Digital Signage: Interaktive Technologie mit Zukunftspotential – gerade für den Handel!

von Gastautor am 20.Juni 2019 in Highlight, News, Trends & Analysen

Digital Signage bei Hervis (Bild: Peakmedia)

Von Ibrahim Mazari (dimedis)

Obwohl Digital Signage in der Technikwelt noch immer als relativ junge Technologie gilt,  sollte es jeder schon einmal gesehen haben. Die Bildschirme der wörtlich übersetzten digitalen Beschilderungen hängen zu Werbe- und Informationszwecken überall da, wo sie gut zu sehen sind, von kleinen Bäckereien bis hin zu großen Einkaufszentren. Dass Digital Signage jedoch bei weitem mehr kann, als nur digitale Inhalte widerzugeben, wissen die wenigsten.

Die Grundfunktionalität ist bei allen Digital-Signage-Modulen zunächst gleich. Die Steuerung der Inhalte übernimmt ein Computer im Miniaturformat (Player), der mit dem Internet verbunden ist, um immer auf dem aktuellsten Stand zu sein. Die abgerufenen Inhalte wie Werbung oder allgemeine Informationen gibt der Player dann an einen oder mehrere angeschlossene Bildschirme weiter. Die wiedergegebenen Bewegtbilder aktivieren dabei die Urinstinkte der vorbeigehenden Menschen, die automatisch dahin blicken, wo sie eine Bewegung registrieren.

Digital Signage wirkt!

Aktuelle Studien ergeben, dass heute gut dreiviertel der Deutschen mit Werbung auf digitalen Bildschirmen in öffentlichen Räumen vertraut ist. Betrachtet man nun nur die Wirkung von POS-Werbung, fallen diese Werte sogar noch höher aus: 82 Prozent der Befragten war die digitale POS-Werbung aufgefallen, davon ließen sich sogar 57 Prozent animieren, das beworbene Produkt interessant zu finden oder es zu kaufen. Dabei zeigen jüngere und einkommensstarke Gruppen eine besonders hohe Affinität, fast die Hälfte von ihnen hat mehrmals pro Woche auf ihren üblichen Wegen zur Arbeit, Ausbildung, Einkaufen oder Freizeitaktivitäten Kontakt mit diesem Medium. In Zeiten einer multimedialen Welt sollten aktuelle Digital Signage-Systeme dabei in der Lage sein, auch multimediale Inhalte darzustellen. Dazu zählt neben der (zeitgleichen) Darstellung von Nachrichten, Fotos, Videos und Wetter auch das Einbinden interaktiver Feeds von sozialen Netzwerken wie Twitter und Co. Spästestens seit der Ausrufung zum Webstandard 2014 wird dabei zur Implementierung der Inhalte in den meisten Fällen HTML5 gebraucht.

Anwendungsbereiche für Digital Signage

Viele Lebensbereiche werden bereits von Digital Signage geprägt. Die wichtigsten Anwendungsfelder sind:

  • Bahnhöfen
  • Behörden
  • Einkaufszentrum
  • Flughäfen
  • Krankenhäuser
  • Messen
  • Museen
  • Point-of-Sale (POS)
  • Universitäten und Bibliotheken (Informationstafeln, Wegeleitung, aktuelle Nachrichten)
  • Unternehmen (interne Kommunikation)
  • Visualisierung in der Fertigung (Mensch-Maschine-Kommunikation)
  • Wegeleitung

Größtes Potential: Der Handel

Besonders für den Handel ergeben sich durch Digital Signage spannende Möglichkeiten. Generell ist das primäre Ziel des Einzelhandels, mithilfe digitaler Kommunikation am POI und POS einen Mehrwert für das Einzelhandelsunternehmen und den Kunden zu schaffen. Mit Digital Signage können sich durch Serviceleistungen wie dem Darstellen aktueller Angebote oder Cross-Selling-Aktionen die Einzelhändler von den Wettbewerbern abheben und so das eigene Image stärken. Dabei konnte die Branche um digitale Außenwerbung in den letzten vier Jahren ihre Werbeumsätze verdoppeln und so mit ihren rund sechs Prozent Anteil am Gesamt-Werbeumsatz 2015 schon das Radio als Werbemedium hinter sich lassen. Im Vergleich zur klassischen analogen Poster- oder Printwerbung bietet Digital Signage ebenfalls einen  qualitativen Vorteil, da hier eine individuelle Anpassung der Inhalte nach Uhrzeit und Lage in Echtzeit vorgenommen werden kann. So wird der Werbeeffekt erheblich verbessert und Streuverluste minimiert. Zudem verkauft man durch Digital Signage nachweislich mehr.

Digital Signage im Handel – hier bei snipes (Quelle: dimedis)

Digital Signage interaktiv

Interaktivität ist im Zusammenhang mit Digital Signage wohl eins der wichtigsten Stichworte. Egal ob durch Touchscreens, QR-Codes, Fernbedienung oder Tastatur, Interaktivität schafft Kundenbindung, erlaubt eine individuelle Ansprache und ist damit mittlerweile Pflicht bei Digital Signage-Systemen. Dabei wählt der Benutzer durch einen Touchscreen relevante Inhalte aktiv aus oder er lässt sich durch integrierte Produkt-Scanner weitere Informationen, Fotos oder Videos zu einem Produkt anzeigen. Ein eigenes Anwendungsfeld der Interaktivität bildet dabei die digitale Wegeleitung, die den Weg eines Kunden zu dessen Wunschziel dynamisch berechnet und  mittlerweile immer häufiger in Digital-Signage-Systemen integriert ist.

Interaktives Digital Signage im Handel – hier bei Bosch (Quelle: dimedis)

Digital Signage als Motor der digitalen Transformation

Die stetig fortschreitende Digitalisierung wirkt sich auch nachhaltig auf den Digital-Signage-Markt aus. Durch die interaktive Vernetzung von Digital-Signage-Modulen mit mobilen Endgeräten und Social Media kann die Technologie auf diesen Zug mit aufspringen und nachhaltig von der Digitalisierung profitieren. Beim Einsatz von Digital Signage im Einzelhandel fehlt es der deutschen Branche jedoch noch an aussagekräftigen Vergleichswerten, da bisher nur wenige große Einzelhandelsketten auf die gesamte Bandbreite von Digital Signage setzen. Dennoch: Die digitale Transformation hat schon lange den Handel erreicht und Digital Signage ist ein wesentlicher Baustein dafür. In Zukunft könnte Digital Signage die gesamte Costumer Journey von online und mobile über digitale Außenwerbung bis zum POS begleiten und neben Werbung und dynamischen Inhalten auch durch integrierte Shops die gesamte Kaufabwicklung begleiten. Die Entwicklung der Anteile des Digital-Signage-Marktes an den Werbeumsätzen der letzten Jahre zeigt, welches Potential bereits vorhanden ist und es ist anzunehmen, dass der deutsche Digital-Signage-Markt weiter an Fahrt aufnehmen wird.

Über den Autor:

Ibrahim Mazari ist Soziologe und Psychologe und ist als PR-Berater mit Schwerpunkt Digitales für das Kölner Unternehmen dimedis tätig. Das 1996 in Köln gegründete Software-Unternehmen entwickelt webbasierte Softwarelösungen. Schwerpunkte sind Digital Signage, digitale Wegeleitung sowie Besucher- und Einlassmanagement von Messen und Events.


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