Lidl will noch dieses Jahr Mobile Payment einführen.

von Christian Bach am 29.September 2015 in Highlight, News, Trends & Analysen

Lidl Logo WebseiteSelbst ist der Kunde: Da Lidl selbst nach mehrmaligen Anfragen leider so gut wie keine Informationen rausrückt, mussten wir bei Location Insider eben einen großen Selbstversuch starten. Der sollte zu Tage fördern, was der Discounter bisher in Sachen Digitalisierung so macht oder eben nicht. Das hieß für mich: Raus aus den eigenen vier Wänden und alles ausprobieren, was Lidl dem Digital Native von Welt so anzubieten hat, zum Beispiel Mobile Payment. Nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen, kontaktlos per Kreditkarte und Smartphone zu zahlen, verriet ein Lidl-Sprecher dann doch noch eine kleine, aber feine Neuigkeit: „Wir beschäftigen uns unter anderem schon seit einiger Zeit mit dem kontaktlosen Bezahlen (NFC) und planen bis zum Ende des Jahres erste Varianten einzuführen.“ Aber eins nach dem anderen:

Prospekte

Meinprospekt Screenshot Webseite Lidl-SucheUm mich als interessierter, typisch deutscher Kunde zuerst einmal über günstige Angebote zu informieren, suche ich nach Lidl-Prospekten. Meine erste Anlaufstelle, die kaufDA-App, arbeitet anscheinend nicht mit dem Handelskonzern aus Neckarsulm zusammen. Dort heißt es nur: „Aktuell keine Prospekte für Lidl in Deiner Umgebung.“ Schade eigentlich. Na gut, zweiter Versuch: Marktjagd. Dieses Mal habe ich Glück. Das Dresdner Unternehmen kooperiert mit Lidl. Nun bin ich aber angefixt und will wissen, wie es bei MeinProspekt aussieht. Komischerweise zeigt mir die kaufDA-Schwester die Prospekte von Lidl an. Letztlich hätte ich auch gleich auf die Webseite des Discounters gehen können. Dort sind die Angebote schnell auffindbar – übrigens ähnlich wie in der App, aber später mehr dazu.

Webseite

2015-09-25 12.07.43Die Webseite www.Lidl.de ist mobiloptimiert. Sie passt sich also problemlos und schnell meinem Smartphone-Bildschirm an. Das gibt schon mal einen Pluspunkt, denn bei anderen, nicht-optimierten Seiten muss ich auch im Jahr 2015 noch wild rein- und rauszoomen. Die Lidl-Webseite lässt sich zudem auch sehr gut auch unterwegs nutzen, um kurz vor dem Einkauf die Schnäppchen des Tages zu checken oder sogar online einzukaufen. Denn im Gegensatz zum Konkurrenten Aldi bietet Lidl einen eigenen Webshop an. Vielleicht ist Lidl online auch deshalb an Aldi vorbeigezogen. Einer Studie des US-Marktforschers Comscore zufolge besuchten zwischen Januar und Juli dieses Jahres rund 27,3 Mio Online-Nutzer Lidl.de – bei Aldi Nord und Aldi Süd waren es zusammen „nur“ 24,3 Mio sogenannte Unique Visitors. Na toll, nun bin ich also einer von mehr als 27 Mio Nutzern.

Im Onlineshop brauche ich für Bestellungen nicht einmal ein Kundenkonto. Ähnlich wie ich es von anderen Händlern kenne, kann ich auch als Gast einkaufen. Nur die ganzen Adressdaten einzeln einzugeben ist etwas aufwändig, vor allem weil teilweise ein „Weiter“-Button fehlt. Nervig sind auch die Versandkosten von 4,95 Euro. Deshalb lasse ich das mit der Online-Bestellung lieber gehe lieber in die nächste Lidl-Filiale.

2015-09-25 12.22.08Um den nächsten Lidl in meiner Umgebung zu finden, nutze ich als Redakteur von Location Insider doch glatt den standortbasierten Filialfinder. Das Feature funktioniert über den Button „Ihren Standort automatisch ermitteln“ via GPS auch einwandfrei. Wie vermutet gibt es gleich mehrere Filialen in meiner Umgebung. Die Kurzinfo dazu zeigt Adresse und Öffnungszeiten an. Eine Telefonnummer und andere Services fehlen hingegen – oder auch nicht. Ein Klick auf die virtuelle Filiale hilft weiter. Wer suchet, der findet. Das folgende Fenster bietet aber auch nicht allzu viele Details zur Filiale: „Täglich frische Backwaren und ein komplettes Lidl-Sortiment“ – das erwarte ich sowieso von einer Lidl-Filiale. Ein weiterer Klick bringt mich direkt zu Google Maps, welches mich nun zur Lidl-Filiale navigiert. Auf geht’s.

App

Auf dem Weg habe ich ein paar Minuten Zeit, um mir die Lidl-App herunterzuladen, die ich nur vom Hörensagen kenne. Denn auf der Lidl-Startseite finde ich keinerlei Hinweise auf die App. Auch per Suchfunktion und unter dem Punkt „Service & Hilfe“ finde ich nichts dazu. Hat einer der größten Discounter Deutschlands etwa noch keine eigene App? Doch! Über die Suchfunktion auf der Lidl-Seite „Service & Hilfe“ werde ich Lidl App Frage Webseiteletztendlich doch fündig. Die vorletzte (!) der FAQs lautet: „Wo kann ich die Lidl-App herunterladen?“ „Die Lidl-App können Sie kostenlos für iOS-Geräte im App Store oder für Android-Geräte im Google Play Store runterladen. Mit der Lidl-App versorgen wir Sie täglich mit den aktuellsten deutschlandweit erhältlichen Lidl-Filial- und Online-Angeboten. Selbstverständlich können Sie Artikel auch direkt mobil kaufen“, schreibt Lidl dort. Zum Glück habe ich ein Android-Gerät, denke ich mir. Die Minderheit der Window-Nutzer wird nämlich mal wieder ausgegrenzt. Denkste. Was die Antwort nicht direkt, sondern über einen Link verrät: Die Lidl-App gibt es auch als Windows Phone App. Anscheinend ist die Lidl-Webseite zumindest inhaltlich nicht ganz auf dem neuesten Stand.

Da ich unterwegs bin, saugt der Download der App meine mobilen Daten ab – zumindest teilweise. Laut Google Play Store brauch die App 5,94 MB. Ich muss mich erst einmal ein paar App-Leichen auf meinem völlig überladenen Smartphone entledigen. Die Thalia-App und Shop to Love müssen dran glauben. Im Vergleich mit anderen Supermarkt-Apps liegt Lidl in Sachen Downloadvolumen im soliden Mittelfeld.

2015-09-25 12.40.44In den App-Stores findet man mit ein bisschen Zeit auch heraus, dass Lidl weitere Apps anbietet, von denen ich bisher noch nie gehört habe: Mit der „Lidl Mobile“-App für Android und iOS können Fonic-Kunden ihr Guthaben im Blick behalten und einige andere Funktionen nutzen. Die Android-Anwendung „Lidl AR Erweiterung“ ist dann tatsächlich interessant für Lidl-Kunden. „Diese App ist eine Erweiterung der offiziellen Lidl-App, mit der Sie die Augmented Reality Funktion nutzen können. Die App ist nur in Großbritannien und Deutschland verfügbar“, heißt es im Google Play Store. Welche Funktionen sich genau dahinter verbergen, erschließt sich mir aber nicht.

Zurück zur eigentlichen Lidl-App: Apple gibt zwar wie immer keine Download-Zahlen bekannt. Aber Google ist da auch nur ansatzweise hilfreich. Die Anzahl der Installationen der seit 2010 verfügbaren Android-App liegt demnach zwischen 5 und 10 Mio. Laut dem App-Analysten Prioridata wurde die Lidl-App für iOS im vergangenen Quartal (Mai bis Juni 2015) 58.062 Mal heruntergeladen. Das ist ein Wachstum von sage und schreibe 59,6 Prozent. Die Android-Version soll in diesem Zeitraum sogar 233.998 heruntergeladen worden sein. Wirklich interessant wäre aber auch, wie viele User die App wieder deinstalliert haben beziehungsweise regelmäßig nutzen. Denn die Anwendung bietet zwar einige sinnvolle Funktionen für Kunden, wie den angesprochenen Onlineshop, Filialfinder, Prospekte, Einkaufszettel und vieles mehr. Aber man muss sie eben auch wirklich verwenden. der digitale Einkaufszettel bietet zum Beispiel eine Verknüpfung mit dem Onlineshop, aber nur aus dem Webshops heraus. Bei der Eingabe im Merkzettel kann ich keine Produkte aus dem Onlineshop hinzufügen – schade eigentlich. Aber immerhin kann man sich eine Erinnerung für den Einkaufszettel und für einzelne Produkte hinterlegen.

Lidl-Filiale

2015-09-25 12.59.50Kurz vor dem Ziel entdecke ich, dass die App von Google Maps „Beliebte Uhrzeiten“ für die Filiale anzeigt. Demnach ist vor allem nachmittags besonders viel los – na toll. Ich freue mich schon auf meinen anstehenden Mobile-Payment-Test und auf den Moment, in dem die wartende Meute an der Schlange hinter mir wegen der Wartezeit langsam unruhig wird. Aber eigentlich müsste das mobile Bezahlen bei Lidl doch funktionieren. Bei Aldi ist dies doch auch kontaktlos per Kreditkarte und Smartphone möglich – aber davon mehr in einem anderen Beitrag. In Großbritannien ermöglicht Lidl seit Juli 2015 Mobile Payment. Britische Kunden des Discounters müssen für die Nutzung von Apple Pay aber eine Apple Watch oder ein iPhone 6 (Plus) besitzen.

Wie dem auch sei, ich schaue mich erst einmal in der Lidl-Filiale nach Anzeichen für eine anstehende Digitalisierung um, werde aber nicht fündig. Bei der Suche nach offenem und kostenlosem Wlan laufe ich quer durch die gesamte Filiale – vergeblich. Immerhin bietet inzwischen sogar dm Wlan an. Ähnlich schlechte Ergebnisse erziele ich bei der Suche nach Liefer- oder Abholservices, wie ihn zum Beispiel Rewe bietet. Auch von Beacons oder digitalen Preisschildern sehe ich nichts, wie sie Kaufland wiederum testet.

2015-09-11 16.42.13Nach dieser erfolglosen Suche kaufe ich zumindest eine Flasche Wasser und gebe die Hoffnung nicht auf, dass NFC bestimmt schon freigeschaltet ist – nur ohne großes Tamtam. An der Kasse sage ich zur Lidl-Mitarbeiterin: „Ich würde gern kontaktlos per Kreditkarte zahlen“. Die Kassiererin antwortet kurz und knapp: „Kreditkarte geht, kontaktlos aber noch lange nicht.“ Als ob sie schon etwas ahnt. Ich halte die Kreditkarte trotzdem an das Bezahl-Terminal, nichts passiert. Da die Schlange hinter mir wächst, gebe ich nach und zahle langweilig mit der Kreditkarte und PIN. Auch bei einem weiteren Versuch in einer anderen Lidl-Filiale funktioniert das Bezahlen nicht mobil.

Weiter angestachelt rufe ich bei der Presseabteilung von Lidl an und frage, ob Kunden denn schon kontaktlos per Kreditkarte zahlen können. Ich soll doch bitte eine E-Mail mit meiner Frage schicken. Gesagt, getan. Dann passiert das Unglaubliche: Kurze Zeit später antwortet Lidl doch noch. Nach einer netten, aber nichtssagenden Einleitung nach dem Motto „Innovationen sind belebend für den Handel“ folgt sogar eine konkrete Antwort auf meine Frage: „Wir beschäftigen uns unter anderem schon seit einiger Zeit mit dem kontaktlosen Bezahlen (NFC) und planen bis zum Ende des Jahres erste Varianten einzuführen.“ Damit hat meine Odyssee durch telefonische, schriftliche und mündliche Anfragen bei Lidl vor Ort doch noch ein Happy End – auch wenn noch viele unserer Fragen offen blieben, was mich etwas enttäuscht. Denn ursprünglich hieß es von Lidl: „Gerne können Sie sich bei weiteren Anfragen wieder an uns wenden.“ Das werden wir auch zukünftig tun und am Ball bleiben.

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