Der Handel und das Coronavirus (Teil 1).

von Stephan Lamprecht am 16.März 2020 in News, Trends & Analysen

Kann E-Food von der aktuelle Nachfrage dauerhaft profitieren?

Es geht uns nicht anders als Ihnen: Die Berichterstattung über das Coronavirus und die in den Bundesländern ergriffenen Maßnahmen zu Eindämmung der Epidemie bestimmen auch unseren Alltag. Wie reagieren Händler auf die Situation? Welche Initiativen gibt es?

Gegenüber vielen anderen Arbeitnehmern hat es unsere Redaktion etwas einfacher, zu Hause zu bleiben und in selbstgewählter Isolation zu leben. Viele andere können dies nicht. Nicht nur den Ärzten und dem Pflegepersonal, den Feuerwehrleuten und Polizisten, der Müllabfuhr und den Mitarbeitern der Bahn gehört unser Dank. Auch an die Menschen, die im Handel arbeiten, sollten wir denken. Denn dort wird gerade viel geleistet.

Für ein kleineres Medium wie unseres ist der Umgang mit dieser Krise auch eine Herausforderung. Es wäre ohne weiteres möglich, den gesamten Newsletter mit Meldungen rund um COVID-19 zu füllen. Die Frage ist dabei, ob Sie das überhaupt lesen wollen, oder ob es wir uns nicht besser, auf die wenigen Themen fokussieren, die in der Handelswelt daneben noch eine Rolle spielen. Geben Sie uns gern Feedback, welche Themen Sie in diesen Ausnahmezeiten interessieren – gern einfach kurz per Mail an post@locationinsider.de.

Welchen inzwischen unsäglichen Einfluss soziale Medien auf den Alltag der Menschen nehmen, zeigen die Reaktionen einiger Unternehmen am Wochenende. Nachdem auf Twitter, Facebook und anderswo Kunden Bilder von leeren Regalen in den Supermärkten veröffentlicht haben, macht sich offenbar langsam Panik breit. Angeheizt durch Beiträge, die von einer baldigen Schließung von Lebensmittelgeschäften sprachen. So sahen sich gleich mehrere Ketten dazu veranlasst, darauf hinzuweisen, dass es keinen Versorgungsengpass gibt. Ohne Zweifel stellt die erhöhte Nachfrage eine Belastungsprobe dar. Wenn also jeder weiterhin die üblichen Mengen kaufen würde, gäbe es in den Ballungszentren auch keine leeren Regale zu fotografieren. Die vielen anderen Beiträge, auch aus unserem Umfeld, die von keiner Warenknappheit berichten konnten, bleiben im Netz eher ungehört. Da Appelle an die Vernunft aber unerhört bleiben, gehen inzwischen einige Ketten dazu über, die Abgabe von besonders nachgefragten Warengruppen auf Höchstmengen zu beschränken.

Rossmann gibt nur noch drei Händedesinfektionsmittel pro Kunde ab – trotzdem sind die Fächer leer

Am wenigsten gefährlich wäre es ja, wenn man gar nicht rausginge. So verzeichnen die E-Food-Anbieter eine verstärkte Nachfrage. Die sie aber nicht in erhofften Umfang bedienen können. Lieferfenster werden knapp und bei Amazon Fresh gibt es auch nach unserer Erfahrung verstärkt Höchstabgabemengen. E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann hat allerdings seine Zweifel, ob die jetzige Situation E-Food tatsächlich zum dauerhaften Durchbruch verhilft.

Der Schutz der Mitarbeiter vor Ansteckung, aber auch die Angst der Verbraucher, sich anzustecken, verändert die Verkaufssituationen. Der Body Shop informierte die Kunden per E-Mail, „bis auf weiteres auf Make up-Demonstrationen zu verzichten und direkten Hautkontakt zwischen Kundenberatern und Kunden zu minimieren“. Außerdem werden Test-Produkte aus den Regalen entfernt und keine unversiegelten Produktproben mehr ausgeben.

In den USA wird Starbucks für mindestens zwei Wochen in seinen Filialen nur noch Produkte zum Mitnehmen anbieten.

Nicht nur in Deutschland bieten Lieferdienste wie Lieferando jetzt die „kontaktlose Belieferung“ an. Bezahlt der Kunde bargeldlos vorab, stellen die Mitarbeiter das Essen vor die Tür und warten, bis der Kunde die Bestellung hineingetragen hat.

Fahrradhändler Rose Bikes hat der Presse einen Einblick in die firmeninternen Maßnahmen gewährt, die dazu beitragen sollen, die Mitarbeiter zu schützen und die Ausbreitung des Virus zu verringern. Dort werden Termine verpflichtend digital absolviert und wo möglich Homeoffice vereinbart. Logistik und Produktion werden auf ein Mehrschichtsystem umgestellt und die Reinigungsintervalle werden erhöht. Mitarbeiter in den Stores wurden sensibilisiert, ausreichend Mindestabstand zu den Kunden zu halten und auch die Hygienevorschriften wurden der Situation angepasst.

Auf den ersten Blick scheint jetzt alles dafür zu sprechen, dass der Online-Handel von der aktuellen Situation profitieren kann. Das ist aber nicht der Fall, denn die Händler spüren einerseits ebenfalls bereits eine Kaufzurückhaltung, und machen sich Sorgen wegen ihrer Lieferketten.

Andererseits: wenn sich die aktuelle Lage weiter verschärft und Ausgangssperren drohen, könnte der Online-Handel profitieren.


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