunden des Alstertal-Einkaufszentrums in Hamburg sich beim Rückweg zum geparkten Auto kaum verirren: Direkt nach Ankunft scannen sie einen QR-Code, der den Standort ihres Wagens speichert. An der Kasse erhalten sie einen zweiten, der die Kunden nach dem Einkauf via Smartphone wieder zu ihrem Wagen lotst.

Auch das Alsterhaus in Hamburg und das KaDeWe in Berlin bieten Indoor Navigation, ebenso die Flughäfen Frankfurt und München sowie der Signal Iduna Park, das Fußballstadion von Borussia Dortmund.

navvis

NavVis-Kamera

Neben Beacons können noch andere Hilfsmittel zur Indoor Navigation dienen, z.B. Wlan-Hotspots. Aus der Reichweite mehrerer dieser Geräte und deren Schnittpunkten könnte die Position des Smartphone-Nutzers via  Triangulation ermittelt werden. Auch mittels Induktionsspulen, die ein vom Smartphone-Kompass erfassbares Magnetfeld schaffen, könnte man erkennen, wo der Nutzer sich befindet. Der chinesische Onlineriese Baidu rollt ein neuartiges Indoor-Navigationssystem aus, das auf dem Magnetfeld der Erde basiert. Das Problem: Ganze Gebäude mit der entsprechenden Technologie auszurüsten, kostet eine Menge Geld – eine risikoreiche Investition, so lange der effektive Nutzen für den Kunden noch unklar ist. Trotzdem engagieren sich die Großen: Google hat sein Projekt Tango gestartet, Apple hat für immerhin rund 20 Mio Dollar 2013 das auf Indoor Navigation spezialisierte Startup WifiSlam übernommen. Das Unternehmen stellt digitale Karten zusammen, indem es die Routen von Smartphone-Nutzern durch ein Gebäude trackt und analysiert. Eine andere Möglichkeit, die Räume überhaupt zu erfassen, ist der Einsatz von Laserscannern oder hochauflösenden 360-Grad-Kameras, wie sie z.B. das Münchener Startup NavVis einsetzt. Das Unternehmen hat u.a. schon Räume für BMW, Siemens und das Deutsche Museum kartographiert.

Die Einsatzbereiche für Indoor Navigation sind vielfältig. Die Technik kann nicht nur genutzt werden, um Menschen durch Kaufhäuser, Museen oder Flughäfen zu leiten. Auch das eigenständige Manövrieren eines autonomen Fahrzeugs z.B. in einem Lager wäre so grundsätzlich möglich. Außerdem ist die digitale Weganzeige nicht nur ein Service für den Kunden, die meisten Anbieter versprechen sich davon auch tiefere Einsichten z.B. in die Besucherströme.

Die PC Welt hat 2015 Indoor Navigation mittels Wlan getestet. Die Test-Ergebnisse waren wenig zufriedenstellend: Die Standortanzeige via Wlan war viel zu ungenau, die Person wurde teils außerhalb eines Gebäudes oder auch im falschen Stockwerk positioniert.

Der Weg der Indoor Navigation ist also selbst noch mit einigen Stolpersteinen gespickt. Die Kosten für einen breiten Einsatz sind noch zu hoch und die Standortbestimmung ist oft noch zu ungenau. Media Saturn zum Beispiel will aber die Indoor Navigation in weiteren Filialen testen. Bis der Kunde mit seinem Smartphone im Laden wie mit dem Navi auf der Straße geführt wird, bis dahin dürfte noch einige Zeit vergehen.

In unserer neuen Serie „Future Commerce“ beleuchten wir jeweils donnerstags eine Innovation, ihre Möglichkeiten und Auswirkungen auf den stationären Handel. Bisher sind erschienen:



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