Die Berliner Concept Mall Bikini ermöglicht neue Handelskonzepte.

von Matthias Hell am 20.Mai 2014 in Local Heroes
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Nicht lediglich ein weiteres Einkaufszentrum, sondern eine Concept Mall will das neue Bikini Berlin sein. Beispielhaft wird dieser Anspruch mit den temporär mietbaren Bikini Boxes veranschaulicht, in denen eine Reihe junger Händler und Marken neue, ganz selbstverständlich die Grenze von online und stationär überspringende Geschäftsmodelle umsetzt.

Blick ins Erdgeschoss des Bikini Berlin mit den temporär mietbaren Boxes

Blick ins Erdgeschoss des Bikini Berlin mit den temporär mietbaren Boxes

„Eine Kompilation von sorgsam kuratierten und aufeinander abgestimmten Boutiquen, Concept- und Flagship Stores sowie Gastronomie- und Dienstleistungsanbietern“ – die Definition, die das im April eröffnete Bikini Berlin für den Begriff Concept Mall liefert, liest sich etwas umständlich. Betrachtet man zudem einige der Mieter in dem neuen Einkaufszentrum – wie z.B. Kaisers oder die Gastro-Ketten Block House und L’Osteria – erschließt sich die Einzigartigkeit des Konzepts noch nicht unbedingt.

Doch mit den Bikini Boxes, 20 mitten im Erdgeschoss des Centers platzierten, 19 bis 39 Quadratmeter großen Holz-Kuben, ist den Betreibern auf jeden Fall eine clevere Lösung für die sich wandelnde Handelswelt eingefallen. Die Boxes können für eine Dauer von zwischen drei bis maximal zwölf Monaten gemietet werden und sollen es jungen Unternehmen ermöglichen, neue Ideen temporär zu testen. Auch für die Konsumenten ist das Konzept spannend: „Mit den Bikini Berlin Boxes entsteht ein neuer Marktplatz an Ideen, der bei jedem Besuch aufs Neue überraschen und inspirieren soll und so sicherlich für einen spannenden Dialog sorgt“, erklärt Kai-Uwe Ludwig, Geschäftsführer der Bayerischen Hausbau und damit Verantwortlicher für die Vermietung des Bikini Berlin.

Niedrigschwelliger Einstieg in den stationären Handel

Kai-Uwe Ludwig vom Bikini-Vermieter Bayerische Hausbau

Kai-Uwe Ludwig vom Bikini-Vermieter Bayerische Hausbau

Über mangelnde Nachfrage kann sich Kai- Uwe Ludwig nicht beklagen. Wie der Hausherr berichtet, ist das Interesse für die Anmietung einer Box groß. „Um dem Besucher von Bikini Berlin eine spannende und abwechslungsreiche Auswahl zu präsentieren, suchen wir die Mieter der Boxes allerdings sorgsam aus.“ Während bei der Eröffnung des Einkaufszentrums noch einige der gewöhnlichen Retail-Flächen leer blieben, sind bereits sämtliche 20 Boxes belegt. Das Spektrum der temporären Mieter ist breit und beginnt bei internationalen Händlern, Marken und Dienstleistern wie Incidence Paris, Mr. Gugu & Miss Go oder Drybar, die das Bikini für eine niedrigschwellige Präsenz in der Hauptstadt nutzen.

Deutlich spannender sind allerdings innovative Handwerksbetriebe, die in den Bikini Boxes erstmals stationär Präsenz zeigen. So bot die Ledermanufaktur Mabba ihre hochwertigen Smartphone-Hüllen und Taschen bisher nur im eigenen Onlineshop sowie auf Dawanda an. Der Bluetooth-Lautsprecher Binauric („Changing the way people listen to the world“) war zuvor nur über die Unternehmens-Website erhältlich. Und Tea Tales, ein Berliner Start-up für „modernen Tee Lifestyle“, startete erst mit einer Bikini Box, bevor Ende April der Vertrieb über den zugehörigen Webshop begann. Gemeinsam ist diesen Unternehmen der Verzicht auf ein ideologisches Entweder-oder zwischen Stationär- und Onlinevertrieb. Stattdessen werden pragmatisch möglichst niederschwellige Wege zur Ausweitung der Angebotsreichweite genutzt.

Auch etablierte Online-Händler setzen auf die Box

Blick in eine der Bikini Boxes

Blick in eine der Bikini Boxes

Doch nicht nur Newcomer, auch gestandene Online-Händler nutzen die Bikini Boxes, um neue Absatzwege zu testen. So präsentiert der Online-Anbieter für Wohnaccessoires Urbanara für knapp 5 Monate auf 30 Quadratmetern im Bikini eine Auswahl seines Produktsortiments. „Die Concept Mall bietet für uns ein aufregendes, neues Konzept in einem spannenden Umfeld, von dem wir alle profitieren können“, erklärt Benjamin Esser, CEO und Gründer von Urbanara. Das Unternehmen, das bereits 2012 einen PopUp-Store in Berlin eröffnete, wolle mit seiner Bikini Box den Markenaufbau und die Bekanntheit offline weiter vorantreiben. Noch mehr Handelserfahrung als Urbanara bringt Litraton ins Bikini: Der seit 1978 bestehende Schallplatten- und Hörspielhändler bietet in seiner Box exklusive Puzzles an und betreibt auch in zwei Hamburger Einkaufszentren eigene Filialen.

Die Mieter der Bikini Boxes zeigen, dass viele Retail-Unternehmer heute nicht mehr in Kanalkategorien denken: Neue Manufakturen wollen ihre Produkte nicht nur im Netz, sondern auch physisch anbieten. Und Online-Versender hoffen, im stationären Umfeld neue Kundengruppen zu erreichen. Im Unterschied zur Handelswelt von gestern ist die Bereitschaft, dafür teure langfristige Verpflichtungen einzugehen allerdings massiv gesunken. Das Bikini Berlin kommt diesem Bedürfniswandel mit seinen temporären Verkaufsflächen entgegen – und liefert damit ein gutes Beispiel für intelligente Retail-Konzepte, die auch anderswo dem stationären Umfeld neue Attraktivität bescheren könnten.


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