Kaufland liefert nicht mehr – ein absehbares Desaster?

von Andre Schreiber am 11.Dezember 2017 in News

Ausgeliefert: Kaufland stellt seinen E-Food-Service nach knapp einem Jahr wieder ein.

Nach knapp einem Jahr stellt Kaufland sein E-Food-Angebot bereits vor Weihnachten wieder ein. Das kostet rund 300 Mitarbeitern aus der Logistik den Job. Und eine solche Ankündigung sorgt natürlich in den Medien für Aufregung.

Die Lebensmittelzeitung zitiert in ihrer Online-Ausgabe sehr nüchtern die Geschäftsführung von Kaufland. Nach Einschätzung des Marktes sei ein wirtschaftlicher Betrieb des Angebots nicht möglich. Deswegen sei der Schritt zur Schließung notwendig gewesen.

Jochen Krisch ist in seiner Analyse der Meinung, dass das Scheitern des Lieferdienstes absehbar war. Denn was Kaufland versucht habe, sei Online-Handel mit der Brechstange gewesen. Und dieser Ansatz erfordere viel Kapital, Einsatz und Durchhaltevermögen. Ganz offenbar habe man nicht gewusst, worauf man sich einlässt. So sei es in der Tat besser gewesen, schnell den Stecker zu ziehen.

Allerdings gibt er auch zu bedenken: „Ärgerlich an diesem Vorgehen ist nur, dass Lidl & Co. sich nun jahrelang einreden werden, dass sie es ja versucht hätten, dass es aber nicht geklappt hat. Doch ein Versuch, um im Lebensmittelmarkt von morgen Fuß zu fassen, sähe dann doch etwas anders aus.“

Peer Schader widmet sich in einem langen und klugen Kommentar dem Treiben bei der Schwarz-Gruppe. Ihn erstaunt besonders die Begründung der Wirtschaftlichkeit. Denn das Unternehmen habe ja auch einen Weg gefunden, sein gigantisches Filialnetz wirtschaftlich zu betreiben, obwohl sich in vielen Läden gerade in den Randstunden mehr Mitarbeiter als Kunden aufhalten würden. Besonders in Frage stellt er beispielsweise die Backstationen, mit denen Lidl stationär punkten will. Die Chancen seien groß dafür, dass sich diese gar nicht wirtschaftlich betreiben lassen, sondern nur von einer Mischkalkulation am Leben gehalten würden.

Er gibt zugleich zu bedenken, dass der Entschluss auch auf längere Sicht bei den Kunden nachhallen würde: „Es ist nicht ganz klar, ob den Managern in Neckarsulm die Unumkehrbarkeit ihres Nicht-Handelns bewusst ist. Falls sich in zwei, drei Jahren herausstellen sollte, dass es doch nützlich oder sogar notwendig wäre, Kunden anzusprechen, die sich daran gewöhnt haben, einen Großteil ihrer Einkäufe übers Netz zu erledigen, dürfte ein Neueinstieg in den Markt kaum glaubhaft zu vermitteln sein.“


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