Shoepassion.com: So stärken Ladengeschäfte den Kundennutzen des Online-Händlers.

von Matthias Hell am 10.Februar 2015 in Local Heroes

Ende 2014 hat der Online-Schuhhändler Shoepassion.com seinen zweiten stationären Store eröffnet und plant noch für das erste Halbjahr 2015 die dritte Ladeneröffnung. Doch verfällt das E-Commerce-Unternehmen damit keiner naiven Multichannel-Ideologie, sondern setzt Shoepassion.com bewusste stationäre Akzente – um zusätzliche Umsatzpotenziale zu erschließen und um den Kunden Mehrwerte zu bieten.

Tobias Boener ist bei Shoepassion.com für redaktionelle Inhalte und PR-Belange zuständig

Tobias Börner ist bei Shoepassion.com für redaktionelle Inhalte und PR-Belange zuständig

Eine überstürzte stationäre Expansion kann man Shoepassion.com nicht vorwerfen: Der Online-Anbieter von hochwertigen, rahmengenähten Herrenschuhen ist seit fünf Jahren am Markt und hat bis heute zwei Ladengeschäfte eröffnet. Der erste Store ging 2012 in Berlin an den Start, das zweite Geschäft öffnete Ende 2014 in München seine Pforten. Wie Shoepassion-PR-Kopf Tobias Börner gegenüber Location Insider erklärt, ist damit das Ende der Fahnenstange allerdings noch nicht erreicht: „An weitere Stores, die wir ebenso wie die bestehenden in Eigenregie eröffnen und führen werden, tasten wir uns langsam heran.“ Über die genaue Zahl will Börner keine Auskunft geben, verrät aber bereits den nächsten Schritt in der stationären Strategie von Shoepassion.com: „Der nächste Store folgt innerhalb des ersten Halbjahres im norddeutschen Raum.“

Dennoch bleibt die Identität als Online-Händler fest in der DNA von Shoepassion.com verankert und beobachtet das Unternehmen die Vor- und Nachteile eines ergänzenden stationären Auftritts deshalb sehr sorgfältig. „Sicherlich geht der Online-Umsatz in den Gebieten, wo wir einen Store eröffnen, ein wenig nach unten“, räumt Tobias Börner ein, „dieser erscheint jedoch Offline wieder plus Steigerung“. Es gebe nach wie vor Menschen, die Online-only nicht vertrauten und die gerne die Marke und ihre Produkte anfassen möchten. Wie Börner erklärt, bekomme Shoepassion in den Stores oft Sätze zu hören wie: „Ich hab Sie im Internet gefunden, mich aber nicht getraut dort zu bestellen, dann erfuhr ich, dass Sie einen Laden haben und nun bin ich hier. Sieht übrigens schön bei Ihnen aus“.

Kundenbindung durch stationäre Seminare

Blick in eines der Seminare von Shoepassion.com

Blick in eines der Seminare von Shoepassion.com

Neben diesem – auch von anderen kanalüberschreitend tätigen Online-Händlern beschriebenen – Trust-Effekt ermöglicht es das Auftreten in einem stationären Kontext Shoepassion.com zudem, die angebotenen hochwertigen Schuhmodelle den Kunden noch besser nahezubringen, als das rein über das Internet möglich ist. Zwar legt das Unternehmen auch im Netz u.a. mit umfangreichen Produktbeschreibungen und der Vermittlung von ausführlichem Schuhwissen einen starken Akzent auf den Beratungsaspekt. „Offline können wir unseren Beratungsansatz durch das persönliche Gespräch aber noch einmal ausbauen“, erklärt Tobias Börner. Die Kunden fühlten sich im stationären Umfeld wohl und würden die umfangreiche Betreuung in den Stores schätzen. „Wir lernen zudem unseren Kunden und seine Bedürfnisse näher kennen. Letztlich kann also die Rede sein von einer klassischen Win-Win-Situation“, so Börner.

Die Möglichkeit, den im Online-Geschäft erbrachten Kundennutzen durch den persönlichen Kontakt weiter zu erhöhen, will Shoepassion.com künftig auch auf das Thema Bindung von Bestandskunden ausdehnen. „Mittlerweile sind wir fünf Jahre am Markt und haben in dieser Zeit den ein oder anderen treuen Stammkunden oder auch ‚Wiederholungstäter’ mitnehmen können. Was bisher auf der Strecke blieb: Ein klassisches Belohnungsprogramm für diese treuen Kunden.“ In dieser Hinsicht habe Shoepassion.com Nachholbedarf und überlege jetzt, wie man ein wertiges Zusatzangebot für die Stammkunden gestalten könne. „Ein Beispiel dafür wären geschlossene Schuhpflegeseminare als Dankeschön für unsere schuhbegeisterte Stammkundschaft.“ In den vergangenen Jahren habe Shoepassion.com Erfahrung mit freien Seminare gesammelt, bei denen stilbewusste Menschen bzw. Männer aufeinandergetroffen seien und einen informativen und unterhaltsamen Abend verbracht hätten – ein Angebot, das so nur in einem stationären Kontext umgesetzt werden kann. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das für unsere Stammkunden auch funktionieren wird“, erklärt Börner.

Neu entwickelte digitale Verkaufslösung

Eine Tochscreen-Lösung soll Kunden den Weg zum passenden Schuh erleichtern

Eine Tochscreen-Lösung soll Kunden den Weg zum passenden Schuh erleichtern

Auf Grund des wertigen und traditionsgeladenen Produktbereichs, in dem sich Shoepassion.com bewegt, spielten digitale Innovationen in den stationären Geschäften des Online-Händlers bisher keine Rolle. Nun hat das Unternehmen dennoch eine zusammen mit dem Dienstleister Phizzard entwickelte Touchscreen-Lösung in Betrieb genommen. Der Kunde scannt dabei den Barcode eines Schuhmodells ein und erhält auf dem Bildschirm Informationen zu dem Artikel. Nach der Bewertung des Kunden (zu klein/ zu groß/ passt), wird angezeigt, in welchen Größen und Farben der Schuh noch vorrätig ist bzw. ob gegebenenfalls auch ein alternatives Modell besser passen könnte. Wählt der Kunde auf dem Bildschirm einen neuen Artikel aus, wird ein Verkäufer auf dem Tablet benachrichtigt, um den Artikel direkt aus dem Lager zu bringen. Die korrespondierende Verkäufer-App beinhaltet weitere Funktionen, wie beispielsweise einen Picklisten-Manager und eine übergreifende Anzeige der Artikelverfügbarkeit.

Wie Tobias Börner berichtet, wird die digitale Beratungslösung seit Anfang Februar im Berliner Store von Shoepassion.com eingesetzt und soll bald auch in München verfügbar gemacht werden. Auch darüber hinaus treibt der Online-Schuhhändler seine Entwicklung konsequent voran. Den seit vergangenem Jahr angebotenen Schuhreparaturservice setzt Shoepassion.com nun komplett in Eigenregie um. Die ebenfalls 2014 gestartete Damenkollektion weitet der Online-Händler in diesem Jahr aus und will dafür auch den Webshop stärker in Richtung „She-Commerce“ anpassen. Zudem hat das Unternehmen soeben einen Onlineshop in Frankreich gestartet und ist damit neben Deutschland bereits in fünf weiteren europäischen Ländern verfügbar. Auch hier zeigt sich, dass das stationäre Engagement nur ein Teil einer mehrgleisigen Expansionsstrategie ist, deren klarer Mittelpunkt aber das Erfolgskonzept E-Commerce darstellt.



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