Wird Simply-Local der Gamechanger bei den Einkaufsplattformen?

von Matthias Hell am 27.Januar 2015 in Local Heroes

Es mangelt nicht an Anbietern lokaler Einkaufsplattformen, doch handelt es sich dabei entweder um junge Startups oder um Verlagshäuser mit geringer Online-Erfahrung. Die Göttinger Plattform Simply-Local hat hier das Zeug zum Gamechanger – verfügt das Unternehmen doch sowohl über die nötige technische Kompetenz, wie auch über das Backing eines großen Handelskonzerns. Doch wo steht Simply-Local heute?

Die Idee von Simply-Local: die ganze Stadt auf einem Marktplatz

Die Idee von Simply-Local: die ganze Stadt auf einem Marktplatz

Simply Local wird angeboten von der My-Xplace GmbH, einer Tochter des POS-Technologieentwicklers Xplace, über den wir bereits im Rahmen der Artikelserie Local Heroes berichteten. An Xplace ist mit 50,01 Prozent die Media-Saturn Holding beteiligt, die wiederum zu 78 Prozent dem Handelskonzern Metro gehört. Im Vergleich zu vielen anderen Einkaufsplattformen steht Simply-Local damit auf deutlich solideren Füßen. In aktuellen Stellenanzeigen beschreibt sich das Unternehmen als „dynamisches Startup mit Background“ und erklärt: „Als Tochter der Metro Group bauen wir auf soliden Strukturen.“

Dazu passt, dass die Entwicklung der Plattform Simply-Local nicht im luftleeren Raum begann, sondern vielmehr auf direkte Impulse aus dem Handelsumfeld zurückgeht. Neben Media-Saturn nutzen große Handelsketten wie Karstadt, Thalia und Rewe die POS-Lösungen von Xplace. Als im Gespräch mit diesen Kunden immer öfter die Frage nach einer ergänzenden Lösung zur Warenpräsentation im Internet auftauchte, entwickelte Xplace mit My-Xplace.de den Vorläufer von Simply-Local: eine Produktsuchmaschine, die die Anzeige lokaler Verfügbarkeiten mit einer Online-Bestellmöglichkeit vereinte.

My-Xplace.de, das stark vom Warenangebot der mit Xplace verbundenen Handelsketten geprägt war, wurde 2014 zugunsten von Simply-Local eingestellt. Dabei handelt es sich jedoch nicht nur um eine kosmetische Änderung, sondern um einen tiefgreifenden Neuansatz: Simply-Local will einen breit gefächerten Marktplatz bieten, der per Smartphone die lokale Suche nach dem Wunschprodukt ermöglicht, das dann zur Abholung reserviert oder auch per Same-Day-Delivery nach Hause geliefert werden kann.

Breites Gesellschaftermodell als Wettbewerbsvorteil

Oldenburg zählte zu den Start-Märkten von Simply-Local, doch ist das Händlerspektrum noch recht übersichtlich

Oldenburg zählte zu den Start-Märkten von Simply-Local, doch ist das Händlerspektrum noch recht übersichtlich

Auch handelsseitig wurde das Konzept von Simply-Local neu aufgesetzt: um einen möglichst guten Zugang zum lokalen Handel zu erreichen, setzt das Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit lokalen Medienhäusern – und dies bevorzugt in Form von Beteiligungen. Bereits Anfang 2014 stiegen die Bremer Weser-Kurier Mediengruppe und die in Münster ansässige Aschendorff Medien GmbH ein, im Frühjahr folgten die Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft mit Sitz in Oldenburg sowie die Rhein Main Digital GmbH in Mainz. Als Nachzügler beteiligte sich zudem im Spätsommer die hinter der Wilhelmshavener Zeitung stehende Ernst Brune GmbH. Die Höhe der Beteiligungen variiert dabei zwischen einem und elf Prozent. Die Strategie hinter den Verlagskooperationen leuchtet ein: Simply-Local vereinfacht so einerseits den Zugang zum Handel und bietet gleichzeitig den Verlagshäusern eine gern gesehene Lösung zur Digitalisierung ihres Anzeigengeschäfts.

Mit dieser breit aufgestellten Trägerschaft ist Simply-Local in einer guten Situation, um unter den lokalen Einkaufsplattformen eine Führungsrolle einzunehmen. Das erklärte auch Media-Saturn-CEO Pieter Haas im Gespräch mit Location Insider: „Wir sehen bei Simply-Local sehr gute Chancen, sich durchzusetzen.“ Die Einkaufsplattform brauche aber noch weitere Reichweitenpartner und eine entsprechende mediale Reichweite. Zudem erklärte Haas, dass sich Simply-Local um die Unterstützung des Einzelhandelsdachverbands HDE bemühe. „Es ist immer die Frage, wie man so ein Modell skaliert“, so Haas. „Man kann schlecht auf eine Groupon-artige Lösung setzen und gleich ein Sales-Team mit ein paarhundert Leuten aufbauen. Wenn der HDE mit seiner großen Durchdringung im Handel eine Plattform propagiert, dann wären wir hier schon einen Riesenschritt weiter.“

Echte lokale Angebote bleiben eine Herausforderung

Erste echte lokale Angebote lassen erahnen, was die Plattform bieten könnte

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Folglich ist auch Simply-Local kein Selbstläufer. So wurde in einer Reihe von Medienberichten im vergangenen Frühjahr noch Juli 2014 als bundesweiter Starttermin für Simply-Local angekündigt. In der Realität startete die Plattform erst im Herbst des Jahres Online-Marktplätze in Bremen, Oldenburg, Münster, Mainz und Wiesbaden – den Einzugsgebieten der jeweiligen Verlagspartner. Inzwischen ist Simply-Local bundesweit verfügbar, wird allerdings noch als Betaversion gekennzeichnet. Betrachtet man das bisherige Angebot, so wird dieses weiterhin stark von überregionalen Ketten dominiert. Dazu zählen Namen wie Deichmann, OBI, Fressnapf oder Butlers, die bereits in ihren eigenen Webshops die Anzeige lokaler Verfügbarkeiten anbieten. Ebenfalls vertreten sind Elektronikhändler der Verbundgruppe Euronics. Echte lokale Einzelhändler kleiner und mittlerer Größe sind derzeit noch stark Mangelware. Ebenso scheint die Lieferoption Same-Day-Delivery derzeit noch nicht umgesetzt.

Natürlich lässt sich anhand der Marktplatz-Betaversion noch keine abschließende Bewertung über Simply-Local treffen – zumal das Unternehmen weiter in der Aufbauphase steckt: Mit Martina Lenk – zuvor Geschäftsführerin der Online-Sparte der Verlagsgruppe Madsack – hat das Portal im vergangenen Herbst seine Geschäftsleitung verstärkt und baut das Unternehmen in Leipzig einen neuen Technologiestandort auf. Doch lassen sich bei Simply-Local ähnliche Herausforderungen erkennen, wie bei den Wettbewerbern: So wird für den Erfolg ausschlaggebend sein, dass es gelingt den lokalen Handel in einer entsprechenden Breite auf die Plattform zu bekommen. Hier hat Simpy-Local aufgrund seines Verlagsmodells eigentlich keine schlechten Karten. Doch wird sich bald zeigen, wie viel diese wert sind – und ob zuletzt nicht ein auf lokale Handelsinitiativen „von unten“ ausgerichtetes Geschäftsmodell größere Chancen hat, wie es der Wettbewerber Atalanda inzwischen verfolgt.



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