Amazon schränkt Versandkostenfreiheit ein – lokale Händler könnten profitieren.

von Florian Treiß am 14.August 2014 in News

shutterstock_197269523Des einen Leid ist des anderen Freud: Amazon hat in Deutschland ohne große Vorankündigung die Schwelle für versandkostenfreie Lieferungen von 20 auf 29 Euro angehoben. Dies ist die erste Erhöhung der Lieferfreigrenze seit über 12 Jahren, so das Unternehmen. Während mancher Kunde des Onlinehändlers fluchen dürfte, könnte der stationäre Handel davon profitieren: Denn dadurch wird dessen Wettbewerbsfähigkeit im unteren Preissegment gegenüber Amazon erhöht, so der Handelsexperte Kai Hudetz vom Kölner Forschungsinstitut ECC. Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät Nutzern zu verstärkten Preisvergleichen – sowohl im Internet, aber auch in  Ladengeschäften könnten sich günstigere Angebote finden. Ob die Erhöhung der Schwelle für versandkostenfreie Lieferungen all zu große Effekte auf den Handel haben wird, bezweifeln Experten allerdings: „Die Kunden werden sich nicht umorientieren. Sie haben nun nur einen Anreiz mehr, Prime-Kunde zu werden und dann hat Amazon sie im Sack“, sagt etwa Gerrit Heinemann, der Leiter des eWeb Research Centers der Hochschule Niederrhein. Das Programm Amazon Prime ermöglicht einen dauerhaft „kostenlosen“ Versand für Kunden, die einen Jahresbeitrag von 49 Euro zahlen, dafür zugleich aber auch kostenlose Online-Videostreams erhalten. „Prime ist ein spannendes Geschäftsmodell für Amazon. Denn es stärkt die Kundenbindung deutlich“, pflichtet auch Hudetz bei.

Unterdessen hat Amazon in den USA einen mobilen Kreditkartenleser eingeführt, um lokale Händler zu umarmen. Der mit iOS-Geräten kompatible Aufsatz liest EC- und Kredikarten und ist in den USA ab sofort für 10 Dollar erhältlich. Amazon bleibt seinem Motto, das da lautet “Wir wollen Geld verdienen, wenn die Leute unsere Geräte nutzen, nicht wenn sie unsere Geräte kaufen”, also treu. Mit dem Kartenlesegerät kann nahezu jeder Gewerbetreibende über sein iPhone oder iPad Kartenzahlungen annehmen. Voraussetzung dafür ist die Registrierung, der Download der entsprechenden App und das Gerät selbst. Pro Transaktion wird eine Gebühr in Höhe von 1,75 Prozent des Umsatzes fällig – deutlich weniger als die US-Konkurrenz. Ob und wann Amazon Local Register in Europa startet ist noch nicht bekannt. Hierzulande müsste Amazon wohl aber an der Preisschraube drehen, denn payleven, iZettle und SumUp haben ihre Gebühren erst auf unter 1 Prozent gesenkt. (Foto: shutterstock.com)
focus.de (Versandkosten), mobilbranche.de (Kreditkartenleser)

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