2G-Wirrwarr geht weiter; Zahlen von Butlers, Home24 und Westwing; Kritik am Staatskredit für Galeria.

von Florian Treiß am 26.Januar 2022 in News

Liebe Leserinnen & Leser,

blicken Sie noch durch, wo die 2G-Regeln im deutschen Handel noch gelten und wo nicht? Mittlerweile sind sie in vier von sechszehn Bundesländern aufgehoben. Ungeimpfte können also, wenn in ihrem eigenen Bundesland nicht erlaubt, in die entsprechenden Bundesländer reisen, um dort einzukaufen – zum Beispiel die Hamburger nach Hannover, die Mainzer nach Saarbrücken oder die Frankfurter nach Stuttgart. Macht das alles noch Sinn? Ich glaube nicht – eine neue bundeseinheitliche Regelung muss her. Mehr zu aktuellen 2G-Gerichtsurteilen in unserem Newsletter – plus weitere Meldungen aus der bunten Welt des Handels.

Herzliche Grüße, Ihr Florian Treiß

2G in Baden-Württemberg gekippt, aber in Berlin bestätigt; Woolworth hebt eigenmächtig 2G auf

Baden-Württemberg ist nun bereits das vierte Bundesland, in dem ein Gericht die 2G-Regeln für den Einzelhandel außer Kraft gesetzt hat. Der dortige Verwaltungsgerichtshof (VGH) entschied nun, dass auch wieder Corona-Ungeimpfte in alle Läden dürfen, jedenfalls vorläufig und mit einem aktuellen negativen Corona-Test. Laut Gericht hätte das Land mittlerweile zur normalen Alarmstufe zurückkehren müssen – was gleichbedeutend ist mit Lockerungen bei den Corona-Beschränkungen. Die Regierung in Stuttgart aber hat Alarmstufe II mit Verweis auf die ansteigende Omikron-Welle eingefroren, was der VGH für rechtswidrig hielt. Der Handelsverband HDE fordert auch nach diesem Urteil wieder, die 2G-Regeln im Handel bundesweit aufzuheben.

Ganz anders dagegen ein neues Urteil aus Berlin: Dort hat das Verwaltungsgericht Berlin den Eilantrag einer Betreiberin von 48 Textilgeschäften zurückgewiesen, der sich nicht mal gegen die 2G-Regeln im Handel an sich gerichtet hatte, sondern „nur“ gegen die 2G-Kontrollpflicht durch Handelsunternehmen. Diese seien unzumutbar und nicht von einer Rechtsgrundlage gedeckt, so die Klägerin. Das Gericht hat den Eilantrag zurückgewiesen. Das Infektionsschutzgesetz ermächtige das Land Berlin, entsprechende Kontrollpflichten zu erlassen. Die Regelungen, mit denen auf die derzeit extrem hohen Infektionszahlen auch und insbesondere ungeimpfter Personen und das zunehmende Aufkommen der Virusvariante Omikron reagiert werde, seien verhältnismäßig.

Ein ganz schönes Wirrwarr also. Entsprechend hat die FDP-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern einen Antrag gestellt, der die dortige Landesregierung auffordert, die 2G-Regeln im Einzelhandel aufzuheben. Und in Hessen hat die Kaufhauskette Woolworth die 2G-Regelung für ihre Filialen eigenmächtig aufgehoben: „Wir verzichten seit dem Wochenende auf 2-G-Kontrollen in all unseren Kaufhäusern in Hessen“, bestätigte ein Sprecher gegenüber der „FAZ“. Das Unternehmen beruft sich dabei auf die Urteile aus Bayern, Niedersachsen und dem Saarland, wo Gerichte in den letzten Wochen die 2G-Regelungen im Handel einkassiert hatten. Das hessische Wirtschaftsministerium widerspricht und betont, der Verweis auf die Entscheidungen anderer Länder genüge nicht. Ob Woolworth wirklich ein „Grundversorger“ sei, müssten kommunale Ordnungsbehörden vor Ort entscheiden.

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Zahlen von Butlers, Home24 und Westwing; Kritik am Staatskredit für Galeria, Vytal-Mehrwegsystem mit neuen Anbindungen

Die beiden deutschen Rivalen im Online-Möbelhandel, Home 24 und Westwing, haben im vergangenen Jahr jeweils erstmals die Marke von 500 Millionen Euro Umsatz geknackt. Westwing konnte um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen und erzielte 522 Millionen Euro Umsatz. Home24 wuchs um 27 Prozent auf 615 Millionen Euro. Aus einer Präsentation von Home24 geht zudem hervor, dass der Deko-Filialist Butlers, der gerade von Home24 übernommen wird, im vergangenen Jahr 97 Millionen Euro Umsatz erzielte – kombiniert liegen beiden also bei 708 Millionen Euro. Zusammen mit der Neuakquisition Butlers will Home24 bereits im kommenden Jahr 2023 die Marke von 1 Milliarde Euro Umsatz knacken.

Der Corona-Rettungsfonds des Bundes (WSF) hat am Dienstag erwartungsgemäß ein neues Rettungspaket für Galeria abgesegnet. Dabei erhält der Warenhauskonzern unterm Strich nochmals 220 Millionen Euro Staatskredit, nachdem der WSF bereits Anfang 2021 einen Kredit über 460 Millionen Euro gewährt hatte. Das Vorgehen des WSF erntet unter Handelsexperten Kritik: „Der Staatskredit ist aus meiner Sicht ein Skandal“, sagt Martin Fassnacht, Handelsexperte von der WHU. Das Geld werde der Steuerzahler mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zurückbekommen, warnt er im „Handelsblatt“. Handelsforscher Gerrit Heinemann ergänzt: „Auch der zweite Staatskredit wird das Siechtum nicht beenden, sondern nur etwas verlängern.“

Mehrweg wird ab Januar 2023 zur Pflicht in der Gastronomie und soll den Verpackungswahnsinn u.a. für To-Go-Getränke und Liefer-Essen beenden. Ein Startup, das den Mehrweg-Markt schon seit einiger Zeit aufmischt, ist Vytal. Das Jungunternehmen aus Köln will mit einem neuen Branding, einer Werbekampagne sowie diversen Partnerschaften und Schnittstellen seine Bekanntheit und Verbreitung steigern. So ist Vytal mittlerweile an Lieferdienste wie Lieferando, Wolt, Gorillas, UberEats und mjam (in Österreich) angebunden und bietet Schnittstellen zu vielen Software Lösungen in der Gastronomie wie z.B. Simply Delivery, Ventopay, Kamasys, qnips oder dishtracker.

Getir gibt in Großbritannien Gas, das Auf und Ab von Peloton

Der Lebensmittel-Schnelllieferdienst Getir aus der Türkei expandiert nicht nur in Deutschland, sondern will vor allem in Großbritannien in diesem Jahr Vollgas geben. Das Unternehmen will innerhalb der nächsten zwölf Monate 6.000 neue Mitarbeiter*innen auf der Insel einstellen, wobei es sich dabei vor allem um Fahrradkuriere, Picker für die Dark Stores sowie Manager handelt. Getir startete mit nur fünf Dark Stores in London und ist heute bereits in rund 20 Städten und Gemeinden in Großbritannien tätig, darunter Manchester, Birmingham, Liverpool und Portsmouth. Die Zahl der Dark Stores ist bereits auf 115 Stück gestiegen, viele weitere sollen folgen.

Haben Sie sich schonmal den Börsenkurs von Peloton angeschaut? Der ist innerhalb eines Jahres um 80 Prozent eingebrochen. Dabei galt der Hersteller von interaktiven Fitnessgeräten einst als großer Gewinner der Corona-Krise und eine Erfolgsstory für das Modell Direct to Consumer. Der Quartalsumsatz überstieg in den letzten drei Monaten des Jahres 2020 erstmals eine Milliarde Dollar, die Menschen warteten wochen- und monatelang auf die Lieferung ihrer Ergometer und Laufbänder. Doch spulen wir bis 2022 vor, so befindet sich Peloton an einem ganz anderen Ort: Das Angebots-Nachfrage-Missverhältnis hat sich ins Gegenteil verkehrt – und Peloton muss die Produktion seiner Fitnessgeräte herunterfahren. Eine lesenswerte Analyse dazu gibt’s hier.

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