Die Rolle von APIs in der Post-Web-Ära.

von Florian Treiß am 08.März 2018 in News, Shoptech, Trends & Analysen

Schnittstelle für den Handel von morgen: Klassische Webshop-Software wird mehr und mehr zum Auslaufmodell, denn sie fokussiert sich vor allem auf eines – den Online-Shop auf dem Desktop-PC. Doch in Zeiten, in denen Händler die Shopper über diverse Wege wie Apps, Social Media, Chatbots, Wearables und Sprachassistenten ansprechen, gerät dieser Ansatz aus der Mode. Stattdessen liefern moderne Digital-Commerce-Plattformen sämtliche Lösungen vom Produktinformationssystem über den Warenkorb bis zum Order-Management als API (Application Programming Interface), also als Schnittstelle für die Programmierung von passenden Anwendungen.

Die API hat das Zeug dazu, die Dampfmaschine der digitalen Revolution zu werden. Schließlich ermöglicht eine solche offene Schnittstelle es Entwicklern, in kürzester Zeit eine bestimmte Digital-Commerce-Lösung auf den unterschiedlichsten internetfähigen Endgeräten mit einer frei wählbaren Programmiersprache und einem beliebigen User Interface umzusetzen. Das ist in schnelllebigen Zeiten wie diesen, in der viele heute als Gemeingut bekannte Technologien noch vor fünf bis zehn Jahren als Science Fiction galten, immens wichtig: Können Sie sich noch daran erinnern, wie das Leben ohne Smartphone war? Erst 2007 stellte Apple das iPhone vor. Hätten Sie vor zwei bis drei Jahren gedacht, dass Sie in der Küche einen Plausch mit Alexa führen wie ein Star-Trek-Kapitän mit seinem Bordcomputer? Und hätten Sie es für möglich gehalten, dass Sie Ihr Auto nicht mehr selbst lenken müssen, sondern künftig während der Fahrt einfach die Landschaft genießen oder shoppen können? Schon bald wird auch das möglich sein.

Dirk Hörig, commercetools

Genau für diese schöne neue Welt braucht es APIs. Denn APIs sind „die zugrundeliegende Technologie, um in neuen Kanälen neue digitale Handelsmodelle zu ermöglichen, und das mit hoher Geschwindigkeit und Skalierbarkeit“, sagt commercetools-CEO Dirk Hörig in einem Interview mit uns. Denn ist z.B. ein Produktinformationssystem (PIM) als API verfügbar, kann es den dort schon vorhandenen Produktkatalog in kurzer Zeit auch einem Chatbot oder Sprachassistenten zur Verfügung stellen. Ohne API wird das hingegen schwierig, womöglich muss für jedes neue Endgerät und für jedes neue User Interface alles komplett neu aufgesetzt werden.

APIs sind der Innovationstreiber der GAFA-Ökonomie

Dass APIs sowohl ganz neue Geschäftsmodelle kreieren als auch ein starker Innovationstreiber sein können, zeigt die GAFA-Ökonomie, also die Welt von Google, Amazon, Facebook und Apple. Alle vier großen Player verlassen sich auf dem Weg zu Billionen-Dollar-Unternehmen auf öffentliche APIs, um ihr Geschäft voranzutreiben, wie Marketing-Professor Scott Galloway in seinem Buch „The Four: Die geheime DNA von Amazon, Apple, Facebook und Google“ zeigt. Anstatt einen Zaun um sie herum zu bauen, geben sie Entwicklern alle Werkzeuge an die Hand, die sie benötigen, um ihre eigenen Anwendungen und Mashups zu entwickeln. Derzeit gibt es im App Store von Apple und im Play Store von Google schon jeweils deutlich über 2 Millionen Apps – kein Unternehmen der Welt hätte die Ressourcen, um diese Anzahl an Produkten aufzubauen und zu pflegen.

Durch die Bereitstellung von APIs werden die Innovationen externalisiert und jeder Drittentwickler wird zu einem Multiplikator. Das zeigt auch das Beispiel Google Maps: durch die Nutzung der API bringen Unternehmen wie Uber oder MyTaxi ihre Fahrer mit Fahrgästen in Kontakt – eine viel günstigere Lösung, als ganze Städte neu zu kartographieren. Zugleich bedeutet die API Economy, dass Unternehmen nicht länger von einem einzigen Lösungsanbieter abhängig sind: Vielmehr setzen viele Unternehmen in der API Economy auf ein „Netzwerk unterschiedlicher Partner, die jeweils eigene hochspezialisierte Kompetenzen aufweisen, die eventuell nur kurzfristig für einzelne Transaktionen benötigt werden. Diese Partner können automatisiert und prinzipiell ohne Zeitverzug und ohne Transaktionskosten in die eigene Wertschöpfung integriert werden“, betont das Gabler Wirtschaftslexikon.

Auch in Deutschland erkennen immer mehr Unternehmen die Bedeutung von APIs, allen voran im Bereich Digital Commerce. Eine API ermöglicht dabei die konsequente Trennung von Frontend und Backend: Während das per API angesteuerte Backend die gesamte Busi­ness-Logik, Daten etc. enthält, können sich Unternehmen voll und ganz auf ihre eigenen Frontends konzentrieren, die in gänzlich freiem Oberflächendesign umgesetzt werden können. Frontends sind die direkte Schnittstelle zum Kunden – und Ihnen ist in der API-Welt keine Grenze mehr gesetzt: Sie können als Webshop genauso daherkommen wie als Chatbot oder Sprachassistent. So gesehen ist auch Amazons Alexa in gewisser Weise ein Frontend, das der Mensch zwar nicht mehr sehen kann, das dem Menschen aber zuhört. Auch das Internet der Dinge kann in der API-Welt viel besser bedient werden: Der Kaffeeautomat, der seine Kapseln selbst nachbestellt, muss nicht umständlich über den Webshop gehen, sondern kann dies über eine API tun – und der Wasserspender, der automatisch Wasser nachbestellt, genauso. All dies wäre mit einem behäbigen, Webshop-fokussierten System allenfalls mit kostspieligen „Workarounds“ umsetzbar, während API-basierte Systeme wie ein Baukasten funktionieren.

Personalisierte Inspiration und Kaufmöglichkeiten im passenden Kontext liefern

Matthias Steinforth, Kernpunkt

Matthias Steinforth, Geschäftsführer und Mitgründer von kernpunkt, einem Solution Partner von commercetools aus Köln, weist darauf hin, dass sich auch geschlossene Systeme wie Facebook, Pinterest oder Twitter zum Point of Sale entwickeln. Er schreibt in einem Fachbeitrag: „Durch die Bereitstellung von Buy-Buttons oder die Möglichkeiten, Produkte über die jeweiligen Systeme zu vermarkten, wird der klassische Check-Out-Prozess überflüssig. Verfügen die jeweiligen Systeme dann noch über die relevanten Benutzerdaten – von Name und Anschrift bis hin zu Kreditkartendaten – kann der gesamte Kaufprozess auf die entsprechende Plattform verlagert werden. Klassische Integrationskonzepte erfüllen diese Anforderungen nicht: Daten können heute nicht mehr durch einen nächtlichen Export bereitgestellt werden. Sie müssen über Schnittstellen jederzeit und für eine Vielzahl von Drittsystemen verfügbar sein. Content-as-a-Service macht auch Marketing- und Produktinformationen zum Service. Und moderne E-Commerce-Plattformen denken nicht mehr in Multi-oder Omnichannel-Kategorien: Per API lassen sich E-Commerce-Funktionen in jedes denkbare System, auf jedem denkbaren Kanal einbinden. E-Commerce wird zur API.“

Pinterest und Co. werden durch Buy-Buttons zum Point of Sale

Egal ob Chatbots, Soziale Netzwerke, Wearables, IoT- oder Voice Devices – Unternehmen, die ihrer Konkurrenz einen Schritt voraus sein wollen, sollten ihren Kunden überall personalisierte Inspiration und Kaufmöglichkeiten im dazu passenden Kontext anbieten, meint auch commercetools-CEO Dirk Hörig. Das gelingt am Besten durch die Nutzung von APIs und dem Fokus auf die eigenen Touchpoints. Und diese Touchpoints können und dürfen unterwegs am Handy anders aussehen als abends auf dem Sofa – auch wenn das Angebot vom gleichen Händler kommt.

Whitepaper „Jenseits des Webshops“

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem neuen Whitepaper „Jenseits des Webshops – wie Händler Chatbots, Voice & Co einsetzen können“. In dem Whitepaper erklären wir auf 36 Seiten, welcher geschäftliche Mehrwert hinter neuen Touchpoints steckt und wie eine konkrete Umsetzung aussehen kann.

Lesen Sie in dem Whitepaper „Jenseits des Webshops“ u.a. folgende Themen:

  • Eyerywhere Commerce: Was uns jenseits des Webshops erwartet
  • Conversational Commerce: Wenn Mensch und Maschine sich unterhalten
  • Umfrage: aktuelle Technologie-Trends im Handel
  • Wie das Internet der Dinge in Küche und Bad einzieht
  • Shoppen im Auto: Schon bald Realität

Das Whitepaper können Sie über den folgenden Link kostenlos als PDF anfordern:

Whitepaper „Jenseits des Webshops – wie Händler Chatbots, Voice & Co einsetzen können“ 


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