11teamsports entwickelt sein stationäres Expansionskonzept weiter.

von Matthias Hell am 09.Juni 2015 in Local Heroes

Gut verdeutlicht 11teamsports die Dynamik, die ein (hauptsächlicher) Online-Händler im stationären Umfeld erfährt: So hat der Fußballfachhändler die digitalen Beratungslösungen in seinem Flagship-Store in Berlin weiterentwickelt. Daneben plant das Unternehmen bereits die weitere stationäre Expansion.

Der Flagshipstore von 11teamsports in Berlin eröffnete im Juni

Im Juni 2014 eröffnete 11teamsports seinen Flagship-Store in Berlin

Als wir vor knapp einem Jahr erstmals in unserer Artikelserie Local Heroes über 11teamsports berichteten, hatte sich bei dem Fußballfachhändler gerade ein Kreis geschlossen: das Unternehmen war ursprünglich im stationären Umfeld gestartet, erzielte aber bald als Online-Händler den größeren Erfolg. Mit der Eröffnung eines Flagship-Stores in Berlin vertiefte das Unternehmen Mitte 2014 sein stationäres Engagement wieder – zur Stärkung der Marke, aber auch um den Wünschen der Markenhersteller entgegenzukommen. In dem 1.400 Quadratmeter großen Flagship-Store präsentiert 11teamsports seitdem nicht nur sämtliche aktuellen Schuhmodelle in allen Größen, sondern bietet auch viele Gimmicks, die die Herzen von Fußballfans höher schlagen lassen. Gleichzeitig soll der Store mit Screens und iPads, auf denen z.B. nicht vorrätige Modelle nachbestellt werden können, den Online-Händler 11teamsports repräsentieren.

Rund ein Jahr nach der Eröffnung des Flagship-Stores hat 11teamsports die darin umgesetzten Multichannel-Funktionen nun an die Erfahrungen angepasst. Wie Geschäftsführer Oliver Schwerin berichtet, reagierten die Kunden beispielsweise auf die in den Laden integrierten iPads eher reserviert, weshalb diese künftig vor allem als Mitarbeiter-Tools eingesetzt werden sollen. Für die oftmals noch recht jungen Kunden wurden dagegen neue Formate geschaffen, die dem kanalübergreifenden Ansatz von 11teamsports entsprechen. Dazu zählt eine Multimedia-Wand, an der bis zu vier Nutzer gleichzeitig stöbern, Brand-Content betrachten und Social-Media-Aktivitäten initiieren können. „Wir haben das bewusst sehr intuitiv umgesetzt. Kunden gelangen mit einem Handy-Shake ins Netzwerk und können dann eigenen Content zu Facebook und anderen Social-Kanälen hochladen“, erklärt der 11teamsports-Chef. Die in dem Store angebotenen Fußballschuhe und -kleidung seien vor allem für junge Käufer sehr emotional besetzt, weshalb der Händler die sich dadurch bietende Möglichkeit nutzen wolle, seine Social-Media-Präsenz weiter zu erhöhen.

Multichannel-Features mit Mehrwert für die Kunden

Neue, mit dem Hersteller Nike entwickelte digitale Beratungslösungen sollen einen echten Kundennutzen bringen

Neue, mit dem Hersteller Nike entwickelte digitale Beratungslösungen sollen einen echten Kundennutzen bringen

Gemeinsam mit dem Hersteller Nike hat 11teamsports im Flagship-Store zudem einige neue digitale Beratungslösungen umgesetzt: Beim Replica Builder handelt es sich um eine Multi-Touch-Lösung, auf der Kunden sich das offizielle Trikot ihres Wunschspielers konfigurieren können – bei jeweils sechs Erst- und Zweit-Bundesliga-Vereinen mit Nike als Ausrüster in der Saison 2014/15 ist die Anzahl der Trikotvarianten viel zu hoch, um diese durchgängig vorrätig zu haben. Das gewünschte Trikot kann dann entweder instore bestellt und an der Kasse bezahlt oder in den Warenkorb des Kunden-Smartphones übertragen werden. Geht es um die Auswahl der richtigen Fußballschuhe, hilft der Footwear-Table. Hier sind Schuhmodelle mit RFID-Chips ausgestattet. Wird ein Modell auf den Tisch gelegt, werden dazu ausführliche Produktinformationen angezeigt. Werden mehrere Modelle auf dem Tisch abgelegt, wird automatisch ein Produktvergleich gestartet. Für Sportmannschaften gibt es in dem Store schließlich noch den Teamsport-Builder, eine Multi-Touch-Lösung, die die Konfiguration kompletter Teamausrüstungen ermöglicht. Dabei lassen sich ebenfalls per Handy-Shake Mediendateien wie zum Beispiel Vereinslogos hochladen.

„Es ist uns bei diesen digitalen Lösungen wichtig, dass wir nur Dinge umsetzen, die auch einen Mehrwert für die Kunden bringen“, erklärt dazu Oliver Schwerin. Das treffe für ein aufwendiges Spieler-Hologramm beispielsweise nicht zu, für eine Digital-Signage-Lösung, die den Kunden personalisiert im Store empfange, dagegen schon. „Unsere Kunden sind heute schon längst multichannel unterwegs. Das wollen wir nutzen, um mit ihnen in einen tieferen Dialog zu treten.“

Neue Filialen geplant, Franchise-System angedacht

11teamsports-Gründer Oliver Schwerin denkt über weitere Filialen und ein Franchise-System nach

11teamsports-Gründer Oliver Schwerin denkt über weitere Filialen und ein Franchise-System nach

Obwohl 11teamsports rund um die Eröffnung des Berliner Flagship-Stores verkündete, vorerst keine weiteren neuen Filialen zu eröffnen und sich zunächst lieber mit der Weiterentwicklung der On-/Offline-Verknüpfung zu beschäftigen, laufen heute bereits Planungen für eine weitere stationäre Expansion. „Wir sind im Internet zwar an der Spitze, aber bei den Kunden auf der Straße ist unsere Marke noch nicht so bekannt. Um hier weiter zu wachsen, brauchen wir mittelfristig eine deutschlandweite Abdeckung“, erklärt Firmenchef Schwerin. Gut vorstellbar sind für das Jahr 2016 eigene Stores in den Regionen Köln und München. So groß dimensioniert wie der Flagship-Store werden diese aber voraussichtlich nicht ausfallen.

Daneben denkt 11teamsports auch über ein Franchise-Modell mit einem reduzierten, auf die Online-Bestellung ausgerichteten Store-Format nach. Wie Oliver Schwerin klarstellt, wolle man hier aber noch weiter die Erfahrungen in den bisherigen Geschäften verfolgen, um das Konzept weiter zu verfeinern. Eine Realisierung der Franchise-Pläne würde deshalb wohl erst in Richtung 2016/17 anstehen. Klar ist allerdings, dass 11teamsports nach dem Online-Aufbau das stationäre Geschäft wieder fokussieren will – aus eigenem Antrieb, aber auch im Sinne der Markenhersteller, die in den Vertriebspartner große Erwartungen setzen. Es zeigt sich somit bei dem Fußballfachhändler gut, dass die Expansion ins stationäre Umfeld für viele Online-Händler eine Dynamik entwickelt, die schließlich zu einem Ausbau von ursprünglich nur singulär angelegten Filialplänen führt.


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