Möbel in Losgröße 1: So beeinflusst der Individualisierungstrend die Möbelbranche.

von Gastautor am 18.Dezember 2017 in News, Trends & Analysen

Philipp Koecke (Copyright: Markus Müller Saran)

Von Philipp Koecke (deinSchrank.de)

Immer mehr Kunden wünschen sich personalisierte Produkte, die genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind – von maßgeschneiderten City-Bikes über selbstgemischtes Müsli und individualisierte Nutella-Gläser bis hin zu Unikat-Handtaschen. Vor den eigenen vier Wänden macht der Trend ebenfalls keinen Halt. Warum auch? Wo möchte ein jeder nicht mehr er selbst sein, seine Individualität zum Ausdruck bringen, als zu Hause?

Individualisierung ist einer der wichtigsten Megatrends unserer Zeit und betrifft verschiedenste gesellschaftliche Bereiche. Die Zukunftsstudie Handel 2036 belegt, dass sich 74 Prozent der Deutschen für Produkte entscheiden, die genau ihren Wünschen und Bedürfnissen entsprechen. Produkte „von der Stange“ reichen heute nicht mehr aus, um den Kunden glücklich zu machen.

Industrie findet Antwort

Handgefertigte Produkte sind schon immer etwas Besonderes: Jedes Stück ein Unikat mit einer ihm ganz eigenen Note. Das konnte die Industrie mit dem Produkt der Massenware lange Zeit nicht leisten. Die Lösung brachte das Customizing: Im Möbelsegment konfiguriert sich der Kunde seine Einrichtungsgegenstände ganz nach seinen persönlichen Vorlieben und die Industrie 4.0 macht es möglich.

Psychologisch bedingt werden Gegenstände durch den individuellen Touch wertvoller, denn sie spiegeln die eigene Persönlichkeit wider. Die eigenen Design- und Farbvorlieben fließen in die Gestaltung mit ein, wodurch Möbel nicht mehr nur reine Funktionsobjekte sind, sondern vielmehr ein Teil der eigenen Identität und Lebenshaltung.

Individualisierung per Mausklick

Digitalisierung groß schreiben – so muss die Essenz für die Möbelbranche lauten. Automatisierung und allem voran die stetige Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter bilden ein solides Fundament für den Wandel. Es ist kein Geheimnis mehr, dass die Industrie 4.0 den Mitarbeiter 4.0 benötigt. Der Individualisierungstrend beeinflusst die brancheneigene DNA. Von alldem bekommt der Kunde kaum etwas mit.

Anders sieht es mit dem Einkaufserlebnis aus: das Verlangen der Kunden nach Individualisierung erfordert einen revolutionierten Prozess des Einkaufens. Mit persönlicher Beratung oder auch bequem von der heimischen Couch online per Mausklick. So kann sich der Kunde innerhalb weniger Minuten sein ganz persönliches Möbelstück kreieren.

Weniger ist mehr

Gleichzeitig führt eine Vielzahl an Optionen und Varianten schnell zur Überforderung – frei nach dem Motto: wer die Wahl hat, hat die Qual. Ständiges Filtern und Entscheiden ist anstrengend, da sind sich Psychologen einig. Um eine Entscheidung treffen zu können, braucht es Zeit, Energie und Nerven. Das führt häufig dazu, dass sich der Kaufprozess deutlich verlangsamt oder aufgeschoben wird. Im ungünstigsten Fall bricht der Kunde den Kauf an dieser Stelle ab.

Für die Möbelindustrie steht also auf der einen Seite der Kundenanspruch nach freier Produktgestaltung, auf der anderen Seite die Gefahr des Überangebots an Möglichkeiten. Ein Dilemma? Nein, aber für viele Unternehmen eine große Herausforderung. Kunden nicht nur zufrieden zu stellen, sondern zu begeistern, das wird mehr und mehr zur Königsdisziplin. Das Entscheidende ist hier die richtige Balance zwischen Individualisierbarkeit einerseits und ihrer Beschränkung an der richtigen Stelle andererseits.

Über den Autor

Philipp Koecke ist Mitglied der Geschäftsführung von deinSchrank.de. Er verantwortet hauptsächlich die Bereiche Finanzen, Einkauf sowie PR und fungiert als Sprecher der Geschäftsführung. Koecke trat dem Unternehmen mit Hauptsitz in Frechen 2017 bei, begleitet deinSchrank.de schon länger im Hintergrund. Der studierte Betriebswirt und Verfahrenstechniker war zuvor Finanzvorstand in der Energiebranche.


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