Chinesische Wirtschaft trotz Corona wieder im positiven Bereich.

von Gastautor am 28.Oktober 2020 in News, Trends & Analysen

Einkaufsstraße in der chinesischen Metropole Wuhan (Bild: Keitma / Shutterstock.com)

Von Helmut Merkel

Die zweite Welle der Corona-Pandemie überflutet Deutschland und der ifo Geschäftsklimaindex sinkt wieder. Die chinesische Wirtschaft hatte sich bereits in der ersten Jahreshälfte wieder erholt. Vor rund einer Woche hat das statistische Büro der Volksrepublik China die neuen volkswirtschaftlichen Daten veröffentlicht.

Zunächst die Überraschung: Das verfügbare Einkommen pro Kopf der Bevölkerung ist in den ersten drei Monaten um 3,9% im Vergleich zur gleichen Periode des Vorjahres gestiegen. Inflationsbereinigt immerhin noch um 1,6%. Dabei sind die untersten Einkommensgruppen am stärksten gewachsen.

Den stärksten Anstieg in Höhe von 5,5% verzeichnete das Segment Lebensmittel, Tabak und Getränke, das 30.5% des verfügbaren Einkommens pro Kopf der Bevölkerung ausmacht (4.506 Yuan entspricht ca. 572 Euro, bei ca. 1,4 Mrd. Menschen ein Gesamtvolumen von ca. 800 Mrd. Euro).

Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung Private Konsumausgaben und Verfügbares Einkommen, Hrsg.: Statistischen Bundesamt 2020, S.15 http://www.stats.gov.cn/english/PressRelease/202010/t20201020_1794986.html

Leider ist der Vergleich mit Deutschland nur bedingt möglich, da die Kategorien für die Ausgaben sich nicht exakt entsprechen. So ist die Kategorie „Sonstiges“ beim Statistischen Bundesamt sehr hoch – und Ausgaben für Gesundheit sind der aktuellen Tabelle des Statistischen Bundesamtes nicht enthalten. Allerdings ist bekannt, dass die Ausgaben insgesamt um -0,1% im 1. Quartal und um -10,9% im zweiten Quartal 2020 zurückgegangen sind. Die Ausgaben für Nahrungsmittel stiegen im 1. Quartal 2020 um 7,9%, im 2. Quartal um 6,5%, für Wohnung und Einrichtung gaben die Deutschen leicht mehr aus, alle anderen Kategorien sind geschrumpft – Bekleidung um -11% im 1. Quartal und um -23% im 2. Quartal 2020.

Chinesischer Einzelhandel im September 2020

Gesamte Einzelhandelsumsätze (ohne e-Commerce) und inkl. Automobile: 3.529 Mrd. Yuan (447,24 Mrd. Euro nach aktuellem Wechselkurs), 3.143 Bn Yuan (398,32 Mrd Euro) ohne Automobile. Der Wert von 3.529 Mrd. Yuan (447,24 Mrd Euro) liegt 3,3% höher als der vergleichbare Vorjahreswert und preisbereinigt bei 2,4% höher im Vergleich zum Vorjahr.

Januar bis September 2020

Gesamte Einzelhandelsumsätze (ohne e-Commerce) und inkl. Automobile: 27.332,4 Mrd. Yuan (3.463,86 Mrd. Euro), 24.658,8 Mrd. Yuan (3.125,03 Mrd. Euro) ohne Automobile. Der Wert von 27.332,4 Mrd. Yuan (3.463,86 Mrd. Euro) liegt -7,2% niedriger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Der Online-Handel (e-Commerce) ist im gleichen Zeitraum um 9,7% im Vergleich zum Vorjahr auf 8.006,5 Mrd. Yuan (1.014,55 Mrd. Euro) gewachsen.

Dabei wuchsen Gebrauchsgüter inkl.  Elektronikprodukten im Onlinehandel um 15,3%, Verbrauchsgüter wie Lebensmittel, Getränke, Medizinprodukte, Kosmetika usw. um 35,7% und auch die Kategorie Bekleidung/Schuhe wuchs Online mit 3,3%.

Entwicklung nach Handelsformaten

Kumuliert von Januar bis September 2020 legten Supermärkte insgesamt um 2,9% im Vergleich zum Vorjahr zu, während Formate wie Warenhäuser (-16,9), Fachmärkte (-9,2%) und Markengeschäfte (-6,8%) im Vergleich zum Vorjahr weiter verloren haben.

Gesamtwirtschaft

Das Bruttosozialprodukt (BSP) lag im dritten Quartal bei 4,9% im Vergleich zum Vorjahr und kumuliert für drei Quartale jetzt bei +0,7% im Vergleich zum Vorjahr.

Damit liegt die chinesische Volkswirtschaft nach Corona als einzige Volkswirtschaft der Welt kumuliert nach drei Quartalen wieder im positiven Bereich.

Quelle: http://www.stats.gov.cn/english/PressRelease/202010/t20201020_1794975.html

Über den Autor:

Helmut Merkel ist ehemaliger Karstadt-Chef und lebt seit über zehn Jahren in Hongkong. Zusammen mit seinem Sohn hat er dort die Eurasia Global gegründet, eine Plattform zur Abwicklung von Einkäufen, Transporten und weiteren Services für Handelsunternehmen in Asien und Europa. Für Location Insider hatte Merkel bereits vor wenigen Wochen seine Eindrücke vom Umgang der Chinesen mit dem Corona-Virus geschildert und unseren Fragebogen „Handel im Wandel“ ausgefüllt. Der Handelsexperte war außerdem von 1993-97 Chef bei Deichmann und 2004 – 2009 Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft für die Mittel- und Großbetriebe des Deutschen Einzelhandels (BAG), Vizepräsident des HDE sowie Präsident der International Group of Department Stores (IGDS) mit Sitz in Zürich in den Jahren 2007 – 2009.


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