Bonpflicht als Lotteriespaß.

von Deike Lautenschläger am 13.Februar 2020 in News, Trends & Analysen

Schon seit Wochen wird über die Bonpflicht in Deutschland diskutiert. In anderen Ländern gibt es die schon seit Jahren. Unsere Autorin Deike Lautenschläger verrät eine kreative Umsetzung der Bonpflicht in Taiwan. In ihrem Buch „Fettnäpfchenführer Taiwan“ beschreibt sie, wie unkompliziert die Taiwanesen mit der Bonpflicht umgehen und dabei auch noch Spaß haben. Eine Leseprobe.

Wie man unwissentlich Geld in den Müll wirft

An der Bushaltestelle vor der Tür findet Sophie auch einen Abfalleimer und entsorgt den Kassenbon. »Nein! Bèn dàn!«, ruft Mei-yin und springt heran. Doch der Bon ist schon zwischen alten Flaschen und Papier verschwunden. Dann wird sie rot. Dass sie ihre Freundin dummes Ei genannt hat, ist ihr ziemlich peinlich. »Du kannst doch nicht den Kassenbon wegwerfen!«, fügt sie mit einem Kichern hinzu, das die unangenehme Situation überspielen soll.

»Wieso? Ich habe doch bestimmt keine Garantie auf den Stempel. Aha, ich habe bestimmt falsch recycelt. Oder ist das gar wieder ein Opfereimer, in den ich meinen Abfall geworfen habe? Der sah aber gar nicht so aus«, stammelt Sophie erschrocken.

Was ist diesmal schiefgelaufen?

Schon richtig, das war diesmal ein Abfalleimer. Und auch der Stempel hat weder Garantie noch hat Sophie die Recyclingregeln gebrochen. Aber mit dem Kassenbon wirft Sophie sozusagen Geld in den Müll. Und das auch nicht, weil sie etwa den Stempel von der Steuer absetzen kann, sondern weil der Kassenbon, der sogenannte fāpiào, mit der oben aufgedruckten Kassenbonnummer ihr Ticket für die Kassenbonlotterie in Taiwan ist. Im schlechtesten Fall hat sie gerade mir nichts, dir nichts zehn Millionen Taiwan-Dollar weggeworfen.

Geht es in Taiwan um den schnöden Mammon, dann schützen Sie den Rand Ihres Namensstempels und heben Sie alle Ihre Kassenbons auf, die Sie bei jedem noch so kleinen Einkauf bekommen. Die Kassiererinnen werden Sie sowieso dazu anhalten, diese mitzunehmen. Jeder einzelne ist ein Lotterieticket mit einer achtstelligen Losnummer oben auf dem Bon gedruckt. Am 25. jedes zweiten Monats werden auf der Website des Finanzministeriums die Zahlen der Kassenbon-Lotterie bekannt gegeben. Man beginnt mit dem Vergleichen der Zahlen von hinten. Stimmen die letzten drei Zahlen überein, hat man 200 Taiwan-Dollar, etwa 5 Euro, gewonnen, stimmen die letzten vier Zahlen überein, sind es 1.000 Taiwan-Dollar, also etwa 25 Euro, und so weiter. Neuerdings gibt es dazu sogar eine App für Smartphones, die den Code Ihrer Kassenbons einscannt und dann automatisch für Sie auf Gewinnlose überprüft.

Mit der Kassenbonlotterie erreicht die Regierung, dass die Bürger beim Einkauf nach dem Kassenbon fragen und damit die Geschäftsleute alle Verkäufe versteuern. In vielen Geschäften kann man nach dem Einkauf gleich seine Kassenbons an wohltätige Organisationen spenden, indem man sie in eine Kiste neben der Kasse wirft.

Pro Monat können es bei einem Normalverbraucher schon mal 200 bis 400 Taiwan-Dollar sein, oft ist es auch gar nichts. Aber die Möglichkeit zu gewinnen zählt! Der Nervenkitzel! Die Spannung! Das lieben die Taiwaner.

Über die Autorin:

Deike Lautenschläger ging Anfang 2005 nach Taiwan mit der Absicht, für ein Jahr Chinesisch zu lernen, blieb dann aber für ein Masterstudium der Internationalen Kommunikation mit Schwerpunkt Asien an der National Chengchi University. Nach mehr als 16 Jahren in Asien, u. a. als Praktikantin in Singapur und Hongkong und als Deutschlehrkraft am Goethe-Institut in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, ist Taiwan ihre Wahlheimat geworden. Jetzt lebt sie als freie Autorin und Deutschlehrerin in Taipeh und hat dort das Buch „Fettnäpfchenführer Taiwan“ geschrieben.

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