Interview: Sevenval launcht Beacon-App und plant neue Projekte für Bahnhöfe und Flughäfen.

von Christian Bach am 26.August 2014 in Interviews

Jan_Webering_portrait_kleinHochprozentige Technik: Sevenval hat eine Beacon-App gelauncht und plant neue Projekte für Bahnhöfe und Flughäfen, verrät Geschäftsführer Jan Webering. Der Kölner Technologieanbieter für mobile und adaptive Web-Lösungen arbeitet seit Februar diesen Jahres mit dem Berliner Beacon-Startup Sensorberg zusammen. Beide Unternehmen haben die Indoor-Navigationslösung „Wein & Webtech“ entwickelt. Die entsprechende Beacon-App wird auf dem österreichischen Weingut Leo Hillinger verwendet. „Die Anwendung ist bereits gelauncht und wird gut angenommen. Verschiedene Teams aus österreichischen Unternehmen machen einen kleinen Ausflug und verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen: Wein und Webtech.“ Die Beacon-Technik funktioniert aber nicht nur in Verbindung mit Alkohol. Der Sevenval-CEO kann sie sich auch im Kulturbereich und bei Sportlern im Training vorstellen: „Beacons sind so vielfältig und sinnvoll, wie die Apps, die dafür entwickelt werden.“ Wann sich die auf Bluetooth Low Energy basierende Technik auch in Deutschland flächendeckend durchsetzt, weiß auch er nicht, „aber eine weitreichende Abdeckung wird wahrscheinlich als erstes von jugendaffinen Marken, zum Beispiel von Mode-Unternehmen erreicht“, so Webering.

Location Insider: Seit Ende Februar arbeitet Sevenval nun mit Sensorberg zusammen. Welche konkreten Ergebnisse hat diese Kooperation nach nun vier Monaten für beide Seiten gebracht?

Jan Webering: Aktuell demonstriert unsere Unit Mobile Services zusammen mit Sensorberg auf dem Weingut Leo Hillinger in Österreich eine Indoor-Navigationslösung mit Beacons. Wir nennen es Wein & Webtech. Die Funksignale der Sender werden von einer App empfangen, die eigens für diesen Feldversuch von Sevenval entwickelt wurde. Die ID des Senders zusammen mit der Signalstärke ermöglichen der App ihre Position (bzw. die des Smartphones) im Raum zu bestimmen. Sensorberg hat vor Ort die Beacons eingerichtet und kalibriert, außerdem nutzen wir die Beacon Management Plattform von Sensorberg, um die Beacons zu verwalten und die Inhalte einzupflegen, die von der App in der Nähe der jeweiligen Beacons angezeigt werden.

Location Insider: Wann soll diese Beacon-App launchen?

Jan Webering: Die erwähnte App für das Weingut ist bereits gelauncht und wird gut angenommen. Verschiedene Teams aus österreichischen Unternehmen machen einen kleinen Ausflug und verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen: Wein und Webtech. Das Weingut Leo Hillinger ist das größte in Österreich und als Ausflugsziel allgemein bekannt.

Location Insider: Das eigentliche Ziel der Beacon-Lösungen von Sevenval war die Point-of-Sale-Ansprache. „Jeder will sie, doch die Wenigsten wissen wofür“, sagten Sie Ende März auf dem 9. Mobilisten-Talk in Berlin über Beacons. Welche anderen Bereiche und Branchen haben Sie im Blick?

Jan Webering: Mit dem Zitat wollte ich verdeutlichen, dass vielen ein konkretes Anwendungsbeispiel fehlt. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass sie Beacons isoliert betrachten. Die eigentliche Stärke der Funksender liegt in der Vernetzung mit anderen Funktionen von Smartphones, die bereits jetzt den Alltag erleichtern. Vernetzt kann die Technologie viele Versprechen der Location-based Services einlösen. Indoor-Navigation ist dabei eine Schlüsselfunktion. Wir planen zum Beispiel bereits Projekte für Bahnhöfe und Flughäfen. Wenn die App der Deutschen Bahn anzeigt, dass der Zug heute auf einem anderen Gleis ankommt und den Reisenden dann mit Hilfe der Beacons dort hinführt, ist diese sinnvolle Kombination erreicht. Genauso kann eine andere App natürlich zeigen, welche meiner bevorzugten Geschäfte sich im Bahnhof oder in der Nähe befinden und mir den Weg zeigen.
Ich finde aber auch Anwendungen im Kulturbereich interessant. Zum Beispiel wenn mir meine App Informationen zu den Exponaten liefert, die ich mir in einer Ausstellung anschaue. Die bisherigen Audioguides sind doch recht umständlich und nicht vergleichbar mit meinem Smartphone, das weltweit mit Hilfe von Beacons tausende Möglichkeiten in dieser Richtung bietet. Zudem ist eine Beacon-App mit dem Internet verknüpft und schon allein deshalb vielseitiger als bisherige Lösungen.
Außerdem können Apps mit Beacon-Funktion Sportlern beim Training helfen oder neuen Mitarbeitern die Einarbeitung in großen Unternehmen erleichtern. Beacons sind so vielfältig und sinnvoll, wie die Apps, die dafür entwickelt werden.

Location Insider: Wenn Beacons so stromsparend und günstig (ab 200.000 Euro für große Anlagen) sind, warum hat sich die Technik dann nicht noch schneller durchgesetzt? Liegt es am Handel, am User oder an ganz anderen Komponenten?

Jan Webering: Unser Partner Sensorberg hat eher das Luxus-Problem, dass die Hardware sehr schnell verkauft wird und neue Sender nachbestellt werden müssen. Viele Unternehmen sind noch in der Testphase. Es geschieht mehr als öffentlich wahrgenommen wird. Aber es ist richtig, dass die großen deutschen Konzerne sich etwas zurückhalten. Bei der Anwendung im großen Stil sind die Amerikaner die Vorreiter, dort gibt es bereits umfangreiche Tests bei Handelsketten oder den Einsatz von Beacons in Football-Stadien. Wahrscheinlich kommt der Trend hier verzögert an, wäre ja nicht das erste Mal.

Location Insider: „Wir sind uns sicher, dass Beacons in Zukunft ein fester Bestandteil des ortsbasierten Marketings ist“, sagte wiederum Yvonne Giensch, bei Sevenval verantwortlich für das Mobile Marketing. Wann wird sich die Beacon-Technologie flächendeckend in Deutschland verbreitet haben?

Jan Webering: Wir können den Zeitpunkt nicht vorhersagen, aber eine weitreichende Abdeckung wird wahrscheinlich als erstes von jugendaffinen Marken, zum Beispiel von Mode-Unternehmen erreicht. Ich kann mir außerdem vorstellen, dass Unternehmen wie Saturn nachvollziehen, wie Apple das Payment in seinen Geschäften mit Hilfe von Beacons realisiert.

Location Insider: Vielen Dank für das Gespräch.

(Beitragsbild: shutterstock.com)

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