Disruption einfach gemacht: Wie jeder die eigene Branche neu erfinden kann.

von Gastautor am 16.Mai 2019 in News, Shoptech, Trends & Analysen

Von Ruppert Bodmeier

Wie kann ich mit dem Status Quo in meiner Branche brechen und völlig neue Lösungsansätze entwickeln, die mich nachhaltig von meiner Konkurrenz unterscheiden? Dazu ein kurzes Gedankenexperiment: Vor dir stehen ein Motorboot, ein Panzer, ein Fahrrad und ein Paar Ski. Welches Gadget lässt sich daraus bauen und wie geht man dabei vor? Auf den ersten Blick haben diese Produkte herzlich wenig bis gar nichts miteinander zu tun. Wenn wir aber die Fortbewegungsmittel in Ihre Einzelteile zerlegen und wir die Unterseite eines Motorboots mit dem Kettenantrieb eines Panzers, dem Lenkrad eines Fahrrads und mit ein paar Skis kombinieren, bekommen wir die Grundidee eines Schneemobils. Wir nennen diese Art, völlig neue Ideen zu erarbeiten, Innovation durch Rekombination. Die größten Innovatoren unserer Zeit arbeiten nach dieser Methode: Ob ein Elon Musk, Gründer von Tesla und SpaceX. Ob ein Thomas Edison, Erfinder der Glühbirne. Ob ein Quentin Tarantino, kreatives Mastermind hinter Filmen wie Pulp Fiction. Alle diese Menschen eint, dass sie Dinge aus unterschiedlichsten Branchen miteinander kombinieren und so Probleme auf eine völlig neue Art lösen.

Trends aus anderen Branchen adaptieren

Es ist der vielleicht größte Digitalisierungstrend, der je stattgefunden hat, dass Branchen- sowie Expertenwissen an Bedeutung verlieren und es ist wichtiger denn je zu wissen, welche Trends in anderen Branchen stattfinden und was das für die eigene Industrie bedeutet. Heute konzentrieren sich 99% aller Unternehmen so sehr darauf, besser zu sein als Ihre Konkurrenz, dass Sie dabei völlig vergessen vor allem anders als die Konkurrenz zu sein. Und zwar für den Kunden wahrnehmbar anders. Wir sehen es dabei als ein absolutes Muss an Transformationsleistung an, dass Unternehmen heute ganz bewusst in ANDERE Industrien gehen und spannende Entwicklungen für die eigene Branche adaptieren sowie interpretieren müssen.

Die Automobilbranche steht dabei sinnbildlich für diesen Wandel. Jeder Innovationstrend, der dort zur Zeit stattfindet, hat seinen Ursprung in einer völlig anderen Industrie: Ob es Echtzeit-Updates sind, die aus der App-Branche kommen und uns erlauben, Autos noch nach dem Kauf via Software upzugraden. Ob es die Akku-Technologie ist, die Ihren Ursprung aus der Smartphone-Branche hat und die Grundlage ist, dass Elektromobilität überhaupt möglich ist. Ob es Machine Learning ist, dass aus der Software-Branche kommt und die Grundvoraussetzung für autonomes Fahren ist. Tesla ist dabei „nur“ der erste Automobilhersteller, der diese Trends versucht in einer neuen ganzheitlichen Kundenerfahrung zusammenzuführen. Das ist nur eine von vielen Disruptionen, die exakt nach diesem Schema funktionieren. Nicht die Dinge neu erfinden, sondern sich zu überlegen, welche Painpoints in meiner Branche existieren, um dann raus in den Markt zu gehen und sich alles mögliche anzuschauen, nur nichts aus der eigenen Industrie: Sondern ganz bewusst Unternehmen aus anderen Branchen, die ein ähnliches Problem auf eine innovative Art und Weise gelöst haben. Man versucht in einem nächsten Schritt dahinterzusteigen, was diese Lösungen im wesentlichen auszeichnet, warum User diese so begeistert nutzen. Anschließend adaptiert sowie interpretiert man diese für die eigenen Branche, denn einen 1:1 Transfer kann es nicht geben.

Wenn man das einmal verstanden hat und sein Auge entsprechend schult, wird man diese Herangehensweise plötzlich überall entdecken, selbst im digitalen Umfeld auf der User-Experience-Ebene. Da ist beispielsweise die Deutsche Bahn, die sich in ihrer Mobile App im Zugang zu Expresstickets von einer E-Mail-Lösung inspirieren lässt.

Da ist mit About You das am schnellsten wachsende Fashion-Onlineunternehmen, dass die Mechaniken von Instagram, der größten Foto-Community der Welt aufgreift, um Menschen einen inspirierenden Zugang zu Modetrends zu geben.

Da ist mit rewe.de die wahrscheinlich einzige deutsche Antwort auf Amazon Fresh und Picnic, die die Prinzipien eines Task Managers aufgreift, um es Menschen online zu erleichtern, eine Bestellung für Güter des täglichen Bedarfs abzugeben.

Innovation als Handwerk

Wir sind der tiefen Überzeugung, dass Innovation nichts mit Talent zu tun hat, dass der eigene Fachhintergrund in der Lösungsfindung völlig egal ist. Sondern wir haben gelernt, dass digitale Innovation ein Handwerk ist, dass man sich beibringen kann. Ähnlich wie sich Menschen das Lesen, ein Instrument oder das Fußball spielen beibringen. Ausnahmslos jeder kann das schaffen. Hierfür haben wir ein eigenes Methoden-Framework entwickelt, dass wir Rapid Innovation nennen und Unternehmen hilft, Out Of The Box zu denken, um völlig neue innovative Lösungsansätze entwickeln und sich vom Wettbewerb zu differenzieren. Wir als Disrooptive bringen Unternehmen dieses Handwerk bei, indem wir vor Ort Impulsvorträge halten und Menschen aufwecken, anders über die Dinge nachzudenken: Wir führen beim Kunden 2-Tagesworkshops durch, arbeiten mit bereichsübergreifenden Teams an aktuellen Herausforderungen und bringen den Mitarbeitern das Handwerk bei. Wir führen Rapid Innovation Sprints durch, um innovative Prototypen zu bauen und nehmen die Unternehmen dabei an die Hand mit einer exakten Dokumentation aller Sprints und entsprechenden Schulterblicken. Wir coachen Unternehmen, Gründer, Geschäftsführer, Abteilungen, Teams und helfen ihnen, dieses Handwerk als Prozess in ihrem Berufsalltag zu integrieren.

Noch nie waren die Gegebenheiten so einfach und noch nie die Chancen so hoch, mit neuen Ansätzen ein gewichtiges Wort am E-Commerce-Markt zu spielen. Insofern sollte man seine Zeit nicht damit verschwenden, indem man alles neu erfindet, sondern sich auf wirklich die Dinge konzentrieren, mit denen man sich wahrnehmbar differenzieren kann. Niemand muss einen neuen Check-Out-Prozess schreiben, niemand ein neues Rabattsystem. Alles Ansätze, wo sich Standardlösungen anbieten. Dagegen existieren noch viele brachliegende Potenziale für kundenzentrierte Zugänge zu Services und Sortimente. Ob das ein „Shazam für Möbel“ ist, eine „To-Do App für Food“, eine „Wetter App für Baummärkte“, ein „Google Maps für Duty Free“, eine „Fitness App für Sportartikel“ oder das „Youtube für Homeshopping“. Die deutsche E-Commerce Branche muss einfach beginnen zu starten, zu testen, Feedback zu sammeln, zu verbessern, um Kundenrelevanz schaffen und damit auch einem vermeintlichen Schwergewicht wie Amazon die klare Kante zu zeigen.

Über den Autor:

Ruppert Bodmeier ist Geschäftsführer und Co-Gründer von disrooptive.com, der Plattform für disruptive Innovationen. Mit über 15 Jahren Berufserfahrung in digitaler Innovation gehört er zu den führenden Experten in Deutschland. In einer Plattform-dominierten Welt ist die Kernfrage, wie man serviceorientierte Verkaufsansätze entwickelt, die helfen, sich gegen Amazon, Google und Co. zu behaupten. Disrooptive stellt Unternehmen hierfür das ultimative Werkzeug zur Verfügung, um Ihr Geschäft völlig neu zu denken und disruptive Innovationen mit hoher Geschwindigkeit zu entwickeln. Ziel ist es im digitalen Business Out Of The Box zu denken, kundenzentriert zu arbeiten und aktuelle Branchenstandards zu durchbrechen.

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