1st Berlin Beacon Summit: „Beacon darf keine Spam-Technologie werden!“

von Fritz Ramisch am 26.Juni 2014 in Trends & Analysen

1403702691381Beacons im Bikini: Barcoo, SinnerSchrader Mobile und Ströer Mobile Media haben gestern den ersten Berlin Beacon Summit veranstaltet. In bester Nachbarschaft zu Affen und Beuteltieren im Berliner Zoo wurde schräg gegengüber im Supermarket concept space im Bikini Berlin zum Thema Beacon diskutiert. Ziel der gut besuchten Veranstaltungen war es, sich in „lockerer Atmosphäre in Berliner Manier“ zu den kleinen, angeblich heilsbringenden, auf der Bluetooth-Technologie basierenden, Sendern auszutauschen. Die werden nur allzu oft als Retter des stationären Einzelhandels gelobpreist – konkrete Anwendungsfälle fehlen hierzulande aber oft noch. In einer Pitch-Session zeigten 14 Speaker u.a. von Barcoo, a-mo-bee, Millennial Media, Sensorberg, tado uvm. Kampagnen und Anwendungsszenarien im Schnelldurchlauf. Dass Beacons nicht nur zum Einsatz kommen müssen, um Passanten vor dem Laden abzufangen, zeigte Florian Kirchberger von Siteforce. Mit einer App für das Kaltenberger Ritterturnier will er Beacons ins Mittelalter bringen. Robert Fritze, Kreativchef bei SinnerSchrader Mobile, zeigt im Anschluss, was es zu beachten gilt, wenn man Botschaften aufs Smartphone seiner Kunden pusht: Dem Kreativfritzen – wie Fritze sich selbst nennt – zufolge sollten bei der Formulierung der Botschaft gelernte Bilder aus der Realwelt eingesetzt werden – im Fachjargon kontextuelles Wording. Der Benachrichtigungssound sollte sich von anderen bekannten Push-Tönen unterscheiden. Durch sinnvolle Animationen soll Spannung geschaffen, durch spielerische Elemente Engagement erzeugt werden. Klingt einfach, ist es vielleicht auch. Die viel größere Herausforderung für Beacon-Kampagnen dürfte nicht in der Kreation der Kampagnen liegen. Immer wieder fielen gestern auch Stichworte wie Aktivierung der Ortungsdienste, Anbieter-Fragmentierung und Datenschutz.

20140625_151520Wobei letzterer den Anbietern offenbar weniger Bauchschmerzen bereitet. Datenschutz sei bei anonymisiertem Datentracking laut Barcoo-CEO Benjamin Thym kein Problem. Gleichwohl müsse man dem Nutzer aber transparent kommunizieren – sowohl innerhalb der Anwendung als auch im App Store – welche Nutzerdaten wie verwendet werden, so Thym weiter. Nur so könne Vertrauen in die Technologie geschaffen werden. Noch schwieriger dürfte es sein, Nutzer zur Aktivierung der Ortungsdienste zu animieren. Vor allem im Hinblick auf die noch unbefriedigende Akku-Situation bei Smartphones ist dies eine Herausforderung, die wohl nur mit Mehrwerten und nützlichen Services gemeistert werden kann. In Sachen Beacon wird auch immer wieder die Anbietersituation kritisiert. Von vielen kleinen Insellösungen ist da oft die Rede. In der Tat haben viele Händler eigene Beacon-Apps gestartet, doch plattformübergreifende Lösungen gibt es auch. Barcoo und Sensorberg seien da genannt. Auch Gettings hat erste Pilotprojekte in verschiedenen Einkaufscentern gestartet. Im Wettlauf um die Plattform-Verbreitung könnten sich aber auch die Hersteller der mobilen Betriebssysteme selbst in Stellung bringen – und hätten einen klaren Vorteil, so Gregor Fellner von Millennial Media. Ob Beacon tatsächlich die Technologie ist, die am Ende des Tages den Passanten in den Laden lockt und darüberhinaus die Verkäufe ankurbelt, sei einmal dahingestellt. Fakt ist, dass die Technologie zu wertvoll ist, um sie als Spam-Technologie zu verheizen. Ohnehin sei Beacon vor allem eine Indoor-Technologie, während Geofencing sich für Outdoor besser eigne, so der Tenor.

„Wir dürfen iBeacon nicht als Spam-Technologie in die Welt bringen. Wir müssen verantwortungsvoll mit dieser tollen Technologie umgehen. Nachhaltigkeit steht an oberster Stelle“, fasst Florian Kirchberger die eigentlich größte Herausforderung der Branche zusammen.


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