Online-Marktplatz Yatego setzt auf Local als Zukunftsthema.

von Matthias Hell am 29.September 2015 in Local Heroes

Als Yatego im vergangenen Jahr erste lokale Markplätze startete, war zunächst unklar, wohin das E-Commerce-Unternehmen mit dem stationären Engagement steuerte. Erst seitdem Yatego Local Anfang August in Kooperation mit der Mittelbayerischen Verlagsgruppe auch in Regensburg an den Start ging, lässt sich die Local-Strategie des Online-Marktplatzbetreibers klarer erkennen: Yatego sucht den dritten Weg zwischen Shopping-Plattform und lokalem Verzeichnisdienst.

Ben Rodrian ist - wie sein Geschäftsführer-Kollege Stephan Musikant - von der zu Microsoft gehörenden Verbraucher-Community Ciao.com zu Yatego gewechselt

Ben Rodrian ist – wie sein Geschäftsführer-Kollege Stephan Musikant – von der zu Microsoft gehörenden Verbraucher-Community Ciao.com zu Yatego gewechselt

Das Kerngeschäft liegt für Yatego weiterhin im Online-Marktplatzbereich. Wie Geschäftsführer Ben Rodrian erklärt, sieht sich das 2003 gegründete E-Commerce-Unternehmen selbst als „relevanten dritter Player“ unter den Marktplätzen in Deutschland. Zwar ist die Zahl der auf der Plattform gelisteten Händler, die Anfang des Jahrzehnts noch bei über 10.000 lag, nach einer Bereinigung auf 7.500 zurückgegangen, doch liegt Yatego damit weiterhin knapp vor dem Wettbewerber Rakuten.de. Seit der Mehrheitsübernahme durch den Investor Acton Capital im Jahr 2011 weht bei dem E-Commerce-Unternehmen zudem ein frischer Wind, der sich durch eine neue Geschäftsführung sowie in der zunehmenden Verlagerung von Geschäftsbereichen nach München ausdrückt – Yatego war zuvor schwerpunktmäßig in der nicht gerade als Digital-Hotspot bekannten Schwarzwaldstadt St. Georgen angesiedelt.

Wie Ben Rodrian berichtet, liegt in diesem Wandel auch die Entstehung von Yatego Local begründet: „Im Rahmen der Weiterentwicklung des Yatego-Marktplatzes wollen wir nicht nur den E-Commerce optimieren, sondern mit dem Offline-Segment auch einen neuen Markt erschließen.“ Da viele der Yatego Marktplatz-Händler aus einer stationären Historie stammten, habe man ohnehin bereits einen regen Kontakt mit vielen Offline-Stores. „Dabei haben wir festgestellt, dass es einen Riesenbedarf im stationären Handel gibt, den Bereich Online zu meistern“, erzählt Rodrian. In der Folge habe Yatego in den bayerischen Städten Fürstenfeldbruck und Landshut erste Testläufe für ein lokales Engagement durchgeführt. Im Unterschied zu typischen Einkaufsplattformen habe man dabei den Fokus zunächst gar nicht so sehr auf den Produktverkauf gelegt: „Die Kernfrage hinter Yatego Local ist: Wie kann ich als Local Business lokale Kunden online erreichen?“, erklärt Ben Rodrian. Die Antwort darauf liege für den Online-Markplatz im Anspruch, „das Angebot einer gesamten Stadt online zu transportieren“.

Schrittweises Herantasten an den Local Commerce

Die einheitliche und hochwertige Aufmachung der "Online-Schaufenster" ist das Kennzeichen von Yatego Local

Die einheitliche und hochwertige Aufmachung der „Online-Schaufenster“ ist das Kennzeichen von Yatego Local

Wie das konkret aussieht, kann man seit August auf Yategolocal.com/Regensburg sehen. In Zusammenarbeit mit der Mittelbayerischen Verlagsgruppe hat Yatego dort sein Local-Konzept erstmals als kommerziellen Case umgesetzt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Für das Lokalportal wurden bisher 5.500 Datensätze erfasst und 1.200 Händler auf die Plattform gebracht. Dabei verfolgt Yatego Local eine Strategie, die sich sowohl vom Groupon-artigen, auf Händlerakquise gerichteten Ansatz eines Locafox unterscheidet, wie auch von der neuen, auf lokale Handelsinitiativen fokussierten Ausrichtung, auf die Atalanda seit dem „Wuppertal-Effekt“ setzt. Yatego geht sein Ziel einer kompletten Stadtabdeckung an, indem das Unternehmen aus eigener Initiative lokale Handels-, Dienstleistungs- und Gastronomiebetriebe digital erfasst. Das Ergebnis sind zunächst „Online-Schaufenster“, die – anders als bei vielen Verzeichnisdiensten – in einem einheitlichen Layout erscheinen und auch durchweg hochwertig aufgemacht sind. Wie Yatego-Geschäftsführer Ben Rodrian erklärt, decke man mit den Online-Visitenkarten bereits das Grundbedürfnis der Konsumenten nach Information über die Geschäfte ihrer Stadt ab. In einem zweiten Schritt will Yatego Local auch Produktinformationen auf die Seite nehmen, für die es zunächst nur Reservierungsmöglichkeiten nach Anruf bzw. Callback geben soll, bevor in einem dritten Schritt „echte“ Commerce-relevante Funktionen wie Click and Collect oder Online-Bestellbarkeit geplant sind.

Das schrittweise Herantasten an den Local Commerce ist für Ben Rodrian den Verhältnissen im Handel geschuldet: „Die zentrale Frage ist hier, wie weit der Markt ist. Man kann die Händler an den Online-Verkauf heranführen, aber man kann den Handel nicht von heute auf morgen evangelisieren.“ Seine These unterlegt der Yatego-Geschäftsführer mit einigen Zahlen: Von den Händlern auf Yatego Local/Regensburg haben bisher nur fünf Prozent Online als Absatzkanal genutzt. 30 Prozent hatten bislang keine eigene Webseite. Und selbst bei denjenigen Händlern, die bereits eine Webseite haben, verzichten bis dato rund 70 Prozent auf eine direkte Verbindung mit dem Offline-Geschäft.

Online-Marktplatz und lokale Portale könnten zusammenwachsen

Mittelfristig könnte das Angebot von Yatego Local den Yatego-Marktplatz ergänzen

Mittelfristig könnte das Angebot von Yatego Local den Yatego-Marktplatz ergänzen

Neben den Befindlichkeiten im Handel spielt für Yatego eine wichtige Rolle, dass man bei dem gewählten Local-Konzept gemeinsam mit den Verlagspartnern – das in Regensburg mit dem Mittelbayerischen Verlag gefundene Modell will das E-Commerce-Unternehmen auch auf andere Städte übertragen – ein Produkt bieten könne, das für den Handel leicht verstehbar und bedienbar sei. Yatego-Geschäftsführer Ben Rodrian ist zuversichtlich, so das Henne-Ei-Problem zu lösen, mit dem viele Lokalplattformen zu kämpfen hätten: „Das Spiel beginnt, wenn eine Komplettabdeckung des lokalen Handels erreicht ist. Denn das Erreichen einer kritischen Masse an teilnehmenden Händlern ist die Grundvoraussetzung für eine sinnvolle Nutzung der Plattform.“

Der „weiche“ Ansatz zur Marktdurchdringung setzt Yatego Local bis auf weiteres auch deutlich vom Online-Marktplatzgeschäft des E-Commerce-Unternehmens ab. „Wir sehen uns bei Yatego Local in erster Linie als Enabler für den Handel und weniger als Produktverkäufer“, bestätigt Ben Rodrian. Das erkenne man beispielsweise daran, dass der Weg zum Produkt bei Yatego Local immer über den Händler gehe. Zudem betont der Yatego-Geschäftsführer, dass Yatego Local kein Akquise-Tool darstelle, um neue Händler auf den Yatego Marktplatz zu holen. Geht es um die mittelfristige Weiterentwicklung von Yatego, sieht Rodrian allerdings durchaus einen „Bezug zwischen den beiden Dimensionen“ – sprich: Yatego könnte sich vorstellen, eines Tages lokale Portale und Online-Marktplatz zusammenzuführen und so eine zentrale Plattform mit erweiterter Attraktivität zu schmieden. Für die weitere Entwicklung von Yatego nimmt Local damit klar die Rolle eines Zukunftsthemas ein.



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