Amazon Fire Phone: Wir wollen nur Deine Seele.

von Maik Klotz am 19.Juni 2014 in Trends & Analysen

Amazon FPDass Amazon gestern ein Smartphone vorstellen würde, war im Vorfeld schon bekannt. Auch die Hardware-Spezifikationen kamen wenig überraschend. Die Katze ist aus dem Sack und Amazon veröffentlicht das Amazon Fire Phone. Ansehnliches Design trifft solide Hardware mit interessanten Funktionen. Das Amazon Fire Phone kommt mit einem 4,7 Zoll Display bei einer Auflösung von 1280 x 720 Pixeln. Geschütz ist das Amazon Fire Phone mit Gorilla Glass auf Vorder- und Rückseite. Im Inneren arbeitet ein 2,2 GHz starker Qualcomm-Snapdragon-Quad-Core-Prozessor. Fotos werden mit der 13 Megapixel starken Kamera geschossen. Die herausragende Funktion heißt „Dynamic Perspective“. Mit Hilfe von vier Infrarot-Kameras wird die Lage und Blickwinkel des Kopfes gemessen. Das ermöglicht neue Anwendungsgebiete. Beim Lesen von Texten muss nicht mehr mit der Hand gescrollt werden. Das Amazon Fire Phone lässt sich mit Dynamic Perspective weitestgehend nur durch das Neigen des Geräts oder durch eine Kopfbewegung steuern. Auch lassen sich Spiele und Apps mit einer Tiefenwirkung versehen. Darüber hinaus kommt das Amazon Fire Phone mit dem Feature „Firefly“. Firefly erkennt mit Hilfe der Kamera und den integrierten Sensoren fast alles, egal ob Produkte, Sehenswürdigkeiten, Musik, Filme, Bücher oder Serien. Ganz nebenbei können dann passende Produkte bei Amazon bestellt werden. Die Auswirkungen auf den Einzelhandel könnten enorm sein.

Mit einem Preis von nur 199 EUR inkl. einem Jahr Amazon-Prime-Mitgliedschaft kann man das Amazon Fire Phone ab Juli mit einem AT&T-Vertrag bekommen. Im Vertrag für 27 Dollar monatlich ist so wohl Daten- als auch Telefon-Flatrate integriert. Ein Rundum-Sorglos-Paket.

Amazon Fire Phone: nur Mittel zum Zweck

Für Amazon ist der Einstieg in den Smartphone-Markt ein Selbstzweck. „Wir wollen Geld verdienen, wenn die Leute unsere Geräte nutzen, nicht wenn sie unsere Geräte kaufen“ so Amazon-Chef Jeff Bezos. Das Amazon Fire Phone ist Mittel zum Zweck und die perfekte Verknüpfung zum Amazon-Ökosystem. Eine Standleitung zum Amazon-Webshop. Amazon möchte, dass die Kunden immer und zu jedem Zeitpunkt im Amazon eigenen Ökosystem einkaufen. Für ein solches Ökosystem reicht es nicht aus, eine App oder mobile Webseite zu haben. Je enger die Vernetzung mit dem Anwender, desto besser ist das fürs Geschäft. Was mit E-Books und dem Kindle seit vielen Jahren gut funktioniert, weitet Amazon auf alle Lebensbereiche aus. Für den Kauf von Lebensmitteln bietet Amazon in den USA den „Amazon Dash“, für Filme hat Amazon die Settop-Box „Fire TV“ und Amazon Prime Instant Video‎. Musikstreaming bietet Amazon ebenfalls an und E-Books werden mit dem Amazon Kindle gelesen. In Zukunft will Amazon auch Dienstleistungen anbieten. Babysitter kommen dann vielleicht von Amazon und bieten gleich an, Windeln mitbringen. Das Amazon Fire Phone ist nur die konsequente Umsetzung dieser Strategie und zeigt letztendlich worum es geht: egal wo und wann, Amazon ist der einzige Shop den man braucht. Das Amazon Fire Phone mit der Funktion „Firefly“ soll das Einkaufen noch einfacher machen und die Hürde etwas zu kaufen, so niedrig wie möglich machen.

Das Amazon Fire Phone ist kein Garant für Erfolg

Amazon Fire PhoneDas ist zumindest das Wunschdenken von Amazon-Chef Jeff Bezos. So unheimlich sich die Entwicklung auch anhören mag, so schwierig dürfte es aber auch für Amazon werden, nennenswerte Anteile im Smartphone-Markt zu bekommen. Amazon ist heute keine Marke mit der sich Anwender identifizieren. Amazon ist ein Synonym für einen Online-Shop. Amazon steht nicht wie Apple für Lifestyle oder wie Google für Coolness. Amazon ist ein Warenhaus. Ein Einkaufsladen. Zweifelsohne ein Laden, wo man einfach, schnell und oft auch günstig einkaufen kann. Aber eben keine Marke, mit der sich der Anwender identifiziert. Auch betritt Amazon einen stark verteilten Markt. Zwischen Google und Apple ist wenig Platz für einen neuen Anbieter. Auch fehlt es Amazon an wichtigen Services. Das Thema Konnektivität, was Google und auch Apple stark in den Vordergrund stellen, fehlt Amazon in einigen Teilen. Wenn Jeff Bezos der Meinung ist, dass sich der Smartphone-Markt in den nächsten Jahren stark verändern wird und es neue Anbieter geben wird, die diesen Markt bestimmen, kann das sein, muss aber nicht. Schaut man sich den Tablet-Markt an, wo Amazon mit dem Kindle Fire HD ebenfalls seit Jahren aktiv ist, sieht es nicht so rosig aus. Aktuell liegt dort der Marktanteil bei nur noch 1,9 Prozent.

Ähnlich sieht das auch James McQuivey, Analyst der Marktforschungsinstitut Forrest Research. Er sagt, dass der Handel der Grund ist, warum Amazon sich in den schwierigen Smartphone-Markt traut. Mit dem Amazon Fire Phone möchte Amazon einen ähnlichen Weg einschlagen wie damals mit dem Kindle-Tablet und Geräte zu einem günstigen Preisen verkaufen um hintenheraus an den Diensten wie E-Books, Filme oder Musik zu verdienen. „Das Kindle-Fire-Tablet hat es nie zu einem bedeutsamen Marktanteil geschafft, aber die Leute, die es besitzen, hat es stärker an Amazon gebunden“, so James McQuivey.

Fazit

Kundenbindung kann Amazon wie kaum ein anderer und es zeigt, wie wichtig Amazon das Smartphone für ein positives Einkaufserlebnis bewertet. Für den Einzelhandel sind die Pläne und Entwicklungen von Amazon so oder so besorgniserregend. Aber es birgt auch die Chance, zu lernen und zu überlegen, wie Kunden besser gebunden werden können und das Einkaufserlebnis angenehmer gestaltet werden kann.


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