Alnatura startet eigenen Lieferservice, Fressnapf mit Übernahme, Amazon mit prominentem Abgang.

von Florian Treiß am 07.Juni 2022 in News

Liebe Leserinnen & Leser,

wie sehr ich mich an Kartenzahlung gewöhnt habe, musste ich am Wochenende schmerzlich beim Großeinkauf in einem Supermarkt von Hit bemerken. Dort hatte man auch zehn Tage nach Bekanntwerden der Panne mit den Kartenterminals von Verifone noch keine Ersatzgeräte aufgestellt oder ein Reparatur-Update bekommen. Zwar ging immerhin Lastschrift-Zahlung, doch da bei meiner Bank die Girocard neuerdings kostenpflichtig ist, hatte ich nur eine Visa-Karte als Option. Die funktionierte nicht – und der Geldautomat im Markt war außer Betrieb. Es half dann nur, zum nächsten Geldautomaten in 1,5 Kilometer Entfernung zu fahren. Tücken der Technik!

Nun viel Spaß mit unseren News aus dem Handel,
Ihr Florian Treiß

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Alnatura startet eigenen Lieferservice, Orsay schließt alle Läden, Fressnapf mit Übernahme und neuem Online-Marktplatz

Der Bio-Spezialist Alnatura startet heute seinen mit Spannung erwarteten Lebensmittel-Lieferservice. „Geliefert wird von unseren eigenen, fest angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die nach Eingang der Bestellung die Einkaufstüte direkt im Markt kommissioniert und gepackt haben“, sagt Projektleiter Philip Lange. Den Anfang machen heute die Pilotmärkte in Berlin-Lichterfelde (Hans-Sachs-Straße) und Prenzlauer Berg (Greifswalder Straße), Mitte Juni folgt der Alnatura Markt in Berlin-Mitte (Alte Jakobstraße), ab Ende Juni sollen drei Märkte in Frankfurt am Main hinzukommen. Ausgeliefert wird am nächsten Tag in zwei individuell wählbaren Zeitfenstern mit E-Fahrzeugen. Eine Abholung der Bestellung im Markt ist ebenfalls möglich. Partner ist der Schweizer Online-Lebensmittelhändler Farmy, der seinen „digitalen Werkzeugkasten“ bereitstellt.

Für Orsay gibt es in Deutschland keine Hoffnung mehr: Ende Juni werden hierzulande alle 197 Geschäfte der insolventen Modekette geschlossen. Dadurch verlieren etwa 1.200 Mitarbeiter*innen ihre Jobs. Noch im März hieß es, Orsay werde nur 79 Geschäfte in Deutschland schließen, doch dieser Plan war nicht haltbar. Orsay hatte schwer mit den Folgen der Corona-Krise zu kämpfen, erhielt vergangenen August 33 Millionen Euro Staatshilfe, musste dennoch im November eine Schutzschirminsolvenz starten. Orsay gehört zur französischen Mulliez-Gruppe, der auch Decathlon angehört. In anderen Ländern soll Orsay offenbar weiter aktiv bleiben.

Der Tierbedarf-Händler Fressnapf will auch künftig stationär wie online wachsen und unternimmt entsprechende Schritte: Allein im letzten Jahr wurden europaweit mehr als 120 neue Standorte eröffnet. Zum 1. August folgt nun die Übernahme der drei Geschäfte von Superpet in Hattersheim (2.400qm), Bischofsheim (1.850qm) und Mainz (1.300qm), die zuletzt auf einen Umsatz von 13,75 Millionen Euro kamen. Sie sollen auf das neue XXL-Konzept von Fressnapf umgestellt werden. Außerdem ist nun der neue Online-Marktplatz von Fressnapf online, mit dem sich das Unternehmen vom Ver- zum Umsorger wandeln und das Fressnapf-Ökosystem weiter ausbauen will, wie die Internetworld berichtet.

Amazon mit prominentem Abgang, Etsy führt Käuferschutz ein, Hessnatur erwägt kostenpflichtige Retouren

Bei Amazon dreht sich das Personalkarussell im Top-Management weiter: Dave Clark, der zuletzt das gesamte Verbrauchergeschäft des Konzerns leitete und damit für Onlinehandel, die physischen Läden, den Marktplatz und Amazon Prime verantwortlich zeichnete, verlässt das Unternehmen, offiziell um „eine neue Reise zu beginnen“. Clark war seit 23 Jahren im Unternehmen, hatte die Logistik aufgebaut und dann vergangenes Jahr die Verantwortung fürs Verbrauchergeschäft von Jeff Wilke übernommen. Der Abgang ist ein ziemlicher Paukenschlag. Zuletzt war das Handelsgeschäft von Amazon unter Druck geraten und fuhr im 1. Quartal 2022 Verluste ein. Womöglich waren die massiven Investitionen in die Logistik doch etwas übertrieben.

Der Marktplatz für Selbstgemachtes Etsy führt einen Einkaufsschutz ein, der Käufer*innen mehr Sicherheit bieten soll, wenn mal etwas schief läuft bei einer Bestellung. Für Einkäufe, die nie ankommen, beschädigt sind oder nicht der Artikelbeschreibung entsprechen, erhalten Käufer*innen von Etsy eine volle Rückerstattung. „Wir glauben, dass du grundsätzlich das erhalten solltest, was du bestellt hast – oder eine Erstattung verdienst“, wie Etsy in einer Mail an seine Kund*innen begründet. Der Einkaufsschutz wird zum 1. August eingeführt. Sowohl für Käufer*innen aus auch für Verkäufer*innen soll der Einkaufsschutz kostenlos sein. Auch Amazon und Paypal bieten schon länger einen ähnlichen Käuferschutz an.

In den letzten Wochen hatten bereits Uniqlo aus Japan und Zara aus Spanien für Aufmerksamkeit damit gesorgt, dass sie kostenpflichtige Retouren einführen. Diesen Schritt erwägt nun auch der deutsche Ökomode-Marktführer Hessnatur. Das Unternehmen würde laut „FAZ“ die Abkehr von Gratis-Retouren „insbesondere auch aus Nachhaltigkeitskriterien sehr begrüßen“ und prüft diese Option derzeit. Schließlich gelten die Käufer hierzulande als besonders rücksendefreudig und Retouren wegen des Schadstoffausstoßes von Lieferfahrzeugen als belastend für die Umwelt. Allerdings woll Hessnatur das Thema mit Augenmaß beleuchten, schließlich würden Verbraucher*innen durch die Inflation derzeit schon stark belastet.

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Beiersdorf statt Delivery Hero im Dax, Walmart mit Logistik-Update & Logistik-Podcast mit Peter Wippermann

Old Economy ersetzt New Economy: Im deutschen Börsenleitindex Dax wird künftig wieder der Nivea-Hersteller Beiersdorf vertreten sein. Dafür fliegt der Lieferkonzern Delivery Hero aus dem Index mit den 40 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland heraus. Der Börsenkurs von Delivery Hero war zuletzt drastisch eingebrochen und liegt trotz einer Erholungsphase seit Mai mit aktuell knapp 37 Euro noch weit unter seinem Höchstkurs von rund 144 Euro aus dem vergangenen Jahr. Florian Kolf vom „Handelsblatt“ kommentiert, dass der Abstieg von Delivery Hero aus dem Dax eher ein Segen als ein Fluch sei. Denn die Startup-typischen Experimente der Firma und die hohen Verluste seien in Dax-Kreisen nicht gut angekommen, aber so sei eben einst auch Amazon gestartet.

Der US-Handelsriese Walmart plant, in den nächsten drei Jahren vier neue Hightech-Fulfillment-Zentren zu bauen, die hoch-automatisiert arbeiten sollen, maschinelles Lernen und Robotik umfassen und gleichzeitig mehr als 4.000 neue Mitarbeiter*innen beschäftigen sollen. Allein durch die vier neuen Fulfillment-Zentren will Walmart 75 Prozent der US-Bevölkerung die Lieferung von Onlinebestellungen am nächsten oder übernächsten Tag anbieten. Zugleich sollen aber auch alle Filialen von Walmart zu „shoppable Fulfillment-Zentren“ werden, also Logistikzentren, in denen man zugleich auch einkaufen kann, so Walmart-Topmanager Tom Ward in einem Interview. Damit will Walmart dem Rivalen Amazon noch stärker Paroli bieten.

In der neuen Folge von „Lieferzeit. Der Logistik-Podcast“ trifft Moderator David Siems anlässlich des 50. Geburtstags von Hermes auf den Trend- und Zukunftsforscher Prof. Peter Wippermann. Der 72-Jährige gründete 1992 das Trendbüro und gehört seitdem zu den bekanntesten Experten auf dem Gebiet der Gesellschaftsanalysen und Trendforschung. Im Podcast geht es um die Zukunft der Paketzustellung, neue digitale Arbeitswelten, Zustellroboter, die großen Herausforderungen der Logistik und die Frage, wie boomender E-Commerce und Logistik zukünftig gemeinsam und harmonisch organisiert werden können. Hier anhören.

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