recolution: Wie das Hamburger Modelabel die Kanäle geschickt miteinander verknüpft.

von Florian Treiß am 12.Juni 2017 in News, Trends & Analysen

Jan Thelen (links) und Robert Diekmann (rechts) gründeten 2010 recolution

Es geht ihnen um mehr als Streetwear: 2010 haben Jan Thelen und Robert Diekmann in Hamburg das Modelabel recolution gegründet, das Ethik vor Kommerz stellt. Dabei ist der Markenname ein Wortspiel und setzt sich aus den Begriffen Eco und Revolution zusammen: recolution soll für eine ökologische Moderevolution stehen. Trendige Kleidung soll über verschiedenste Kanäle ihre potenziellen Käufer erreichen und die Marke etablieren. Der interne Aufwand für Datenmanagement, Auswertung und Steuerung muss minimal sein. Ein klarer Fall für eine Omnichannel-Lösung.

„Anfangs haben wir unsere Streetwear vor allem im Direktvertrieb über unsere eigene Website sowie auf passenden Events verkauft, z.B. auf Messen oder Festivals. Schon das war also ein Vertrieb über mehrere Kanäle. Heute ist der stationäre Handel unser größter Absatzkanal“, erzählt recolution-Gründer Robert Diekmann gegenüber Location Insider. Denn recolution hat in den letzten Jahren ein Netzwerk von mittlerweile 150 Partner-Händlern aufgebaut, dass Hoodies, Shirts und vieles mehr von recolution in seinen Läden verkauft. Zudem hat recolution schon mehrfach selbst Pop Up Stores betrieben. Summa summarum gehen zwei Drittel der recolution-Produkte mittlerweile im stationären Handel über den Ladentisch, während der eigene Onlineshop ein Drittel ausmacht.

Der Pop Up Store von recolution im Hamburger Schanzenviertel

Pop Up Store im Hamburger Szeneviertel

Den bislang größten eigenen Ausflug ins stationäre Business unternahm recolution zwischen Oktober 2016 und Februar 2017: Fast fünf Monate lang betrieb das Modelabel einen Pop Up Store im Hamburger Schanzenviertel und kaperte dafür eine Eisdiele, die solange „Winterschlaf“ machte. „Es war eine großartige Erfahrung, für eine so lange Zeit einen eigenen Laden in der Schanze zu betreiben,“ resümiert Robert Diekmann. „Als wir früher Pop Up Stores für nur eine Woche eröffnet haben, war die Bude fast immer voll. Das hatte einen richtigen Event-Charakter. Eine solche Kundenfrequenz kann man nur schwer über mehrere Monate halten“, räumt Diekmann ein. Doch davon lässt sich der recolution-Gründer nicht abschrecken: Schon länger denkt er mit seinem Partner Jan Thelen über eigene Flagship Stores nach, um dauerhaft Präsenz in den Innenstädten zu zeigen. Doch noch haben die beiden Nordlichter keine finale Entscheidung hierzu getroffen.

Tablet-Kasse kann mehr als abkassieren

Der Pop Up Store war zugleich der Auftakt für die nächste Revolution bei recolution: Das Modelabel stellte seine Shop-Software auf die eCommerce Suite von e-matters um. Neben dem schicken neuen Onlineshop mit zahlreichen neuen Funktionen wie etwa dem sofortigen Kauf per PayPal direkt von einer Artikelseite aus überzeugte e-matters die recolution-Gründer auch mit den Omnichannel-Lösungen der eCommerce Suite: „Mittels einer Tablet-Kasse von e-matters konnten wir im Pop Up Store nicht bloß abkassieren, sondern hatten erstmals auch einen Echtzeit-Zugriff auf unsere Lagerbestände. Eine smarte Lösung, die wir nicht nur im Pop Up Store nutzen können, sondern genauso auf Events und Messen – immer mit Daten in Echtzeit“, erzählt Robert Diekmann. Weiterhin ermöglichte es die Tablet-Kasse, direkt aus der eCommerce Suite heraus Etiketten und Hangtags für die Kleidungsstücke zu drucken. Zudem konnte recolution über das System von e-matters erstmals auch eine echte Kanalverknüpfung anbieten: Kunden konnten per Click & Collect Artikel im Online-Shop bestellen und im Pop Up Store abholen. Und umgekehrt konnten die Verkäufer im Pop Up Store nicht vorrätige Produkte und Größen direkt zum Kunden nach Hause bestellen und liefern lassen (Order from Store).

Kevin Besthorn (e-matters)

„Unser Ansatz, alle Daten rund um die Produktion, Warenwirtschaft, Verkauf und Kundenbindung in einem eigenen System zu steuern, egal ob zuhause, im Store oder auf der Messe live abrufbar zu haben, entspricht genau dem, was recolution will“, erläutert Kevin Besthorn, Geschäftsführer von e-matters. recolution-Gründer Robert Diekmann ist froh, nun eine Lösung zu haben, „die sowohl datentechnisch als auch markentechnisch dem Anspruch ‚One face to the customer’ gerecht wird. Schon bei der Planung des Relaunches haben mich die gemeinsamen Workshops mit e-matters überzeugt, denn hier war schnell klar: geht nicht gibt’s nicht! Wir nutzen bisher noch lange nicht alle Möglichkeiten. Bisher verknüpfen wir z.B. Inhalte aus unterschiedlichen Quellen, um unsere Produkte zu beschreiben. Es wäre doch klasse, wenn wir unsere Kunden noch viel individueller erreichen könnten – Stichwort Personalisierung. Es ist gut zu wissen, dass unsere Visionen nicht an der technologischen Basis scheitern werden.“

Effiziente Umsetzung

Das Baukasten-Prinzip von e-matters sei gerade für junge Unternehmen mit großen Plänen oder für die, die Flexibilität schätzen, interessant: „Passend zur jeweiligen Phase gibt es Module, die relativ kurzfristig zugebucht oder auch wieder abbestellt werden können, wie etwa die Tablet-Kasse für unseren Pop Up Store“, so Diekmann. Zudem lobt er die relativ geringen Kosten: „Wir haben einen mittleren fünfstelligen Betrag investiert. Bei den meisten anderen vermeintlichen ‚Standard-Lösungen’ hätten wir ein vielfaches davon bezahlt.“ Auch in zeitlicher Hinsicht war der Aufwand überschaubar: „Wenn ich höre, dass mancher großer Player trotz Verwendung einer Standardsoftware drei Jahre gebraucht hat, um sein Omnichannel-Konzept umzusetzen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln“, so Robert Diekmann „Es geht ja auch nicht nur um den Initialaufwand. Wenn ich daran denke, wieviel Zeit wir durch eine integrierte Warenwirtschaft in unseren Prozessen sparen, kein Datenabgleich, Nachtragen … mehr. Diese Zeit kann ich jetzt in strategische Fragen stecken. z.B. wie können wir unseren Kunden ein personalisiertes Angebot bieten.“ Klar seien auch bei der eCommerce Suite einige Anpassungen nötig gewesen, aber diese seien im Rahmen geblieben.

Zurück zur Partnerschaft von recolution mit stationären Händlern: 2017 startet das Modelabel eine B2B Offensive. Aufbauend auf dem e-matters Framework nutzt recolution eine auf die Bedürfnisse von Modehändlern abgestimmte Oberfläche als B2B-Shop. Nach dem Login können Partnerhändler dort in einer bestimmten Bestellmatrix Mengen, Größen und Styles bündeln. „Einer der größten Vorteile hierbei liegt im Echtzeit-Zugriff auf unseren Warenbestand“, sagt Robert Diekmann. „In der Vergangenheit bekamen wir immer wieder Mails oder Anrufe unserer Händler mit der Frage, was wir gerade auf Lager haben. Dann haben wir eine Liste mit dem aktuellen Bestand rausgeschickt. Doch als die Bestellung dann wirklich ausgelöst wurde, hatte sich der Bestand oft schon wieder verändert. Das alles wird uns mit dem neuen B2B-Shop nun nicht mehr passieren!“

Vision: Bundesweites Click & Collect zusammen mit Partnerhändlern

Doch das ist lange noch nicht alles, was recolution mit den Handelspartnern vor hat: „Perspektivisch wollen wir unseren Onlineshop auch mit den Warenbeständen unserer Partnerhändler verknüpfen, um so auch ohne eigene Filialen deutschlandweit eine lokale Warenverfügbarkeitsanzeige sowie Click & Collect anbieten zu können“, blickt Robert Diekmann in die Zukunft. Schließlich sind die Partnerhändler schon jetzt der wichtigste Vertriebsweg von recolution – und diese würden sich sicher über eine solche Partnerschaft freuen.

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