Interview: match2blue-Geschäftsführerin Stephanie Renda fordert Deutsche Händler zu mehr Mut bei Beacons auf.

von Christian Bach am 02.Juni 2014 in Interviews

Stephanie Renda match2blue Fotomatch2blue-CEO Stephanie Renda mahnt: „Deutsche Einzelhändler zeigen sich noch immer zurückhaltend gegenüber standortbasierten Diensten und verschlafen dadurch die Chancen, die diese Technologien bieten.“ In Frankreich und Großbritannien gibt es bereits Einkaufszentren und Bahnhöfe, die mit den blueloc-Beacons ausgestattet wurden. „Wir wünschen uns in Deutschland mehr ‚early adopters‘, Menschen die die neuesten technischen Errungenschaften nutzen möchten und neugierig sind – also mobile Trends und Innovationen frühzeitig aufgreifen und mit uns effektive Geschäftsmodelle umsetzen“, fordert Renda. Ihr Mainzer Startup soll eigener Aussage zufolge Technologieführer sein und bleiben: „Unsere Beacons mit der Marke ‚bluloc‘ sind mit Abstand die kleinsten am Markt und haben dennoch die größte Reichweite im Wettbewerb.“ Das IT-Unternehmen produziert die Bluetooth-Low-Energy (BLE)-Sender selbst in Deutschland und hat auch die Software inhouse programmiert.

Location Insider: Apple hat sich ein Indoor-Navigations-System patentieren lassen. Warum setzen Sie auf Beacons und nicht auf das vielerorts vorhandene lokale Wlan-Netzwerk?

Stephanie Renda: Wir setzen auf Beacons, weil diese zu deutlich geringeren Kosten eine deutlich genauere Positionierung ermöglichen. Die Dichte der WLAN-Sender bei vorhandenen Netzwerken, die meist für eine Datenübertragung und nicht für die Lokalisierung konzipiert wurden, reicht in der Regel nicht für eine präzise Lokalisierung aus. Eine Beacon-Infrastruktur lässt sich da viel leichter und kostengünstiger in der notwendigen Dichte der Sendepunkte einrichten und ist leichter zu beherrschen. Mit Blick auf den Datenschutz punkten Beacons ebenso, denn das Handy erkennt den Signalgeber und kommuniziert mit den Beacons auf direktem Wege, anstatt sich erst mit einem lokalen Netzwerk verbinden zu müssen.

Location Insider: Ihr Motto ist „Leading the beacon battle“. Inwieweit führen Sie den Kampf an?

Stephanie Renda: Unsere Beacons mit der Marke „bluloc“ sind mit Abstand die kleinsten am Markt und haben dennoch die größte Reichweite im Wettbewerb. Unsere Beacons sind als einzige für Softwareentwickler frei konfigurierbar. Damit muss ein Gebäude nicht um unsere Beacons herumgebaut werden, wie das bei Beacons mit festen Parametern der Fall ist, sondern eine Installation mit unseren Beacons kann optimal an eine bestehende Infrastruktur angepasst werden. Damit können wir eine Präzision erreichen, von der Andere weit entfernt sind. Zudem haben wir ein ausgeklügeltes und einzigartiges Fernüberwachungskonzept entwickelt und im Einsatz, womit das Monitoring und damit die Wartung einer Beacon-Infrastruktur zum Kinderspiel wird.
Wir sind zudem der erste Anbieter in Europa, der über flächendeckende Beacon-Installationen nicht nur redet, sondern diese im Einsatz hat. Gerade am letzten Wochenende wurde in Marseille ein Shopping-Center eröffnet, das auf drei Ebenen mit über 250 unserer Beacons ausgestattet ist. Die damit verbundenen Dienste für den Nutzer sind Indoor-Lokalisierung und –Navigation sowie ortsbasierte Promotions (Push-Notifications, wenn ein Nutzer an einem Laden vorbei kommt, der ein für ihn relevantes Angebot hat). Zudem erhält der Center-Betreiber vielfältige Analysen, welche Läden und Bereiche im Center wie hoch frequentiert werden. Marseille ist die größte Installation ihrer Art in Europa. Die zweit- und drittgrößten Installationen in Europa gehen ebenfalls auf unser Konto: ein weiteres Shoppingcenter in Paris sowie ein Bahnhof in London mit jeweils ca. 150 Beacons. In den nächsten sechs Monaten statten wir weitere 20 Shopping Center und weitere 40 Bahnhöfe in Europa aus. Und das war erst der Anfang.
Um ihre Frage noch einmal aufzugreifen: Wir führen den Kampf um die Pole-Position an, da wir mit bluloc eine einzigartige Kombination aus hochwertiger Hardware und intelligenter Software geschaffen haben. Die komplexe „Multilateration“, um aus der Überlagerung von Beacon-Signalen einen präzisen Nutzerstandort zu berechnen haben wir inhouse entwickelt und erfolgreich im Einsatz, wo Andere noch mit so spannenden Use Cases prahlen, wie „krieg einen Push wenn du in die Nähe eines einzelnen Beacons kommst“.

Location Insider: Welche Erfahrungen haben Sie mit ihrem ersten Projekt in einem großen Bahnhof in London gemacht?

Stephanie Renda: In einem großen Londoner Bahnhof haben wir die erste geschlossene iBeacon-Installation in Europa mit über 100 Beacons bereits im Frühjahr realisiert. Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht und tiefgreifendes Know-how über die Optimierung von Indoor-Mapping und -Lokalisierung erworben. Die mobile Applikation, die wir für unseren Kunden entwickelt haben, ist nicht nur ein mobiles Marketing Tool, sondern kann ganz gezielt zu Marktforschungsanalaysen genutzt werden. Auswertungen über Verweildauer in einem Laden, das Betrachten und Anklicken von Informationen sind dank Beacons nun noch präziser und genauer. Das Nutzerfeedback ist geradezu euphorisch. Unser Auftraggeber wird in den kommenden Monaten weitere 40 Bahnhöfe mit unserer Technologie ausstatten.

Location Insider: „In Deutschland hingegen tut sich die Branche beim Einsatz moderner Technologien schwer und nutzt die Vorteile für Händler und Kunden nur zögernd“, sagten Sie Ende März. Hat sich die Lage inzwischen verbessert?

Stephanie Renda: Deutsche Einzelhändler zeigen sich noch immer zurückhaltend gegenüber standortbasierten Diensten und verschlafen dadurch die Chancen, die diese Technologien bieten. Deutschlands Einzelhandel hat aus unserer Erfahrung weniger Pioniergeist und Begeisterungsfähigkeit wenn es um die Nutzung von mobilen Diensten oder gar mobilen Transaktionen geht. Wir hören immer wieder Aussagen wie „wer hat das denn schon einmal gemacht?“ (am besten „seit wie vielen Jahren?“) oder „ich weiß nicht, ob unsere Kunden das wollen“, während in England oft genau das Gegenteil zählt: voranschreiten, sich differenzieren, als Erster etwas Neues ausprobieren. Während der Markt hierzulande konservativ ist, gehen im Ausland Kunden und Verbraucher viel aufgeschlossener mit dem mobilen Zeitalter um. Wir sehen an unseren Kunden in Großbritannien und Frankreich, dass sich Einzelhändler und Betreiber von Shopping-Centern auf diesen Zeitgeist einstellen und um ein Vielfaches proaktiver sind. Das macht sich an Investitionen und der Bereitstellung von Wlan bemerkbar. Wir wünschen uns in Deutschland mehr „early adopters“, Menschen die die neuesten technischen Errungenschaften nutzen möchten und neugierig sind – also mobile Trends und Innovationen frühzeitig aufgreifen und mit uns effektive Geschäftsmodelle umsetzen.

Location Insider: Wann und wo können wir bluloc auch in Deutschland nutzen?

Stephanie Renda: Blulocs können bereits ab sofort auch hierzulande zum Einsatz kommen. Wir arbeiten an vielversprechenden Projekten, darunter die unterschiedlichsten Anwendungsgebiete, denn Beacons lassen sich natürlich nicht nur in der Sparte Mobile Marketing einordnen. Es gibt eine Vielzahl an Use Cases, beispielsweise sind Beacons für Messen, Städte, Museen, Flughäfen, aber auch für die Logistikbranche sinnvoll.

Location Insider: Warum vertrauen Sie ausschließlich auf „Beacons made in Germany“?

Stephanie Renda: Wir produzieren unsere Beacons selbst und stellen unseren Kunden die bestmögliche Hardware zur Verfügung. Auch die integrierte Software stammt von unseren eigenen Entwicklern – hier ist umfassende und langjährige Expertise eingeflossen. Beim Thema Qualität und Datenschutz können wir punkten. Unsere Server stehen alle in Deutschland. Auch mit Blick auf WiFi- Infrastruktur, Indoor-Mapping, Positionierung und Installation der Beacons etc. sind wir bestens aufgestellt.

Location Insider: Stichwort Spam: Wie werden Kunden davor bewahrt, dass sie in einer Shopping-Mall Push-Nachrichten von mehreren Händlern gleichzeitig erhalten?

Stephanie Renda: Die Push-Nachrichten-Technologie funktioniert nur in Zusammenhang mit einer mobilen Anwendung, die auf dem Smartphone installiert wird. Jeder Nutzer kann in seinen Profileinstellungen seine Favoriten, wie Händler, bestimmte Marken oder Interessen markieren. Diese Filterung verhindert ungewünschte Nachrichten. Die Einstellungen lassen ebenfalls zu, dass Nutzer proaktive Benachrichtigungen ausstellen können oder den Zeitraum gar selbst bestimmen, indem sie Angebote erhalten möchten.

Location Insider: Die standortbasierten Nachrichten werden je nach Entfernung versendet. Können Händler die exakte Entfernung selbst bestimmen?

Stephanie Renda: Ja, das ist möglich. Unsere Technologie erlaubt es Händlern, die Entfernung selbst zu bestimmen – egal ob im Freien oder in einem Gebäude. Der Händler bedient im Hintergrund ein sogenanntes Dashboard und kann alle Einstellungen über verkaufsfördernde Maßnahmen selbst vornehmen. Dabei ist die Entwicklung so ausgereift, dass Angebote hochpräzise und auf den Meter genau ihre Interessenten erreichen. Ein bildhaftes Beispiel ist der potentielle Käufer vor dem Weinregal, der seinen Lieblingswein zu einem vergünstigten Preis erwerben kann.

Location Insider: Was können Kunden 2014 noch von bluloc erwarten?

Stephanie Renda: Als Technologieführer für individuelle mobile Lösungen verfolgen wir alle neuesten Entwicklungen und Trends und lassen diese in unsere Produkte einfließen. Wir setzen auf beste Qualität in Hard- und Software und absolute Nutzerfreundlichkeit. In vielen Punkten sind wir dem Wettbewerb voraus. Wir haben jede Menge spannende Projekte vor uns.

Location Insider: Vielen Dank für das Interview.

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