Die Körperscanner erobern den Modehandel.

von Andre Schreiber am 01.August 2018 in News

Dank KI schafft es 3D-Look aus zwei Ganzkörperfotos des Kunden ein Modell für den Modekauf zu entwickeln. (Foto: 3D-Look)

Modekauf könnte so einfach sein. Wenn es da nicht das Problem mit der Passform gäbe. Menschen sind eben verschieden und Standardgrößen passen nur dann wie angegossen, wenn der Kunde auch genau die Standardmaße hat. So kann die Passform Kunden und Händler gleichermaßen frustrieren. In dieser Woche haben gleich zwei Unternehmen Neuigkeiten zu berichten, die sich jeweils von einer anderen Seite der Passform in der Mode widmen.

Der richtige Schnitt bildet den Kern jeder Modemarke. Das schönste Design nutzt ja nun nichts, wenn das Kleidungsstück am Kunden unvorteilhaft aussieht. Bis Hemd, Shirt oder Hose in der virtuellen Auslage des Online-Shops oder in den Regalen des Handels landen, muss sich der Hersteller erst einmal viele Gedanken zur Passform machen.

Tatsächlich ist der traditionelle Prozess der Passformprüfung einer der zeit- und kostenaufwändigsten Abschnitte auf dem Weg eines Produkts von der Designphase hin zur finalen Produktion. Ein Anprobemodel zieht jedes physische Musterteil an, damit es von einem Team aus Designern, Produktentwicklern und Schnittmachern perfektioniert werden kann. Die machen dann üblicherweise Fotos von der Kleidung am Model und weisen sich gegenseitig Korrekturen zu.

Diesen Prozess will Centric verstärkt digitalisieren und hat die 3D Sample Review Mobile App herausgebracht. Damit können Benutzer digitale Musterteile ansehen, die von 3D-Anbietern oder Designern in virtuellen Anprobeszenarien erstellt werden. Sie können so Kommentare einfügen und abgeänderte digitale Muster erhalten. Wesentlicher Vorteil dabei ist es, dass viel Geld und Arbeit gespart wird. Und durch den Geschwindigkeitsgewinn lassen sich auch mehr Designiterationen in der gleichen Zeit durchlaufen.

Das Startup 3D-Look nähert sich der Passform von der Kundenseite her und konnte für die weitere Entwicklung und Vermarktung seines Körperscanners gerade 1 Million US-Dollar an Kapital sichern. Nun ist das Thema ja nicht neu, aber häufig werden externe Kameras oder zusätzliche Technik für ein dreidimensionales Passmodell des Kunden benötigt. Den Entwicklern von 3D-Look ist es gelungen, ein solches Modell basierend auf zwei Fotos des Nutzers zu erstellen. Der Kunde wählt in der App zwei Ganzkörperfotos von sich aus. Daraus errechnet dann das von KI gestützte System die Passform. Das Geschäftsmodell von 3D-Look unterscheidet sich dabei nicht von anderen Anbietern. Einerseits geht es darum, Online-Shops und Händler vom Einsatz der Technologie zu überzeugen, zum anderen darum, dem Kunden bereits in der App Bekleidungsvorschläge basierend auf seiner Größe zu unterbreiten. Bereits 200.000 Nutzerprofile wurden schon angelegt und ausgewertet. Datenmaterial, das das Unternehmen auch der Modeindustrie zur Verfügung stellt, damit diese es in ihre Fertigung und Designprozesse integrieren kann.


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