Der richtige Mix macht’s: Eigenentwicklungen und Microservices als Alternative zu Shopsystemen.

von Florian Treiß am 25.April 2019 in News, Shoptech, Trends & Analysen

Die Analyse der 1.000 größten Onlineshops „E-Commerce-Markt Deutschland 2018“ von EHI und Statista zeigt es eindeutig: Gerade besonders erfolgreiche Händler setzen auf eigene Tech-Teams, um ihre digitalen Angebote zu bauen. Während unter den Top 1000 der Händler der Anteil der Unternehmen, die Standard-Shopsysteme nutzen, noch bei 55 Prozent liegt, sind es bei den Top 100 nur 39 Prozent und bei den Top 10 sogar nur ein einziges Unternehmen. In dieser Leseprobe aus unserem neuen Shoptech-Leitfaden zeigen wir, wieso eigenständige Lösungen immer mehr zum Erfolgsfaktor im E-Commerce werden.

Warum ist das so? Schauen wir kurz auf die Geschichte des E-Commerce zurück: Dieser war lange vom Desktop-Internet geprägt und viele Onlinehändler vertrauten auf Standard-Shopsysteme. Diese waren je nach Ansatz eher ERP-fokussiert (z.B. Hybris oder Websphere) oder Onlineshop-fokussiert (z.B. Magento). Doch heute ist der E-Commerce deutlich vielseitiger. Gerade in einer Welt, in der Kunden immer mehr unterschiedliche Touchpoints und Frontends fürs Shopping nutzen (z.B. Smartphones, Tablets oder auch Voice Interfaces), ist es für Unternehmen immens wichtig, den Bedarf ihrer Kunden besser, individueller und flotter zu bedienen. Sonst kann der Umsatz schnell einbrechen. Das haben erfolgreiche Top-Player aus Deutschland wie Zalando, Home24, Thalia, Breuninger oder Musikhaus Thomann längst erkannt und verzichten lieber auf große „Monolithen“ wie Magento, IBM Websphere oder SAP Hybris.

Individuellere Lösungen durch Eigenentwicklung und Microservices

An dieser Stelle kommen Eigenentwicklungen und Microservices ins Spiel. Mit ihnen können Händler und Marken deutlich individueller und schneller auf Kundenbedürfnisse eingehen und ihre eigenen Lösungen „bauen“. Auch wenn das womöglich den einen oder anderen Händler erstmal abschreckt, weil es ja grundsätzlich schon diverse fertige Shopsysteme am Markt gibt: Die fertigen Systeme sind oftmals sehr träge und lassen sich nur relativ kompliziert an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Zudem enthalten sie oftmals viele Funktionen, die das jeweilige Unternehmen gar nicht benötigt, und sind ziemlich fehleranfällig. Letztlich ist es beim Vergleich von fertigen Shopsystemen mit Eigenentwicklungen und Microservices ähnlich wie bei der Gegenüberstellung von integrierten Softwaren-Paketen auf dem Desktop-PC mit Apps auf dem Smartphone: Die integrierten Software-Pakete bieten schier unendliche Möglichkeiten und man kauft diese bei der Anschaffung des Pakets sozusagen auf Vorrat. Dem gegenüber stehen die kleinen Smartphone-Apps, die man flexibel und je nach Bedarf auf sein Mobiltelefon herunterladen kann.

Sowohl der Grenznutzen als auch die Änderungskosten steigen bei Standard-Shopsystemen schnell überproportional an, da sie enorm komplex sind und enorme Quer-Abhängigkeiten haben. Um sich hiervon unabhängig zu machen und sich stärker von Wettbewerbern abzuheben, bietet es sich gerade für größere Händler und Marken an, ein eigenes Shopsystem zu entwickeln.

IT als Kernkompetenz für erfolgreiche Händler

Nicht zu unterschätzen in der Bewertung zwischen Verwendung einer Standardsoftware gegenüber einem eigenen System: Der Bereich IT sollte und muss zur Kernkompetenz von Handelsunternehmen werden. Denn gerade große Player wie Amazon sind u.a. deswegen so erfolgreich, weil sie ihre eigenen Lösungen direkt für die eigenen Kunden entwickeln und nicht auf Ware von der Stange zurückgreifen. Das hat u.a. auch Otto schon vor Jahren erkannt, Deutschlands Nr. 2 im E-Commerce hinter Amazon, und innerhalb von nicht einmal zwei Jahren zwischen 2011 und 2013 seinen Shop auf eine Eigenentwicklung umgestellt. „Eine eigene Softwareentwicklung sehen wir als wichtiges Werkzeug bei der Differenzierung im E-Commerce, für eine agile Innovationsfähigkeit und die Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells“, hieß es damals aus dem Otto-Management. Auch beim 2014 gestarteten About You, das damals noch komplett zur Otto-Gruppe gehörte, setzte man gleich von Beginn an nicht auf Standardsoftware, sondern auf eine Eigenentwicklung, weil der Aufbau einer Mode-Plattform und die sehr individuelle Kundenansprache zur Gründungsidee von About You gehörten. Mittlerweile bietet About You sein Shopsystem auch anderen Unternehmen als API-Lösung an. Auch Zalando, zunächst mit Magento gestartet, hat sein System später Stück für Stück in eine eigene Lösung migriert und gilt heute als wichtiges Beispiel für den Erfolg von Eigenentwicklungen im E-Commerce.

Microservices sorgen für schnellere Time to Market

Eine Microservice-Architektur bedeutet die Aufteilung eines Onlineshops in mehrere kleine Bausteine

Doch selbst entwickeln muss nicht heißen, komplett bei Null anzufangen: Klar sind komplette Eigenentwicklungen an mancher Stelle sinnvoll, um bestimmte USPs herauszuarbeiten. Doch zugleich bietet sich bei der Konzeption eines eigenen Shopsystems auch der Einsatz von Microservices an, wie sie z.B. commercetools bietet. So sind Händler so flexibel wie bei einer kompletten Eigenentwicklung, sparen aber viel Zeit und Geld. Die „Time to Market“, also die Zeit von der Idee bis zur Markteinführung, können Unternehmen so erheblich reduzieren und sich einige Monate oder sogar ein ganzes Jahr an Entwicklungszeit sparen.

Beispiel Warenkorb: hochkomplex, so etwas selber zu bauen. Außerdem können Händler sich darüber nicht differenzieren. Und gerade an solchen Stellen kommen Anbieter wie commercetools ins Spiel: Händler können einen Warenkorb von commercetools als Microservice nutzen, der bereits fertig ist und hochperformant funktioniert. Gerade bei solchen Funktionen, die „Commodity“ sind, sollte also kein Händler das Rad neu erfinden müssen. Microservices-Lösungen wie commercetools punkten damit, dass sie in der Cloud zu Hause sind und diverse APIs (also Programmierschnittstellen) bieten. Anhand von Blaupausen (Blueprints) zeigt commercetools seinen Partnern, wie man diese APIs gewinnbringend einsetzt. Mit diesen vorgefertigten E-Commerce-Bausteinen können Händler und Marken je nach Bedarf ganz einfach und individuell entweder eine komplett eigene Infrastruktur aufbauen oder eine bestehende Lösung ergänzen. Die Schritt-für-Schritt-Migration von einem Shopsystem-Monolithen hin zu Eigenentwicklungen und Microservices ist eine weitere Variante. Mittlerweile bietet commercetools über 300 individuell nutzbare API-Endpunkte. „Der modulare Aufbau der Technologie ermöglicht uns, Commerce-Applikationen individuell an unsere spezifischen Bedürfnisse anzupassen und ist zudem eine hervorragende Grundlage für die Entwicklung weiterer zukünftiger Funktionen“ sagt Jeremiah Isgur, Director of Digital Project Management von Wizards of the Coast (Hasbro). Wo es hingegen um die direkte Kundenansprache geht, machen Eigenentwicklungen viel mehr Sinn, denn nur so können Händler individuell auf ihre Kunden eingehen: Die Zeit, die man z.B. in einen neuen Service, eine neue Landingpage, eine App oder einen Voice Skill investiert, lohnt sich auf jeden Fall, denn man investiert sie in Kundennutzen.

Microservices für Backend und Frontend

Ein solcher Mix aus vorhandenen Microservices und Eigenentwicklickungen kann sowohl Backend als auch Frontend fit für die Zukunft des Handels machen. Dabei können Händler und Marken ihren Auftritt gegenüber den Kunden einerseits für aktuelle Frontends wie Smartphone, Tablet und Desktop deutlich verbessern. Andererseits können sie durch eine solche Architektur auch viel schneller neue technologische Entwicklungen wie Progressive Web Apps verwenden und zügig Angebote für komplett neue Touchpoints wie Sprachassistenten, Bestell-Buttons oder Virtual Reality ausrollen.

Kostenloser Shoptech-Leitfaden

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Shoptech-Leitfaden: Mit Baukasten-Systemen und Microservices zum Erfolg, der kostenlos bei unserem Partner commercetools erhältlich ist. Der Leitfaden erläutert die Vorteile einer modernen Softwarearchitektur aus Eigenentwicklungen, Baukasten-Systeme und Microservices, die über Programmierschnittschnellen (APIs) miteinander kommunizieren. Mit einer Mischung aus Best Practices, Interviews und Anleitungen zeigt der Leitfaden, wie Sie erfolgreich zum Architekten Ihres maßgefertigten Shops werden.

Lesen Sie im Shoptech-Leitfaden u.a. folgende Themen:

  • Glossar mit den wichtigsten Shoptech-Fachbegriffen
  • Wie Keller Sports seine Systeme erfolgreich modernisiert hat
  • Wie C.H. Beck sein System vom Monolithen zu Microservices migriert hat
  • Disruption einfach gemacht: Tipps von Disrooptive-Gründer Ruppert Bodmeier

Gratis-Anforderung des Shoptech-Leitfadens:

Den Shoptech-Leitfaden können Sie kostenlos bei unserem Partner commercetools herunterladen!


Artikel teilen




Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter von Location Insider. Wir liefern darin täglich gegen 11 Uhr business-relevante Hintergründe zur Digitalisierung des Handels.

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbestimmungen.