Design-Onlineshop InteriorPark sucht Mehrwerte im stationären Geschäft.

von Matthias Hell am 16.September 2014 in Local Heroes

InteriorPark hat sich als Online-Plattform für nachhaltige Designmöbel einen Namen gemacht und wagt nun den Schritt in den stationären Handel. Mit einem sehr individuellen Ladenkonzept will das E-Commerce-Unternehmen seine Design-Objekte näher an die Kunden bringen – und gleichzeitig kanalüberschreitende Marketing-Effekte erzielen.

Tina Kammer und Andrea Herold gründeten InteriorPark 2010

Tina Kammer und Andrea Herold gründeten InteriorPark 2010

Für die vielbeschworenen Möglichkeiten, die sich im Netz bieten, ist InteriorPark ein gutes Beispiel – vereint das Stuttgarter Startup doch zwei Aspekte, die sonst eher selten in einem Atemzug genannt werden: Wohndesign und Nachhaltigkeit. InteriorPark verkauft seit 2010 Designmöbel und -Accessoires aus nachwachsenden Rohstoffen, recycelten Materialien oder sogar veganen Bestandteilen über das Internet und hat sich damit als führende Vertriebsplattform für nachhaltiges Design im Netz positioniert. Gegründet wurde das Unternehmen von Tina Kammer, die als Möbelschreinerin und Architektin vor allem für den Design-Part verantwortlich ist, und Andrea Herold, die sich mit ihrer Erfahrung in Großkonzernen wie Johnson & Johnson, SAP oder Hugo Boss schwerpunktmäßig um den Business-Aspekt kümmert.

Wie Herold im Gespräch mit Location Insider erklärt, habe es der ursprüngliche Online-only-Ansatz erleichtert, das Geschäftsmodell von InteriorPark zu etablieren: „Als wir vor vier Jahren gestartet sind, waren wir nicht nur mit unserem Ansatz, Design und Nachhaltigkeit zu verbinden, der Zeit voraus, auch der Verkauf von Möbeln über das Netz war damals noch nicht besonders verbreitet.“ Das Internet als Vertriebsplattform habe es dem Startup ermöglicht, von Anfang an eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen, als das mit einem Ladengeschäft möglich gewesen wäre. Zudem nutzt InteriorPark die Vorteile einer schlanken Online-Aufstellung, verzichtet auf eine eigene Lagerhaltung und leitet Bestellungen nach dem Dropshipping-Prinzip an die Hersteller weiter, wo diese zum Teil erst nach Auftragseingang produziert werden.

„Die Kunden fordern eine Multichannel-Aufstellung“

Ungewöhnliche Materialien erhöhen bei InteriorPark die Neugier der Kunden an Anschauen und Anfassen

Ungewöhnliche Materialien erhöhen bei InteriorPark die Neugier der Kunden am Anschauen und Anfassen

Dennoch hatte das Pure-Online-Modell bisweilen auch Nachteile. Zwar hatte Tina Kammer über die Jahre bereits eine Vielzahl an Kontakten zu wichtigen Designern aufgebaut, doch habe man im Hinblick auf den Verkauf über das Internet nicht selten Überzeugungsarbeit leisten müssen, erinnert sich Andrea Herold. Das zugkräftigste Argument sei dabei nicht selten die fertige Shop-Plattform gewesen, die mit ihrer hochwertigen Präsentation und einer sorgfältig kuratierten Auswahl der angebotenen Objekte auch anspruchsvolle Gestalter überzeugen habe können. Mit dem Online-Modell nicht zu lösen sei jedoch das Bedürfnis vieler Kunden, die angebotenen Design-Waren auch anschauen und anfassen zu können. „Weil die meisten Kunden nachhaltige Möbel noch nicht kennen und von den Designern oft auch ungewöhnliche Materialien verwendet werden, ist dieses Bedürfnis bei uns besonders hoch“, erklärt Herold. Zudem werde der Multichannel-Gedanke von den Verbrauchern auch generell immer stärker eingefordert.

Als sich für InteriorPark die Möglichkeit bot, ein Ladengeschäft in der Stuttgarter Innenstadt – unweit der Einkaufsmeile Königsstraße – zu mieten, habe man die Gelegenheit deshalb gerne genutzt. Anfang September hat das Online-Unternehmen hier auf 80 Quadratmetern sein erstes stationäres Geschäft eröffnet und hofft, dabei auch kanalüberschreitende Marketing-Effekte zu erzielen. Dem Prinzip der Kuration bleibt InteriorPark in dem Ladengeschäft treu und will in vier- bis sechswöchigen Wechsel Kollektionen zu wechselnden Themen zeigen. Naturgemäß handelt es sich dabei jeweils nur um eine kleine Auswahl aus dem Online-Angebot. Das Geschäft ist Showroom-artig angelegt, versteht sich aber durchaus auch als Verkaufsstelle.

Store-Konzept mit Touchscreen und iBeacons

Blick in den Anfang September eröffneten Store von InteriorPark

Blick in den Anfang September eröffneten Store von InteriorPark

Im Vergleich zum klassischen Designmöbel-Handel lässt sich auch beim Store von InteriorPark die Herkunft aus dem E-Commerce erkennen – angefangen bei der überschaubaren Größe des Ladens, der Tatsache, dass das Startup weiter auf eine teure Lagerhaltung verzichtet, aber auch im Hinblick auf das Verkaufskonzept: „Die Kunden können bei uns im Laden kaufen, sie können Artikel vom Laden aus nach Hause bestellen, aber ebenso auch Online-Bestellungen in den Laden zur Abholung liefern lassen“, erklärt Andrea Herold. Um das Sortiment des Onlineshops in das stationäre Geschäft zu integrieren, setzt InteriorPark auf eine großformatige Touchscreen-Lösung, auf der auch Filme zu einzelnen Produkten abrufbar sind. Zudem sind in dem Laden iBeacons installiert, die es Kunden ermöglichen, mit iPad-Unterstützung eine Art „geführte Tour“ durch das Geschäft zu durchlaufen und bei Interesse sofort in den Onlinestore zu wechseln.

Das anspruchsvolle Ladenkonzept lässt bereits erahnen, dass die InteriorPark-Macherinnen durchaus mit dem Gedanken spielen, weitere Geschäfte zu eröffnen. So habe man bereits die Fühler nach Berlin ausgestreckt und könne sich auch Standorte im Ausland vorstellen. Gleichzeitig ermöglicht es der zunächst auf ein Jahr angelegte Mietvertrag in Stuttgart, die Entwicklung des stationären Geschäfts zu prüfen. Denn in erster Linie bleiben Tina Kammer und Andrea Herold weiterhin Online-Unternehmerinnen: „Natürlich ist mit dem Ladengeschäft das Risiko nun etwas höher, doch hält sich der finanzielle Aufwand in Grenzen. Vor allem gelingt es uns mit dem Store, Offline stärker sichtbar zu werden, auch in der Wahrnehmung der Hersteller – und das zu Kosten, die rein ins Online-Marketing investiert, schnell verpufft wären.“


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