Push-Spam ist das Ende der Beacon-Technologie.

von Gastautor am 10.Dezember 2014 in Highlight, Trends & Analysen

Portrait_Richard_Lemke von Richard Lemke

Mit der Beacon-Technologie geben wir dem stationären Handel ein hochwirksames Instrument an die Hand, um im Wettbewerb mit dem E-Commerce zu bestehen und verlorengeglaubte Marktanteile zurückzugewinnen.

Das ist das, was wir unseren Kunden erzählen, um unsere Produkte zu verkaufen. Und was theoretisch auch richtig ist. In der Praxis müssen viele Marketingagenturen allerdings erst noch lernen, mit diesem Instrument richtig umzugehen. Aktuell wird aus meiner Sicht das gewaltige Potential dieser Technologie noch großzügig verschwendet. Indoor-Navigation, Gewinnung von Kundendaten, Analyse von Einkaufsverhalten und eine damit verbundene Optimierung der internen Prozesse, integrierte Loyalty-Programme und Mobile Payment sind schon heute möglich. Welche Anwendungsmöglichkeiten die Zukunft bringt ist derzeit noch gar nicht absehbar. Nur unsere eigene Kreativität setzt die Grenzen. Erfolgreich eingesetzte Beacon-Technologie bedeutet echte und zielgerichtete Kommunikation mit dem Kunden. Das ist der Mehrwert, den alle haben wollen. Aber zu selten wird die vorhandene Technologie in der dazu nötigen Komplexität und Konsequenz eingesetzt.

Push-Spam ist das Ende der Beacon-Technologie.

Viel zu viele Anbieter reduzieren Beacon-Technologie auf das Format einer digitalen Postwurfsendung. „Oh… hier ist ein Kunde. Also schicken wir ihm eine Push-Nachricht. Und noch eine, damit er uns nicht vergisst. Achtung, der Kunde geht 15 Meter weiter. Schicken wir ihm eine neue Push-Nachricht…“ Auf diese Weise werden die vielfältigen Möglichkeiten der iBeacon-Technologie auf triviales Proximity-Marketing reduziert. Sie wird zum Werbezettel 3.0. Es wird Content ausgespült ohne Sinn und Verstand. Einfach deshalb, weil man‘s kann. Und in dieser „Werbeform“ liegt die Gefahr, dass der Beacon-Hype zu Ende ist, bevor wir seine Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Denn klar ist, um die gewünschte Kommunikation zu ermöglichen, muss der Endkunde eben auch die entsprechende App downloaden. Er muss, im übertragenen Sinn, seinen Briefkasten für uns geöffnet halten. Wenn in diesen Briefkasten aber nichts außer nerviger und redundanter Werbung fällt, wird er genauso reagieren, wie jeder von uns zuhause. Er pappt auf seinen Briefkasten den Aufkleber „Bitte keine Werbung einwerfen“. Er wird die App löschen und unseren direkten Draht zu ihm gnadenlos kappen. Und noch etwas: Er wird dazu vermutlich ziemlich sauer sein, denn er ist durch das Downloaden der App in Vorleistung gegangen. Und jetzt ist er enttäuscht. Und die Gefahr besteht, dass wir alle, die in diesem Sektor erfolgreich arbeiten wollen, diese Enttäuschung ausbaden müssen.

Aus Kundensicht denken.

Als Entwickler müssen wir deshalb kreativ und vor allem unbedingt vom Endkunden aus denken. Unser Geschäft ist ja nur auf den ersten Blick ein Geschäft mit dem Händler. Denn damit das, was wir dem Händler versprechen, eintreten kann und damit er seine Vorteile und seine Marktanteile (zurück)gewinnen kann, müssen wir mit unseren Produkten die Menschen erreichen, die ins Geschäft gehen.

Der Schlüssel ist, uns selbst als Produktentwickler und unseren Kunden bewusst zu machen, dass es einzig der Endkunde ist, der dem Händler die genannten Vorteile gewährt. Und zwar indem er die nötige App nutzt und damit seine Daten und seinen Kontakt zur Verfügung stellt. 26 Anwendungen nutzt der durchschnittliche Anwender pro Monat. Eine davon sollte die des Händlers sein. Also können wir entweder auf eine bereits vorhandene Träger-App mit hoher Verbreitung aufsetzen. Oder wir versuchen mit einem eigenen Produkt in die Hitliste seiner bevorzugten Applikationen einzusteigen. Dazu müssen wir gut sein. Wir müssen ihm ein gutes, ein besseres Einkaufsgefühl bieten, als er es ohne Nutzung der Anwendung hätte. Unabhängig von allen technischen Machbarkeiten und Gimmicks, die vor allem unseren Entwicklerstolz befriedigen, sind aus meiner Sicht eine ausgereifte, einfache Usability und intelligente Features die entscheidenden Argumente. Die Vorteile für den Endkunden liegen ja nicht in der Technologie an sich. Sondern darin, dass sie Dinge für ihn einfacher macht: Wie findet er die bevorzugten Produkte? Wie kann er sich – denn auch das ist ein mögliches Feature – einfacher mit dem angebotenen WLAN verbinden? Wie kann er sicher und unkompliziert mobil bezahlen und gleichzeitig seine Bonuspunkte für einen Einkauf oder eine andere Aktivität im Netz beziehen? Kann er das mit einer App?

Das sind die Dinge, an denen wir arbeiten müssen, um den aktuellen Beacon-Hype in eine nachhaltig erfolgreiche Technologie zu verwandeln. Woran wir nicht arbeiten müssen ist, noch mehr Werbung auf noch einem Kanal auf den Kunden zu verschwenden.

[Update] Nun, im Oktober 2015, folgt die Fortsetzung dieses Gastbeitrages: Demnach hat sich die Beacon-Hardware zwar weiterentwickelt, die Kreativität vieler Agenturen aber nicht.

Über Richard Lemke

Richard Lemke ist Gründer und Geschäftsführer von Favendo. Das Bamberger Startup ist eine Kooperation von vier am Markt etablierten Unternehmen. Favendo vereint Software-Entwicklung, E-Commerce, Mobile Advertising und Hardware-Produktion unter einem Dach. Das Unternehmen unterhält eine eigene Beacon-Produktionsstätte in Deutschland.

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