„Der vernetzte Laden“: Auszug aus dem neuen Buch von Dominik Brokelmann.

von Christian Bach am 06.Oktober 2015 in Trends & Analysen

Buch Der vernetzte Laden von Dominik BrokelmannOnline- vs. Offline-Handel: Erst gestern erschien das neue Buch „Der vernetzte Laden“ von Dominik Brokelmann, dem Geschäftsführer des mittelfränkischen Telekommunikations-Händlers Brodos. Inhaltlich geht es auf den fast 250 Seiten darum, wie der stationäre Handel den Kampf der Kanäle gegen den reinen E-Commerce doch noch gewinnen kann. Autor Dominik Brokelmann zeigt unter anderem den Status Quo des Online-Handels, die Stärken des stationären Handels und anhand eines Praxisbeispiels aus der Mobilfunkbranche, wie durch vernetzte Läden Onlineshopping in der Zukunft zur regionalen Angelegenheit wird und die Kunden von der Kombination beider Kanäle profitieren. Pünktlich zur Veröffentlichung zeigen wir heute erste Auszüge aus dem Buch:

Vorwort

Dominik Brokelmann BrodosVon Dominik Brokelmann

Der stationäre Handel steht derzeit vor großen Veränderungen. Das Konsumverhalten wandelt sich und wir alle kaufen immer häufiger im Internet ein. Aus diesem Grund gerät der stationäre Handel zunehmend unter Druck und vor allem die Attraktivität von Internetgrößen wie Amazon und Co. hat gerade für den Mittelstand verheerende Folgen. Vertreter von Handelsverbänden und Vermieter von Innenstadtlagen schlagen Alarm und sowohl Unternehmer als auch Manager im Einzelhandel wissen, dass die Zeit zu handeln knapp wird. Doch wie kommt man aus dieser Situation wieder heraus?

Als Großhändler für Mobiltelefone sind wir, die Brodos AG, inmitten dieser Misere und daher selbst betroffen. Zwar beliefern wir auch die Onlinehändler, unser eigener Erfolg ist jedoch im Wesentlichen von einem gut funktionierenden und regional etablierten Einzelhandel abhängig. Zudem ist dieses Problem nicht nur in unserer Branche zu beobachten. Auf allen Veranstaltungen im Bereich Handel und in vielen Gesprächen fällt das Thema zwangsläufig auf die Umsatzverlagerung ins Internet. Immerhin hängen die Existenzen vieler tausend Unternehmer und ihrer Mitarbeiter davon ab, dass der Einzelhandel einen Weg findet, wie er letztlich mit der Konkurrenz aus dem Internet umgehen kann. Dabei darf man die Möglichkeiten der Unternehmer vor Ort nicht überschätzen. Venture-Capital und Investitionen in mehrstelliger Millionenhöhe kommen für mittelständische Händler einfach nicht infrage. So ist das Problem weiterhin ungelöst und außer Zweckoptimismus bleibt nicht viel an Konzepten, die realistisch umzusetzen wären.

Hinzu kommt noch die große Unsicherheit bei den Herstellern, wie man sich in der Zukunft aufstellen soll. Soll man an die Kunden selbst online direkt verkaufen, Markenshops bei den großen Onlineversendern einrichten oder an dem traditionellen Fachhandel festhalten und hoffen, dass alles schon nicht so schlimm werden wird? Die jeweilige Strategie der Hersteller ist maßgeblich davon abhängig, wie konservativ die Inhaber bzw. die Geschäftsführung ist. Aber bei allen Treueschwüren der Hersteller gegenüber dem Handel muss man realistisch bleiben. Nur wenn der stationäre Handel zeigt, wie er in der Zukunft den Kunden für sich gewinnen kann, wird der Hersteller langfristig in ihn investieren.

Alles in allem beobachten wir im traditionellen Handel eine Perspektivlosigkeit wie nie zuvor. Wo sehen sich die Händler mit ihrem Geschäft in zehn Jahren? Eine Weiterentwicklung wird notwendig sein. Aber in welche Richtung muss diese erfolgen, um nicht nur den Status quo zu halten, sondern auch die Position im Markt auszubauen? Fragen Sie heute einen Händler, wie seine Pläne im Internet aussehen, und Sie werden außer Verunsicherung und Ratlosigkeit nicht viel entdecken. Ganz dramatisch finde ich es, wenn damit begonnen wird, die Realität möglichst gut zu verdrängen. Ich kenne tatsächlich nicht wenige Händler, die behaupten, sie hätten einen so außergewöhnlich guten Service, dass die Kunden vollständig darauf verzichten würden, sich im Internet zu orientieren bzw. Preise online zu vergleichen. Manche sind sogar stolz darauf, dass sie selbst nicht online einkaufen, statt sich realistisch mit dem Wettbewerb im Internet auseinanderzusetzen.

Wie kann es sein, dass ansonsten erfolgreiche Geschäftsleute dermaßen hilflos bleiben angesichts dieser Situation? Es ist der Mangel an realistischen Perspektiven unter dem Druck der Online-Konkurrenz. „Der vernetzte Laden“ ist mehr als eine Idee, wie der Einzelhandel in der Zukunft erfolgreich sein kann. Wir haben die Konzept- und Pilotphase schon lange verlassen und entwickeln uns immer mehr vom Distributor zum Ausrüster unserer Händler. Dabei soll mein Buch nicht nur unseren Händlern Orientierung geben. Ich hoffe, auch Händler anderer Branchen und die Verantwortlichen in den dazugehörigen Industrien finden in dem Buch viele interessante Ansatzpunkte. Es würde mich freuen, wenn ich mit meinem Erfahrungsbericht einen Beitrag leisten könnte und die Zukunft für den stationären Handel auf diese Weise ein bisschen transparenter wird.

Große Filialisten arbeiten teils schon fleißig am Umbau der eigenen Positionierung. Dabei nehmen sich die Internet-IT-Ausrüster auch zunehmend der stationären Händler an. Unter Schlagworten wie Multichannel, Omnichannel, Mobile Commerce usw. werden die Online- und Offline-Konzepte kombiniert in den Markt getragen. Das ist ein sehr guter Anfang, aber es muss schneller gehen und auch den mittelständischen Händler erreichen. Auch sie müssen in die Modelle und besten Konzepte im Cross-Channel eingebunden werden. Eine Art „stationärer E-Commerce-Handel“ muss im gesamten Markt erprobt und etabliert werden. Nur wenn es vielen Händlern vor Ort gelingt, Elemente eines vernetzten Ladens im Markt anzubieten, ist die Grundlage für ein verändertes Verbraucherverhalten gegeben. So wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, kann auch ein einzelner gut aufgestellter Filialist noch keine Fußgängerzone retten.

Wir alle wissen, dass der stationäre Handel vor großen Veränderungen steht. Der Treiber hierbei ist der vielfältige Nutzen, der dem Kunden durch das Internet entsteht.

Darum werden wir gemeinsam im ersten Teil meines Buches die Ursachen für die Verschiebung der Umsätze aus dem traditionellen Handel in das Internet erarbeiten. Dabei werden Sie feststellen, dass E-Commerce nicht die verbesserte, moderne Form des Handels ist, die den stationären Händler überflüssig macht. Vielmehr haben die E-Commerce-Händler lediglich bereits heute die neuen Möglichkeiten des Internets für sich kapitalisiert. Der Kampf der Kanäle ist letztlich ein Kampf der Traditionen im stationären Handel gegen die Möglichkeiten im Internet. Es wird aufgrund der herausgearbeiteten Stärken und Schwächen des Online- und Offline-Kanals klar werden, dass die Lösung in der Kombination aus beidem liegen muss. Denn die Kunden kombinieren schon längst die Kanäle – und daraus definiert sich die Positionierung des vernetzten Ladens.

Anschließend entsteht im zweiten Teil meines Buches der vernetzte Laden. Allerdings werde ich mit Ihnen kein theoretisches Modell entwickeln, sondern Cross-Channel ganz praxisnah und detailreich am Beispiel unseres eigenen real existierenden Konzeptes schildern. Ich werde Ihnen zeigen, wie wir die Vorteile, die das Internet den Kunden bietet, in den stationären Einzelhandel integrieren. Dabei entstehen interessante Anwendungen und ich hoffe, vor Ihrem geistigen Auge wird eine neue Generation stationärer Händler sichtbar. Seien Sie gespannt, ich glaube, es wird sich für Sie lohnen.

Viel Spaß beim Einkauf im vernetzten Laden!

Über Dominik Brokelmann

Dominik Brokelmann ist Gründer und CEO der Brodos group. Diese führt einen Hauptsitz in Baiersdorf (Großraum Nürnberg) sowie Niederlassungen in Berlin, USA, Hongkong, Russland und einem Entwicklungsstandort in Indien. Zu seinen Kunden gehören vom kleinen Mobilfunkladen über die großen Elektronikmärkte auch die Schwergewichte im E-Commerce sowie über die Hälfte der deutschen DAX-Konzerne. Brodos ist der offizielle Distributor aller führenden Hersteller (Apple, Samsung, Sony, u.v.m.) und Netzbetreiber (Telekom, Vodafone, Telefónica) in Deutschland.


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