Interview: Carsten Szameitat will die Location Based Marketing Association in Europa etablieren.

von Christian Bach am 16.Juni 2014 in Interviews

CS-Blau-Pressefoto'_CS_freigestelltM-Days-Gründer Carsten Szameitat hat vor Kurzem die Messe verlassen, denn dieser fehle es inzwischen an „Innovation, Internationalisierung und ein Messekonzept, das die Branchenbedürfnisse befriedigt.“ Jetzt widmet er sich voll seiner neuen Aufgabe als Vorstandsvorsitzender und Region Director D/A/CH bei der Location Based Marketing Association (LBMA). Zu den Mitgliedern gehören Einzelhändler, Agenturen, Werbetreibende, Medien, Software und Service Provider sowie Mobilfunkunternehmen. Der internationale Verband will helfen, Location-based Services sicher und schnell in diesen Märkten zu etablieren. Die Aufgabe von Szameitat besteht nun darin, „die LBMA in Zentraleuropa sichtbar und handlungsfähig zu machen.“ Sein Ziel ist es, die Mitgliederbasis auszubauen und zwei Projekte voranzutreiben: „Ein Buchprojekt und einen großen Feldtest für Beacon-Technologie in Wien, an dem auch zahlreiche Unternehmen teilnehmen. Ich gehe davon aus, dass hier bereits in Q4 erste Veröffentlichungen stattfinden werden.“

Location Insider: Sie haben große Neuigkeiten auf der M-Days verkündet: das Ende Ihrer Zusammenarbeit mit der Messe. Was steckt dahinter?

Carsten Szameitat: Das Umfeld, in dem die M-Days stattfinden, hat sich seit ihrer Gründung verändert. Mobile ist nicht mehr das Trendthema der Digitalisierung, das man anderen Industrien vorstellen muss. Vielmehr hat es sich inzwischen zu einem etablierten Medienkanal entwickelt, den die allermeisten nutzen wollen. Nun geht es darum, ihn geplant zu bedienen und die sich ergebenden Potenziale auszuschöpfen. Hierfür bedarf es nach wie vor einiger Aufklärungsarbeit im Markt und in jeder Industrie. Die M-Days können dies leisten. Woran es mir aber fehlt sind Innovation, Internationalisierung und ein Messekonzept, das die Branchenbedürfnisse befriedigt.

Location Insider: Sie sind Vorstandsvorsitzender und Region Director D/A/CH bei der Location Based Marketing Association (LBMA). Was genau sind Ihre Aufgaben bei der LBMA?

Carsten Szameitat: Wir agieren bereits in Nordamerika, Asien und Teilen Europas – in Großbritannien, Spanien und den Niederlanden – mit insgesamt über 700 Mitgliedsunternehmen schon sehr erfolgreich. Meine Aufgabe besteht nun darin, die LBMA in Zentraleuropa sichtbar und handlungsfähig zu machen. Hierzu gehörte in der Startphase die Gründung eines deutschen Branchenverbandes mit allen Rechten und Pflichten der Mitglieder. Dies ist Anfang des Jahres geschehen und nun bauen wir die Mitgliederbasis weiter aus.

Location Insider: „Location wird das Internet verändern und wir helfen dabei“, sagten Sie über Ihr neues Engagement. Wie können Location-based Services (LBS) zum Beispiel den Handel verändern?

Carsten Szameitat: Allein im deutschen Handel finden täglich 50 Millionen Kundenkontakte statt. Dieselbe Zahl an Menschen hebt jährlich vom Frankfurter Flughafen ab. Die Deutsche Bahn verzeichnet zehn Millionen Pendler pro Tag und in den zehn größten Fußballstadien des Landes fanden in der vergangenen Saison 18 Millionen Fans Platz. Was diese Zahlen verdeutlichen sollen: Überall wo sich ein Mensch gerade aufhält, haben wir eine Location, die wir nutzen können. Neue Technologien, wie zum Beispiel Beacons oder Indoor-Navigation helfen dabei, diese Menschen gezielt anzusprechen und zu einem aktiven Dialog mit dem Handel zu bewegen. Gerade die intelligente Vernetzung und Kombination aus Big Data und Location können GOOD Data erzeugen und zu einem nie dagewesenen Kundenerlebnis führen.

Location Insider: „Die Location Based Marketing Association ist ein internationaler Verband, der sich der Förderung von Forschung, Bildung und Innovation an der Schnittstelle von Menschen, Orten und Medien zum Ziel gesetzt hat. Unser Ziel ist einfach: Informieren, Austauschen, Anleiten.“ Aber was will die Location Based Marketing Association speziell in Deutschland erreichen?

Carsten Szameitat: Die globalen Ziele stehen auch für Deutschland, jedoch bietet der deutsche Markt spezielle Herausforderungen: er wird von zahlreichen Bedenkenträgern zusätzlich in seiner Entwicklung eingeschränkt. Es geht nicht nur darum, Unternehmen auf die Vorteile von Location-based Services aufmerksam zu machen und sie mit den richtigen Unternehmen zu verknüpfen. Besonders in Deutschland stehen wir auch vor der Herausforderung, die Verbraucher aufzuklären und auf ihre legitimen Datenschutzwünsche einzugehen. Ganze Industrien arbeiten im Moment daran, über vorgeschobene Sicherheitsbedenken ihre Geschäftsmodelle zu sichern. Hier stehen wir zukünftig als Ansprechpartner vermittelnd zur Verfügung und schaffen Raum für einen gemeinsamen Konsens. Wie so viele andere Technologien hängen auch LBS von der Akzeptanz durch den Nutzer ab – schaltet er GPS, Bluetooth und NFC ab, scheitern sämtliche Kampagnen. Es geht also auch darum, gemeinsam mit der Industrie dem Konsumenten die Vorteile schmackhaft zu machen und dabei seine Bedenken zu zerstreuen.

Location Insider: „Zu den Mitglieder der LBMA gehören Einzelhändler, Agenturen, Werbetreibende, Medien, Software und Service Provider sowie Mobilfunkunternehmen“, so Ihre Webseite. Was müssen diese dafür tun und was haben sie von der LBMA?

Carsten Szameitat: Die Aufgaben der LBMA sind unterschiedlich, so leisten wir für Konzerne eine Inkubations-Rolle, in der zahlreiche neue Technologien für diese Unternehmen leicht und valide zusammengeführt werden. Für Technologiedienstleister in unserem Verband schaffen wir die Rahmenbedingungen und die Kontakte für neue Geschäfte, sowie gemeinsame Entwicklungen und Forschungsprojekte. Zum Beispiel unterstützt der Verband einen großen Feldtest für Beacon-Technologie in Wien, an dem auch zahlreiche Unternehmen teilnehmen. Hier zeigt sich auch, was der Verband leisten kann. Denn die Beacon-Technologie ist noch sehr neu, es gibt kaum praktische Erfahrungen. Gemeinsam machen wir uns daran, diese Erfahrungen zu sammeln, zu teilen und zu diskutieren. So profitieren alle Mitglieder gegenseitig von ihren Erfahrungen, ohne dass alle dieselben Fehler wiederholen müssen.

Location Insider: Also könnten wir als Location Insider theoretisch auch Mitglied werden?

Carsten Szameitat: Leider nein. Medien sind derzeit als Vollmitglieder nicht vorgesehen. Dies begründet sich hauptsächlich darin, dass wir ein Branchenverband der Anbieter und Nutzer dieser Technologien sind. Jedoch stehen wir jederzeit gerne für Kooperationen und einen offenen Austausch zur Verfügung und involvieren die Pressevertreter in unseren Projektphasen.

Location Insider: Bringen Sie durch die weltweite Vernetzung des Verbands auch die bekannten „LBMA-Events“ nach Deutschland?

Carsten Szameitat: Dies sind Entscheidungen des globalen Boards. Hierzu gibt es derzeit keine Entscheidungen. Wir beobachten derzeit den Markt und wollen uns ein Bild davon machen, ob es Sinn macht, mit bereits bestehenden Veranstaltungen zusammenzuarbeiten. Schließlich ist Location ein Themenbereich, der die verschiedensten Industrien betrifft und interessiert. Die üblichen Netzwerktreffen unserer Verbandsmitglieder finden aber selbstverständlich statt.

Location Insider: Was sind Ihre Ziele für 2014 – auch in Bezug auf die LBMA?

Carsten Szameitat: Wir treiben derzeit zwei große Projekte voran: ein Buchprojekt und den bereits erwähnten Feldtest in Wien. Ich gehe davon aus, dass hier bereits in Q4 erste Veröffentlichungen stattfinden werden. Mein Ziel ist es nun, die Mitgliederbasis weiter auszubauen, und das Mentoren-Board – bestehend aus wichtigen Vertretern von Handel und Industrie – für den Austausch mit den Mitgliedsunternehmen zu installieren. Gerade unsere jungen Unternehmen freuen Sie auf das Feedback und die Working-Talks. Ebenfalls werden wir den Markt mit validem Zahlenmaterial aufbereiten. Hier werden wir auf geeignete Partner unseres Mutterverbandes zugreifen und gleichzeitig einen national agierenden Marktforscher auswählen. Unsere ersten Aktivitäten tragen bereits Früchte und gerade in den letzten Wochen haben wir starken Zulauf erhalten. Für die kommenden Monate bin ich sehr zuversichtlich.

Location Insider: Vielen Dank für das Interview.

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