MyHammer findet kein Rezept gegen den Negativtrend.

von Matthias Hell am 27.Januar 2014 in Trends & Analysen

Geht die Idee einer Online-Plattform für lokale Handwerkerdienstleistungen an den Bedürfnissen der Nutzer vorbei? Mit der Trennung von Timo Kirstein, der erst Anfang des Jahres als Vorstand neu zu MyHammer gekommen war, ist jedenfalls bereits die wiederholte Neuausrichtung des Handwerker-Portals gescheitert.

Als Auktionsportal für Handwerker-Services brachte das 2005 gegründete MyHammer zunächst frischen Wind in die Branche – handelte sich aber auch eine Reihe von Vorwürfen ein, die vom Lohn-Dumping bis zu Qualitätsmängeln reichten. Es folgte die Neuausrichtung: MyHammer rückte vom Auktionsmodell ab und stellte 2012 auch generell das Ausschreibungsprinzip in den Hintergrund. Stattdessen wollte sich die Plattform als Online-Branchenbuch für lokale Handwerker neu erfinden. Zusätzlichen Rückendwind sollte das Zusammengehen mit dem Konkurrenten Handwerkerfinden.com bringen. Dessen Gründer Timo Kirstein wechselte in den Vorstand der MyHammer AG – mit dem Auftrag, der Plattform ein zusätzliches Qualitäts-Image und verbesserte Kontakte zum Handwerk zu bringen.

myhammer

Doch Kirstein erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht: Mit einer Adhoc-Mitteilung verkündete MyHammer nun dessen Ausscheiden aus dem Vorstand des Unternehmens. Die mit der Kooperation mit Handwerkerfinden.com verbundenen Erwartungen hätten rückblickend im ersten Jahr nicht in vollem Umfang erfüllt werden können, heißt es darin. Woran es hapert, zeigt der Neunmonatsbericht von MyHammer: „Wir sind mit der bisherigen Entwicklung unserer Geschäftszahlen nicht zufrieden. Insbesondere haben wir uns im Bereich der Neukundenakquisition eine stärkere Dynamik und bei der Reduzierung der Kündigungsquote unserer Bestandskunden deutlichere Fortschritte erwartet.“ Die Konsequenz war ein Umsatzrückgang um 26 Prozent sowie nach neun Monaten bereits ein negatives Betriebsergebnis von 4 Millionen Euro.

Dienstleister-Portale tun sich grundsätzlich schwer

Es stellt sich die Frage, warum sich MyHammer mit dem Erfolg so schwer tut. Eigentlich ist die Idee einer Online-Plattform zur Vermittlung lokaler Handwerkerdienstleistungen so einfach wie einleuchtend. Doch bleibt die Resonanz sowohl beim Handwerk wie auch bei den Privatkunden zwiespältig. Das Spektrum der Reaktionen lässt sich gut an zwei Kommentaren auf einen Mitte 2013 in der Welt erschienenen Bericht über die Neuausrichtung von MyHammer ablesen:

mrm2012: „Es gibt entweder gute Handwerker, die sich vor Aufträgen auch ohne MyHammer kaum retten können, und die, die auf MyHammer. Und die suchen nicht ohne Grund.“

Rebell007: „Letztendlich bieten solche Portale Werbung und die hat jedes Unternehmen nötig. Es gibt immer wieder Neuzuzüge in jeder Region – da kennt man dann die ganzen Handwerksunternehmen erstmal nicht – schon alleine das ist eine Zielgruppe, die man mit solchen Portalen erreichen kann.“

So logisch letzter Kommentar ist, Portalen wie MyHammer macht vor allem erstere Auffassung zu schaffen. Dabei betrifft das Problem nicht nur MyHammer, auch z.B. im IT-Bereich tun sich die Betreiber von Dienstleistungsplattformen schwer. So hat die Verbundgruppe Synaxon (iTeam, PC-Spezialist) ihr Ausschreibungsportal meine-IT bereits kurz nach dem Start zu einem Online-Branchenbuch umgewandelt und ElectronicPartner will seine Plattform Plusanschluss.de sogar komplett einstellen. Anders als z.B. bei MyTaxi oder Lieferheld.de stehen die Konsumenten (und auch die Dienstleister) bei komplexen Service-Leistungen dem Wechsel ins Netz offensichtlich noch skeptisch gegenüber.



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