Liefery wagt die Eigenständigkeit jenseits der Lufthansa-Gruppe.

von Matthias Hell am 02.Juli 2015 in Topnews

Eigentlich war die Zugehörigkeit zur Lufthansa-Gruppe eines der wichtigsten Differenzierungsmerkmale des aus dem Kurierdienst time:matters hervorgegangenen „Same Day Delivery“-Anbieters Liefery. Mit der Übernahme durch das Management wagt das Unternehmen jedoch den Schritt in die Eigenständigkeit.

Service als Alleinstellungsmerkmal: Das Web-Portal von Liefery

Liefery ist bereits in 50 deutschen Städten verfügbar – und öffnet sich nun für weitere Investoren

Die wahrscheinlichste Antwort auf die Frage, warum sich Liefery aus dem warmen Nest der Lufthansa-Gruppe verabschiedet hat, findet sich recht versteckt in der Mitte der gestern veröffentlichten Pressemitteilung: „Damit ist die strukturelle Grundlage für weitere Finanzierungsrunden geschaffen“, heißt es dort. Bisher habe time:matters (das selbst zu 49 Prozent zu Lufthansa Cargo gehört) für seine Ausgründung Liefery die Seed-Finanzierung in Höhe von 2,4 Millionen Euro alleine gestemmt. Dabei dürften die klaren Besitzverhältnisse potenzielle Investoren nicht unbedingt angelockt haben. Mit der Übernahme von Liefery durch die Geschäftsführer Nils Fischer und Jan Onnenberg ist nun der Weg frei für den Einstieg weiterer Investoren.

Die Lufthansa-Gruppe wird über time:matters aber eng mit Liefery verbunden bleiben. Das zeigt sich zum einen daran, dass Franz-Joseph Miller, der bisher als CEO beider Unternehmen fungierte, Liefery künftig als Vorsitzender des Beirats weiterhin begleiten wird. Zudem basiert das Kuriernetz von Liefery auf den von time:matters aufgebauten Strukturen, was Geschäftsführer Nils Fischer gegenüber Location Insider Ende 2014 als eines der wichtigsten Differenzierungsmerkmale des Same-Day-Delivery-Dienstes herausstrich.

Geschäftsführer Nils Fischer hat Liefery nun zusammen mit seinem Kollegen Jan Onnenberg übernommen

Geschäftsführer Nils Fischer hat Liefery nun zusammen mit seinem Kollegen Jan Onnenberg übernommen

Zum aktuellen Spin-Out von Liefery erklärt Fischer auf Anfrage von Location Insider:

„time:matters war für uns wie ein Inkubator, ein Sprungbrett in die Eigenständigkeit. Das heißt, dass wir sowohl Kontakte aus dem Netzwerk der time:matters nutzen konnten, als auch auf die Erfahrung des Unternehmens unter anderem im Bereich Customer Service zurück greifen konnten, uns aber gleichzeitig ein eigenes Netzwerk aufgebaut haben. Für die Unterstützung sind wir natürlich sehr dankbar. Wir haben heute jedoch nicht nur ein tieferes Netzwerk, was die lokalen Kuriere angeht, sondern auch andere Kunden und vor allem eine eigene IT-Plattform, die wir eigenständig entwickelt haben. Genau das war auch von Anfang an das Ziel. Das sehen wir als gute Grundlage, Liefery eigenständig weiter zu entwickeln.“

Mit der Eigenständigkeit für Liefery verknüpft das Unternehmen große Ziele: So soll der Lieferdienst erklärtermaßen zur „führenden Smart Delivery Plattform in Europa“ ausgebaut werden. Bereits heute kooperiert Liefery mit einem Dutzend großer Handelsketten und über 800 lokalen Händlern in 50 deutschen Städten. Damit nimmt der Anbieter neben Tiramizoo in Deutschland im Bereich Same-Day-Delivery eine Führungsrolle ein. Die Dynamik ist weiterhin groß: Seit der Gründung im Juni 2014 könne Liefery durchgängig Wachstumsraten von mindestens 20 Prozent pro Monat verzeichnen, heißt es in der aktuellen Mitteilung zum Spin-Out des Unternehmens.



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