Transport-Plattform Checkrobin nimmt den Handel ins Visier.

von Matthias Hell am 25.März 2014 in Local Heroes

Die österreichische Plattform Checkrobin vermittelt Warentransporte in Privat-PKWs und setzt dabei auf ein klassisches Share-Economy-Modell. Nach einer Aufbauphase öffnet sich der Transportdienst bald für B2C-Aufträge – und will damit auch dem stationären Handel neue, digitale Vertriebsmöglichkeiten aufzeigen.

Bekanntgeworden ist Checkrobin-Gründer Hannes Jagerhofer durch seine Event-Agentur ACTS

Bekanntgeworden ist Checkrobin-Gründer Hannes Jagerhofer durch seine Event-Agentur ACTS

Wie Checkrobin-Gründer Hannes Jagerhofer im Gespräch mit Location Insider berichtet, kam dem erfahrenen Event-Unternehmer die Idee zu der Online-Plattform während einer Autobahnfahrt von Wien nach Kärnten: „Ich habe an einer Tankstelle beobachtet, dass in den meisten Autos nur der Fahrer unterwegs war und habe mir gedacht, wie viel leerer Laderaum dabei ungenutzt bleibt.“ Mit den ersten Arbeiten für eine Plattform, die private PKW-Fahrer und Nutzer auf der Suche nach einer Mitnahmegelegenheit für Warentransporte miteinander in Kontakt bringt, startete Jagerhofer Ende 2012. Dabei handelte es sich von Anfang an um ein eher untypisches Startup: Neben dem Unternehmer sind auch Ex-Rennfahrer Niki Lauda und Star-Gastronom Attila Dogudan (Do & Co) an Checkrobin beteiligt.

Mit der Fahrerregistrierung startete Checkrobin im März 2013 und seit Juli 2013 werden über die Plattformen ganz regulär Sendungen transportiert, zunächst entlang der „Südautobahn“ A2, die von Wien über Graz nach Klagenfurt führt, und kurz darauf auch auf der „Westautobahn“ A1 von Wien über Linz nach Salzburg. Nach dem Mitfahrzentralen-Muster können Nutzer bei Checkrobin geplante Fahrten anlegen und angeben, welche Arten von Sendung sie mitnehmen möchten, wie groß ihre Transportkapazitäten sind und ob sie auch bereit sind, das mitgeführte Gepäckstück gegen Bezahlung beim Absender abzuholen, bzw. beim Empfänger abzuliefern. Die Höhe des Fahrtkostenzuschusses können die Fahrer frei in einer Spanne zwischen 9 und 29 Euro wählen, allerdings liegt die Obergrenze für Fahrer, die keine Abholung/Zustellung anbieten bei 15 Euro und wird bei Fahrten bis 60 km das amtliche Kilometergeld von 0,42 Euro zugrunde gelegt. Für die Vermittlung der Fahrten berechnet Checkrobin eine Provision von 2,90 Euro.

„Die Selbstverantwortung der Nutzer ist faszinierend“

Von der Abdeckung bis zur Zuverlässigkeit kann Checkrobin nach einem Jahr beeindruckende Erfolge vorweisen

Von der Abdeckung bis zur Zuverlässigkeit kann Checkrobin nach einem Jahr beeindruckende Erfolge vorweisen

In dem knappen Jahr seit dem Launch von Checkrobin kann der Transportdienst durchaus beeindruckende Zahlen vorweisen: Bei dem Dienst sind mittlerweile fast 8.000 Fahrer registriert, die bislang über 36.000 Fahrten eingegeben haben. Dabei wurde bisher keine einzige Sendung verloren oder beschädigt und erhielten die Fahrer von den Nutzern im Durchschnitt eine Bewertung von 4,8 von 5 möglichen Sternen, wie die Webseite von Checkrobin stolz festhält. „Die Selbstverantwortung der Fahrer ist für uns faszinierend“, erklärt dazu Hannes Jagerhofer. Nicht nur erfolge die Zustellung der Sendung ohne Zwischenfälle, sondern seien die Nutzer der Plattform auch was die Durchführung zugesagter Fahrten betrifft, sehr zuverlässig. Dabei beobachtet der Gründer des Transportdienstes auch eine zunehmende Professionalisierung: „Am Anfang haben sich bei uns viele Online-Freaks registriert und Menschen, die Checkrobin einfach einmal ausprobieren wollten. Inzwischen kommen immer mehr Berufsfahrer dazu und Leute wie Installateure oder Vertriebler, die jobbedingt viel unterwegs sind.“

Für Jagerhofer ist Checkrobin damit, was die Fahrer betrifft, bei der eigentlichen Hauptzielgruppe angekommen. Die Plattform sei damit reif für den nächsten Ausbauschritt: Während man zum Start vor allem auf Privataufträge gezielt habe, könne man künftig auch – und vor allem – B2C-Kunden ins Visier nehmen. Der Checkrobin-Gründer meint damit zum einen Online-Marktplätze wie die vom österreichischen Massenblatt Kronenzeitung betriebene Kleinanzeigen-App Flohmo, innerhalb der Checkrobin künftig als Transport-Option eingebunden werde. Zum anderen will die Transportplattform auch die gesamte Bandbreite des Handels – vom kleinen Fachhändler bis zur Handelskette – ansprechen.

„Checkrobin will dem Handel neue Modelle ermöglichen“

Neben der Webseite ist die App der zentrale Zugangskanal zu Checkrobin

Neben der Webseite ist die App der zentrale Zugangskanal zu Checkrobin

Erste Erfahrungen mit Handelskunden konnte Checkrobin schon sammeln. Jagerhofer führt hier u.a. das Beispiel eines Motorradhändlers an, der eine gekaufte Vespa per Checkrobin-Fahrt liefern ließ und damit kostenseitig deutlich unter allen anderen Transportoptionen blieb. Aber auch für Einzelhändler, z.B. im Elektronikbereich sei das flexible Lieferangebot sehr attraktiv. Hannes Jagerhofer geht davon aus, dass Ende April die nötige Fahrerabdeckung erreicht ist, um Checkrobin als Zustelloption für professionelle Auftraggeber anbieten zu können. „Unser Ziel ist es, Sendungen in drei Stunden durchführen zu können“, erklärt der Unternehmer. Wenn das nicht möglich sei, werde entweder auf klassische Lieferoptionen zurückgegriffen bzw. denke man derzeit auch über die Einbindung professioneller Kurierunternehmen nach.

Mit der Öffnung für Geschäftskunden geht es Hannes Jagerhofer nicht nur um die Vergrößerung der Nutzerbasis: „Unser Ziel ist es, neue Modelle zu ermöglichen.“ Dabei hat der Checkrobin-Gründer in erster Linie den Handel im Auge, der nur seine Angebote ins Netz bringen müsse, um mit dem Transportdienst künftig Märkte zu erschließen, die er sonst nicht erreichen könne. Allerdings gelte es dann, Fixpreise für die Zustellung festzulegen, die von den beteiligten Händlern mitsubventioniert würden. „Den Händlern muss klar sein: entweder mache ich das und habe die Chance auf ein Zusatzgeschäft oder ich verzichte darauf.“ Dabei ist sich Jagerhofer sicher, dass Checkrobin mit der Verbindung von Share Economy und trendigen Same-Day-Delivery-Diensten nicht nur beim österreichischen Handel große Potenziale hat: Für 2015 hat sich das Unternehmen die Expansion nach Deutschland auf die Fahnen geschrieben und will dann voraussichtlich auf der Strecke Hamburg-Berlin erste Erfahrungen sammeln.



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