Schuhe.de: Verbundgruppen-Shop der anderen Art.

von Matthias Hell am 28.Juli 2015 in Local Heroes

Für ihren Onlineshop Schuhe.de aggregiert die ANWR Group lokale Angebote von rund 1.100 Schuhhändlern. Damit bietet die Verbundgruppe Endkunden ein breitestmögliches Sortiment und berücksichtigt gleichzeitig die Interessen der angeschlossenen Händler.

ANWR-Media-Chef Alexander Hock ist für Schuhe.de zuständig

ANWR-Media-Chef Alexander Hock ist für Schuhe.de zuständig

Die ANWR Group ist das klassische Beispiel für einen Riesen, den außerhalb seiner Branche niemand kennt. Das liegt daran, dass die bis 2012 unter dem Namen Ariston-Nord-West-Ring firmierende Gruppe, deren Anfänge bis ins Jahr 1919 zurückgehen, hinter Einkaufsverbünden wie Garant und Rexor, aber auch hinter den Filialketten Sport2000 und Quick Schuh steht. Dafür sind die Zahlen umso beeindruckender: Europaweit sind 6.000 Händler an die ANWR Group angeschlossen und 2014 lag das Geschäftsvolumen der Verbundgruppe bei rund 8,2 Milliarden Euro. Dabei geht der Leistungsumfang der ANWR Group weit über den reinen Einkauf hinaus und umfasst beispielsweise auch Finanzdienstleistungen, Steuerberatung und Versicherungsservices. Ebenfalls zum Portfolio gehören digitale Services, die 2014 in der Gesellschaft ANWR Media gebündelt wurden, die auch hinter der Online-Plattform Schuhe.de steht.

Alexander Hock, der Schuhe.de im Gespräch mit Location Insider vertritt, ist Co-Geschäftsführer der ANWR Media und verfügt über einschlägige Branchenerfahrung: Nach ersten Aufgaben im IT-Bereich von Sport2000 machte sich Hock Anfang der 2000er Jahre an den Aufbau der Schuh-Plattform Shooks.de und sammelte parallel dazu bei dem IT-Dienstleister Attempto Erfahrungen im E-Commerce-Bereich. 2012 folgte die Rückkehr zur ANWR Group, wo Hock für das Warenangebot der angeschlossenen Händler eine zentrale Plattform im Netz aufbauen sollte. „Die Zielsetzung von Schuhe.de ist, dass die Kunden hier möglichst jedes Modell finden sollen und dann entscheiden können, ob sie die Schuhe abholen wollen oder lieber online bestellen“, erklärt der IT-Fachmann. Vor der Online-Konkurrenz muss sich Schuhe.de sicher nicht verstecken: Mit 700 angebotenen Schuhmarken dürfte man ein ähnlich breites Sortiment bieten wie das mit „1.200 Marken“ werbende Zalando. „Mit über 70.000 aktuell angebotenen Schuhen haben wir einen sehr, sehr großen Onlineshop geschaffen“, erklärt Hock.

Händler-Wawis werden an die Plattform angeschlossen

Auf den ersten Blick ist Schuhe.de ein klassischer Onlineshop

Auf den ersten Blick ist Schuhe.de ein klassischer Onlineshop

Schuhe.de vereint zwei Bereiche, die gleichzeitig zwei unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten für Endkunden darstellen: Zum einen ist dies das Fachgeschäfteverzeichnis, das Alexander Hock als „Visitenkarte des Händlers“ bezeichnet. Mitglieder der ANWR-Vertriebsmarken können hier u.a. Informationen zu ihrem Geschäft und den angebotenen Schuhmarken hinterlegen. Die zweite Dimension von Schuhe.de stellt das Angebot lokaler Warenbestände dar, das sogenannte „digitale Schaufenster“. Die lokalen Sortimente können entweder über die Händlerseiten aufgerufen werden oder sie tauchen als Ergebnis der Suche nach einem gewünschten Modell auf. Bereits seit Anfang 2014 werden auf Schuhe.de lokale Warenbestände dargestellt, anfangs allerdings nur von Händlern, die bereits einen Onlineshop aufgebaut hatten. Insgesamt 47 Shops wurden auf diese Weise integriert. Seit Januar 2015 können nun auch ANWR-Händler teilnehmen, die keinen eigenen Webshop betreiben. Stattdessen werden diese direkt mit ihrem Warenwirtschaftssystem an Schuhe.de angeschlossen. Wie Alexander Hock berichtet, sei der Hintergrund für die ungewöhnliche Backend-Lösung – andere Verbundgruppe greifen bei ihren Onlineshops in der Regel auf zentrale Bestellsysteme zurück –, dass die Bestellwege der angeschlossenen Händler teilweise sehr unterschiedlich seien und so der Rückgriff auf das Warenwirtschaftssystem die effektivste Lösung dargestellt habe. „Dennoch war es eine große Herausforderung, die einzelnen Warenwirtschaftssysteme anzuschließen“, erklärt Hock. Inzwischen biete man für sämtliche wichtigen „WaWis“ eine direkte Schnittstelle.

Die Schuhe werden von ANWR Media zentral und aktuellen Online-Standards entsprechend fotografiert und mit den dazugehörigen EAN-Codes verknüpft. Passen diese zu Artikeln im Warenwirtschaftssystem eines Händlers, wird dieser als Anbieter eines entsprechenden Schuhmodells gelistet. Eine wichtige Funktion kommt bei Schuhe.de der Anzeige von lokalen Verfügbarkeiten zu. Die dafür nötigen Daten werden von den angeschlossenen Händlern je nach technischer Fähigkeit geliefert, „von den meisten drei bis vier Mal am Tag, von manchen sogar alle halbe Stunde“, berichtet Alexander Hock. Die Händler können desweiteren wählen, ob sie für ihre Bestände auch Funktionen wie Click & Collect oder eine Filialreservierung anbieten wollen.

Integration in den stationären Handel denkbar

Schuhe.de fungiert auch als Online-Schaufenster für die angeschlossenen Geschäfte

Schuhe.de fungiert auch als Online-Schaufenster für die angeschlossenen Geschäfte

Interessanterweise hat der ANWR-Media-Chef beim Kundenfeedback auf Click & Collect bisher noch eher durchwachsene Erfahrungen gemacht. „Click & Collect muss bei den Endkunden noch an Bekanntheit zulegen, da das für viele noch eine ganz neue Funktion ist“, so Hock. Man setze nun darauf, die Kunden entsprechend vorzubilden – online, aber auch am Point of Sale mit entsprechendem Infomaterial.

Durchwegs positiv ist die Resonanz auf Schuhe.de bei den Fachhändlern der ANWR-Verbünde wie Garant, Rexor und Sport2000. „Der Zuspruch ist sehr stark. Das liegt daran, dass Schuhe.de eben kein zentraler Onlineshop ist, sondern eine zentrale Technologie, die Händler nutzen können, um sich möglichst gut im Netz darzustellen“, erklärt Hock. Um eine interne Konkurrenzsituation zu vermeiden, werden Angebote auf Schuhe.de zum einen nicht nach Preisen abgestuft dargestellt. Zum anderen ist in die Plattform ein Zufallsalgorithmus integriert, der sicherstellt, dass ein Kunde zwar immer lokale Angebote sieht, diese aber bei jedem Aufruf in eine neue Reihenfolge gebracht werden.

Nach dem Anschluss der Händler-WaWis stehen für Schuhe.de bereits die nächsten Herausforderungen an. Zum einen werden derzeit die Webseiten von Sport2000 und Quick Schuh neu gelauncht und stellen dann den jeweiligen Händler-Ausschnitt von Schuhe.de dar. Zum anderen denken Alexander Hock und sein Team bereits über eine künftige Integration von Schuhe.de in stationäre Geschäfte nach. Auf Touchscreens könnte die Plattform dann Kunden helfen, nach zusätzlichen Modellen und Größen in der Nähe zu suchen. Ebenfalls eine zukünftige Option für Schuhe.de könnte die Kooperation mit lokalen Einkaufsplattformen sein. „Wir beobachten das sehr intensiv und erhalten auch bereits Anfragen von den Portalen“, berichtet Hock. Bevor man sich hier zur Zusammenarbeit mit einzelnen Anbieters entschließe, wolle man das Segment aber erst genau selektieren.


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